Erfinderinnen

Studie des Europäischen Patentamts: Frauenanteil bei Patenten in Deutschland stagniert bei rund 10 Prozent

Düsseldorf vorn, Rostock im Aufwind. Regionale Unterschiede bei Erfinderinnen werden sichtbar.
Report von Marc Nemitz Marc Nemitz · München, 03. März 2026

Eine neue Untersuchung der Beobachtungsstelle für Patente und Technologie des Europäisches Patentamt (EPA) zeigt: Trotz steigender Zahlen von Frauen in MINT-Berufen bleibt ihr Anteil an Patentanmeldungen in Deutschland auf niedrigem Niveau. Der Frauenanteil liegt weiterhin bei rund zehn Prozent und damit deutlich unter dem europäischen Durchschnitt.

Die Studie wurde im Vorfeld des Internationalen Frauentags veröffentlicht und liefert europaweit vergleichbare Daten zu Frauen in Innovation, Deep-Tech-Unternehmertum und Patentberufen.

Langsamer Fortschritt auf europäischer Ebene

Europaweit stieg der Anteil von Erfinderinnen an Patentanmeldungen nur leicht: von 13 Prozent im Jahr 2019 auf 13,8 Prozent im Jahr 2022. Frauen sind zwar häufig Teil gemischter Erfinderteams, treten jedoch deutlich seltener als Einzelerfinderinnen auf.

Für Deutschland zeigt sich ein besonders verhaltenes Bild: Die sogenannte Women Inventor Rate (WIR) stieg im Zeitraum 2013–2017 von 9,7 Prozent lediglich auf 10,3 Prozent in den Jahren 2018–2022. Damit gehört Deutschland weiterhin zu den Ländern mit den niedrigsten Beteiligungsquoten im europäischen Patentwesen.

Ein wesentlicher Grund liegt in der Struktur der deutschen Patentanmeldungen: Der Anteil unternehmensgetriebener Anmeldungen ist hoch, während Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen – die tendenziell höhere Frauenanteile aufweisen – vergleichsweise weniger beitragen. Zudem ist Deutschland stark in Technologiefeldern spezialisiert, in denen traditionell wenige Frauen patentieren.

Regionale Unterschiede: Düsseldorf und Rostock stechen hervor

Unter den deutschen Regionen weist Düsseldorf die höchste Erfinderinnenquote auf. Mit 19,1 Prozent im Zeitraum 2018–2022 liegt die Stadt über dem Bundesdurchschnitt und belegt Rang sechs unter Europas führenden Innovationsclustern. Die starke Position wird vor allem der regionalen Spezialisierung im Chemiesektor zugeschrieben.

Besonders dynamisch entwickelte sich Rostock: Die Erfinderinnenquote verdoppelte sich dort von 11 Prozent (2013–2017) auf 22 Prozent (2018–2022). Damit zählt die Hansestadt zu den am schnellsten wachsenden Innovationsregionen Europas und belegt Platz neun in dieser Kategorie.

Große Lücke im Tech-Unternehmertum

Besonders deutlich zeigt sich die Geschlechterkluft bei Startups mit Patentanmeldungen. Europaweit verfügen nur 13,5 Prozent dieser Unternehmen über mindestens eine Gründerin.

Deutschland zählt hier zu den Schlusslichtern: Frauen stellen lediglich 7,6 Prozent aller Gründerinnen und Gründer in patentierenden Startups. Betrachtet man Teams mit mindestens einer Gründerin, liegt der Anteil bei 12,4 Prozent. Zum Vergleich: Bei nicht patentierenden Startups in denselben Branchen beträgt der Gründerinnenanteil in Deutschland im Schnitt 18 Prozent – mehr als doppelt so hoch.

Auffällig ist zudem, dass der Frauenanteil bei jüngeren Startups höher ist als bei älteren Unternehmen. Mit zunehmender Finanzierungsreife sinkt der Anteil jedoch deutlich, was auf strukturelle Hürden in späteren Wachstumsphasen hindeutet.

Starke Unterschiede nach Technologiefeld

Je nach Branche variiert die Beteiligung von Frauen erheblich. Besonders hoch ist der Anteil in Life-Sciences-Bereichen wie Pharmazeutika (34,9 Prozent), Biotechnologie (34,2 Prozent) und Lebensmittelchemie (32,3 Prozent).

In patentintensiven Ingenieurdisziplinen hingegen sind Frauen stark unterrepräsentiert. In Bereichen wie Werkzeugmaschinen (5,7 Prozent), grundlegende Kommunikationsprozesse (5,5 Prozent) und mechanische Bauteile (4,9 Prozent) liegen die Werte besonders niedrig.

Universitäten und öffentliche Forschungseinrichtungen weisen mit 24,4 Prozent den höchsten Anteil an Erfinderinnen auf. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Einzelantragsteller liegen am unteren Ende der Skala.

"Leaky Pipeline" trotz vergleichbarem Innovationspotenzial

Die Studie bestätigt ein bekanntes Muster: Obwohl Frauen auf Doktorandenebene stark vertreten sind, nimmt ihr Anteil mit jeder Karrierestufe ab, besonders beim Übergang in Kommerzialisierung und Unternehmertum. Dieses Phänomen wird häufig als "Leaky Pipeline" beschrieben.

Dabei zeigen die Daten, dass die Forschungsarbeiten von Frauen ein vergleichbares Innovationspotenzial wie jene von Männern aufweisen. Die geringere Patentbeteiligung lässt sich somit nicht durch Qualitätsunterschiede erklären, sondern deutet auf strukturelle, institutionelle und wirtschaftliche Barrieren hin.

Frauen in Patentberufen: Aufholprozess mit Luft nach oben

Positiv entwickelt sich der Anteil von Frauen in Patentberufen: Europaweit stellen sie inzwischen 29,2 Prozent der Patentanwältinnen und Patentanwälte, mit steigender Tendenz.

In Deutschland lag der Anteil 2025 bei 20,7 Prozent. Zwar entspricht das einem Anstieg um 4,6 Prozentpunkte seit 2015, dennoch bleibt Deutschland damit unter dem europäischen Durchschnitt und weist den zweitniedrigsten Anteil unter den EPA-Mitgliedstaaten auf, trotz der höchsten absoluten Zahl registrierter Patentanwältinnen und Patentanwälte.


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