Seprify 13,4 Mio. Euro Series-A-Finanzierung
Das Schweizer Biomaterial-Startup Seprify erreicht einen wichtigen Meilenstein bei der Industrialisierung nachhaltiger Materialien. Das Unternehmen hat seine Zelluloseplattform aus der Pilotphase in eine beschaffungsfähige industrielle Produktion überführt und parallel 13,4 Millionen Euro (12,25 Mio. CHF) Series-A-Finanzierung eingesammelt.
Die Runde wurde von strategischen und finanziellen Investoren getragen, darunter die Inter IKEA Group, der nachhaltige Wachstumsfonds Una Terra Early Growth Fund, die Zürcher Kantonalbank, Cambridge Enterprise Ventures sowie Kickfund und weitere Investoren aus dem Circular-Economy-Umfeld.
Mit dem Kapital will Seprify die Produktion skalieren, industrielle Lieferketten aufbauen und seine Materialien in mehreren Branchen kommerziell etablieren.
Von Pilotprojekten zu industriellen Lieferverträgen
Die Technologie des Unternehmens basiert auf zellulosebasierten Hochleistungsmaterialien, die in verschiedenen Industrien fossile oder emissionsintensive Rohstoffe ersetzen sollen.
Während bisher vor allem Pilotprojekte und Tests mit Industriepartnern durchgeführt wurden, ermöglicht der neue Produktionsstatus nun einen entscheidenden Schritt: Unternehmen können Seprify-Materialien künftig regelmäßig und in größeren Mengen beziehen, ein wichtiger Faktor für langfristige Lieferverträge und strategische Beschaffung. Damit können Hersteller von ersten Tests direkt zu wiederholbarer industrieller Versorgung übergehen.
Mehr als 100 Unternehmen testen die Technologie
Die Plattform von Seprify wurde gemeinsam mit Industriepartnern entwickelt und hat inzwischen einen technologischen Reifegrad von TRL 7 bis TRL 9 erreicht. Dies ist ein Stadium, in dem Technologien bereits unter realen Produktionsbedingungen validiert sind. Derzeit arbeitet das Unternehmen mit mehr als 100 potenziellen Kundenorganisationen zusammen. Diese reichen von frühen Materialtests bis zu ersten kommerziellen Liefervereinbarungen.
Besonders stark ist die Nachfrage in drei Industriebereichen:
- Kosmetik und Personal Care
- Lebensmittel und Tiernahrung
- Beschichtungen und industrielle Oberflächen
Nachhaltige Alternative zu Titandioxid
Ein zentrales Ziel der Seprify-Technologie ist es, hoch-emissionsintensive Materialien zu ersetzen.
Besonders relevant ist dabei Titanium dioxide, ein weit verbreitetes Pigment und Weißmacher, das unter anderem in Lebensmitteln, Farben und Kosmetika eingesetzt wird. Die Herstellung von Titandioxid ist energieintensiv und steht zunehmend im Fokus regulatorischer und ökologischer Diskussionen.
Seprify entwickelt deshalb zellulosebasierte Alternativen, die ähnliche funktionale Eigenschaften bieten, jedoch aus erneuerbaren Rohstoffen bestehen und besser in nachhaltige Produktionskreisläufe integriert werden können.
Erste Produkte für Kosmetik und Lebensmittel
Zu den ersten kommerziellen Produktlinien des Unternehmens gehören:
- SilvaLuma – ein zellulosebasierter SPF-Booster für Sonnenschutzprodukte in der Kosmetikindustrie
- SilvaAlba – ein Lebensmittel-Whitening-Ingredient, das als Alternative zu Titandioxid eingesetzt werden kann
Beide Produkte sollen Herstellern helfen, ihre Rezepturen nachhaltiger zu gestalten, ohne bestehende Produktionsprozesse vollständig umstellen zu müssen.
Skalierung auf industrielle Mengen
Mit der neuen Finanzierung plant Seprify, seine Produktionskapazitäten deutlich auszubauen. Die Herstellung soll über etablierte industrielle Produktionspartner erfolgen, wodurch bereits kurzfristig Kapazitäten im Bereich von mehreren hundert Tonnen pro Jahr erreicht werden können. Parallel arbeitet das Unternehmen an der Planung großskaliger Produktionsanlagen, um langfristig noch größere Märkte bedienen zu können.
Unsere Priorität liegt jetzt auf Umsetzung und Skalierung. Wir konzentrieren uns darauf, gleichbleibende Qualität und zuverlässige Lieferketten sicherzustellen – genau das, was große Industriekunden erwarten.
Lukas Schertel, Cofounder & CEO Seprify
Kurzfristig konzentriert sich Seprify auf Anwendungen mit hohem Mehrwert und moderatem Materialbedarf, etwa:
- Kosmetikprodukte, insbesondere Sonnenschutz
- Lebensmittel- und Tiernahrungsprodukte
Parallel baut das Unternehmen seine Technologie für größere Volumenmärkte aus, darunter:
- Beschichtungen
- Druckfarben
- gedruckte Elektronik
Diese Anwendungen erfordern deutlich höhere Materialmengen, bieten jedoch auch großes Marktpotenzial für nachhaltige Rohstoffe.
Strategischer Partner: IKEA
Mit dem Einstieg der Inter IKEA Group gewinnt Seprify einen wichtigen strategischen Partner. IKEA investiert gezielt in Materialien, die klimaschädliche oder ressourcenintensive Rohstoffe ersetzen können, ohne bestehende industrielle Produktionssysteme zu destabilisieren.
Robert Carleke, Innovation Ventures Manager bei Inter IKEA Group, sieht in der Zelluloseplattform ein vielversprechendes Materialkonzept: Das Unternehmen suche gezielt nach Lösungen, die realistisch in bestehende Produktions- und Recyclingstrukturen integriert werden können. Die Technologie von Seprify habe inzwischen eine Reife erreicht, die eine industrielle Anwendung glaubwürdig erscheinen lasse.
Plattformstrategie für nachhaltige Materialien
Langfristig positioniert sich Seprify nicht nur als Materiallieferant, sondern als Plattform für zellulosebasierte Hochleistungsstoffe.
Die Kombination aus:
- Prozess-Know-how
- Anwendungsexpertise
- umfangreicher Patentbasis
soll es ermöglichen, künftig weitere Materialien und Industrien zu adressieren. Damit bewegt sich Seprify an der Schnittstelle von Deep-Tech, nachhaltigen Materialien und industrieller Skalierung.

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