Finnisches Deep-Tech-Startup Elea & Lili sammelt 2,5 Mio. Euro für fossilfreie Superabsorber
Das finnische Deep-Tech-Startup Elea & Lili hat 2,5 Millionen Euro Seed-Finanzierung eingesammelt, um ein neuartiges, biologisch abbaubares Absorptionsmaterial zur Marktreife zu bringen. Die Technologie könnte langfristig fossile Superabsorber ersetzen, die heute in Milliarden von Windeln sowie in landwirtschaftlichen Wasserspeicherprodukten eingesetzt werden.
Die Finanzierung wurde vom Venture-Capital-Fonds Lifeline Ventures angeführt. Weitere Investoren sind Ikorni Invest Oy Ab und Baltiska Handels Sverige AB, die langfristig orientiertes Kapital mit Fokus auf Industrie- und Nachhaltigkeitstechnologien bereitstellen.
Das Startup stammt als Spin-off aus dem finnischen Forschungsinstitut VTT Technical Research Centre of Finland, das die zugrunde liegende Technologie und geistiges Eigentum an das neu gegründete Unternehmen übertragen hat.
Ersatz für fossile Superabsorber
Superabsorbierende Polymere (SAP) sind zentrale Bestandteile vieler Produkte des täglichen Lebens. Besonders verbreitet sind sie in Einwegwindeln, wo sie große Mengen Flüssigkeit aufnehmen können.
Allerdings basieren diese Materialien bislang fast vollständig auf fossilen Rohstoffen. Sie sind nicht biologisch abbaubar und tragen sowohl zur Mikroplastikbelastung als auch zu langlebigem Plastikmüll bei.
Hier setzt die Technologie von Elea & Lili an. Das Unternehmen entwickelt Cellulose Super Absorbent (CSA™), ein Material auf Zellulosebasis, das vollständig biologisch abbaubar und mikroplastikfrei ist. Gleichzeitig soll es eine vergleichbare Absorptionsleistung wie konventionelle SAP-Materialien bieten und mit bestehenden Produktionsanlagen kompatibel sein.
Damit könnten Hersteller ihre Produkte nachhaltiger gestalten, ohne ihre industriellen Prozesse vollständig umstellen zu müssen.
Milliardenmarkt Windeln
Der erste Zielmarkt des Startups ist die Hygieneindustrie.
Nach Schätzungen des World Economic Forum entstehen weltweit jährlich rund 40 Millionen Tonnen Windelabfälle.
Ein einzelnes Kind verbraucht durchschnittlich 4.000 bis 6.000 Windeln, und weltweit werden jedes Jahr etwa 170 Milliarden Einwegwindeln produziert.
Das Problem: Ein zentraler Bestandteil moderner Windeln ist nicht biologisch abbaubar. Dadurch verbleibt ein Teil des Materials langfristig in Deponien oder in der Umwelt.
Mit CSA™ will Elea & Lili genau diesen letzten fossilen Bestandteil ersetzen.
Zweiter Wachstumsmarkt: Landwirtschaft
Neben der Hygieneindustrie adressiert das Startup einen weiteren großen Markt: landwirtschaftliche Wasserspeicherlösungen.
Auch hier werden Superabsorber eingesetzt, um Wasser im Boden zu speichern und Pflanzen in Trockenperioden zu versorgen.
Die heute eingesetzten Polymere basieren ebenfalls auf fossilen Materialien. Da sie direkt in den Boden eingearbeitet werden, verbleiben sie dauerhaft im Ackerboden und tragen zur Plastikbelastung landwirtschaftlicher Flächen bei.
Neue europäische Regulierung könnte diesen Markt künftig verändern. Mit der Commission Regulation (EU) 2023/2055 plant die EU, ab 2028 bestimmte persistenten Kunststoffbestandteile im Boden einzuschränken.
Die Zellulose-Technologie von Elea & Lili bietet hier eine Alternative, die sich biologisch abbaut und keine dauerhaften Kunststoffreste hinterlässt.
Biomaterial-Plattform statt Einzelprodukt
Strategisch positioniert sich Elea & Lili nicht nur als Materiallieferant, sondern als biomaterialbasierte Technologieplattform.
Hygiene und Landwirtschaft sind für uns zwei strategische Einstiegsmärkte. In beiden Bereichen sind absorbierende Materialien entscheidende Komponenten – und heute sind sie fossilbasiert. Wir ersetzen sie durch ein skalierbares Biomaterial.
Tatu Miettinen, Co-Founder und CEO Elea & Lili
Langfristig könnte CSA™ daher auch in weiteren Industrien eingesetzt werden, etwa in medizinischen Anwendungen, Verpackungslösungen oder Umwelttechnologien.
Ursprung der Idee in persönlicher Erfahrung
Die Idee für Elea & Lili entstand bereits 2017, als Mitgründer Tatu Miettinen nach der Geburt seines ersten Kindes auf die Umweltfolgen von Einwegwindeln aufmerksam wurde.
Ein prägendes Erlebnis folgte zwei Jahre später: Die Geburt seiner Tochter Elea verlief medizinisch kompliziert und erforderte eine Behandlung auf einer Neonatologie-Station.
Diese Erfahrung habe seine Perspektive nachhaltig verändert, so Miettinen. In dieser Zeit habe er den Entschluss gefasst, ein Unternehmen aufzubauen, das nachhaltige Lösungen für kommende Generationen entwickelt.
Forschung aus Finnland als Grundlage
Technologisch basiert das Unternehmen auf mehr als zehn Jahren Biomaterialforschung am VTT.
Die Patente und Forschungsresultate wurden vollständig an das Startup übertragen, das nun die Industrialisierung der Technologie vorantreibt.
Das Team vereint Expertise aus drei Bereichen:
- Biomaterialwissenschaft
- industrielle Skalierung
- kommerzielle Markteinführung
Parallel arbeitet Elea & Lili mit führenden Zellstoff- und Biomaterialunternehmen zusammen, um die Produktion von Pilotanlagen auf industrielle Fertigung hochzuskalieren.
Milliardenmärkte im Umbruch
Der Markt für Einwegwindeln soll laut Prognosen bis 2030 ein Volumen von rund 141 Milliarden US-Dollar erreichen.
Der globale Markt für Superabsorber wird im gleichen Zeitraum auf etwa 13,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Gleichzeitig wächst der Druck auf Hersteller:
- strengere Umweltregulierung
- steigende Nachhaltigkeitsanforderungen von Konsumenten
- zunehmende Aufmerksamkeit für Mikroplastik
Elea & Lili sieht darin eine strukturelle Chance.
CEO Miettinen formuliert es bewusst ambitioniert:
„Wir entwickeln kein Nischen-Ökoprodukt. Wir ersetzen eine globale Materialkategorie.“
Wofür das Kapital eingesetzt wird
Die frisch eingeworbenen 2,5 Millionen Euro sollen vor allem in fünf Bereiche fließen:
- Skalierung der Pilotproduktion von CSA™
- Aufbau industrieller Produktionspartnerschaften
- Entwicklung erster kommerzieller Windelprodukte
- Feldtests in der Landwirtschaft
- Ausbau des Kernteams
Auch Investor Timo Ahopelto, Gründungspartner von Lifeline Ventures, sieht enormes Potenzial in der Technologie.
Er verweist darauf, dass ein Großteil der jährlich produzierten 170 Milliarden Windeln langfristig in Böden oder Deponien verbleibt – während gleichzeitig Lebensmittel auf Feldern angebaut werden, die zunehmend mit Mikroplastik belastet sind.
Eine fossilfreie Alternative sei daher längst überfällig.

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