Venture Clienting

Wie Banken durch systematisches Venture ClientingInnovationskraft sichern

Dieser Beitrag erscheint in der Venture Clienting Themenwelt powered by LBBW. Als mittelständische Universalbank mit eigenem Venture-Clienting-Modell arbeitet die LBBW gezielt mit Startups zusammen, um innovative Technologien in die Bankpraxis zu übertragen – und macht in dieser Themenwelt Neuigkeiten, Diskussionen und Best Practices sichtbar, die Orientierung für Mittelstand, Innovationsverantwortliche und Startups bieten.
Report von Frederic Pampus Frederic Pampus · Stuttgart, 26. Februar 2026

Die Finanzbranche steht vor einem Dilemma: Innovationsdruck steigt, während Budgets schrumpfen. 75% der Unternehmen planen für 2025 keine Erhöhung ihrer Innovationsausgaben. Gleichzeitig beschleunigt sich der technologische Wandel, getrieben durch KI, Regulatorik und veränderte Kundenerwartungen.

Führende Finanzinstitute haben erkannt, dass externe Innovation ist kein Ersatz für interne Entwicklung ist, sondern ein strategischer Hebel, der Innovationskraft auch in budget-limitierten Zeiten sichert.

28.000 Partnerschaften: Venture Clienting ist längst Standard

Eine aktuelle Analyse von GlassDollar untersucht mehr als 250.000 Corporate-Startup-Beziehungen weltweit.

Das Ergebnis: Financial Services gehört mit über 28.000 dokumentierten Partnerschaften zu den aktivsten Sektoren im Venture Clienting.

Die Zahlen sprechen für sich:

- 11% aller globalen Corporate-Startup-Partnerschaften entfallen auf Financial Services

- Führende Institute haben 500+ aktive Kollaborationen parallel laufen

- 15% des gesamten Venture-Capital-Volumens, das durch Corporate-Partnerschaften erschlossen wird, kommt aus dem Finanzsektor

Besonders bemerkenswert: Finanzinstitute machen 11% der Partnerschaften aus, aber erschließen 15% des VC-Kapitals. Das bedeutet: Banken arbeiten gezielt mit hochkapitalisierten, ausgereiften Startups/Scaleups, was widerum ein Zeichen für professionelles, risikooptimiertes Innovationsmanagements ist.

Warum Venture Clienting Innovationskraft sichert

Der strategische Wert von Venture Clienting liegt in drei fundamentalen Vorteilen:

1. Zugang zu extern finanziertem Innovationskapital

Während interne Innovationsbudgets stagnieren, investieren Venture-Capital-Fonds weiterhin Milliarden in Fintechs und Technologie-Startups. Die Zahlen sind eindeutig: Externes Innovationskapital (VC-Investitionen in Startups) hat internes R&D bereits um den Faktor 1,7x überholt.

Durch systematische Partnerschaften erschließen Banken dieses externe Kapital, ohne selbst das volle Entwicklungsrisiko zu tragen. Ein Startup, das 50 Millionen Dollar VC-Funding erhalten hat, bringt bereits validierte Technologie, erfahrene Teams und Marktzugang mit und damit Ressourcen, die intern Jahre dauern und deutlich mehr kosten würden.

2. Geschwindigkeit statt langwieriger Eigenentwicklung

Time-to-Market ist entscheidend. Startups haben funktionierende Lösungen bereits entwickelt und im Markt getestet. Statt drei bis fünf Jahre in eigene Entwicklung zu investieren, können Banken bewährte Technologien in wenigen Monaten integrieren.

Das Ergebnis sind schnellere Reaktion auf Marktveränderungen, kürzere Innovationszyklen und direkter Zugang zu Spitzentechnologie.

3. Strategischer Fokus auf Kernkompetenzen

Nicht jede technologische Herausforderung muss intern gelöst werden. Durch die gezielte Auslagerung von „Undifferentiated Heavy Lifting" an spezialisierte Startup-Partner können sich Banken auf ihre echten Differenzierungsmerkmale konzentrieren: Kundenbeziehungen, Risikomanagement und regulatorische Expertise.

Drei strategische Felder: Wo Banken Startups systematisch einsetzen

Die 28.000 Partnerschaften konzentrieren sich auf drei klar definierte Innovationsfelder:

Infrastruktur-Modernisierung & Zahlungsverkehr

Legacy-Systeme sind einer der größten Innovationshemmer im Finanzsektor. Startups liefern moderne Banking-Infrastrukturen: von Banking-as-a-Service über Instant-Payment-Lösungen bis zu Cross-Border-Settlement.

Dadurch können Transaktionskosten gesenkt, Prozesse beschleunigt und neue Geschäftsmodelle wie Embedded Finance ermöglicht werden – ohne jahrelange Systemmigrationen.

KI-gestützte Risiko- & Compliance-Systeme

Regulatorische Anforderungen wachsen insbesondere im Finanzsektor kontinuierlich. Gleichzeitig steigt das Datenvolumen exponentiell. KI-basierte Startup-Lösungen automatisieren Compliance-Prozesse, erkennen Anomalien in Echtzeit und verbessern Anti-Geldwäsche-Mechanismen.

Der Mehrwert: Aus einem wachsenden Kostenfaktor wird ein Effizienzgewinn. Compliance wird schneller, präziser und skalierbarer.

Digitale Identitäten & Cybersecurity

Mit zunehmender Digitalisierung steigen auch die Sicherheitsanforderungen. Startups entwickeln Zero-Trust-Architekturen, verschlüsselte Datenumgebungen und datenschutzkonforme Analysesysteme.

Dies führt zu höhere Sicherheit bei gleichzeitig besserer User Experience und damit zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Von Piloten zu Portfolio-Management: Systematik macht den Unterschied

Nicht jede Startup-Partnerschaft führt jedoch automatisch zu messbarem Erfolg. Die Daten zeigen: Systematisches Vorgehen ist der entscheidende Erfolgsfaktor.
Führende Finanzinstitute haben Venture Clienting in den letzten Jahren professionalisiert und damit vom experimentellen Pilotprojekt zur strategischen Core Capability entwickelt.

Die Erfolgsfaktoren im Überblick:

Business-Unit-Integration statt Innovations-Theater:

Die erfolgreichsten Partnerschaften entstehen dort, wo Geschäftsbereiche direkte Verantwortung übernehmen. Isolierte Innovation Labs ohne Anbindung ans Kerngeschäft produzieren Piloten, aber keinen Impact. Führende Banken etablieren deshalb dedicated Venture Clienting Teams, die Scouting, Evaluation und Integration koordinieren, mit klaren Budgets und direkter Erfolgsverantwortung.

Messbare Ergebnisse statt Aktivitätskennzahlen:

Statt „Anzahl der Piloten" zählen P&L-relevante Metriken: Kostensenkungen, Umsatzsteigerungen, Effizienzgewinne. Institute definieren klare Business Cases bereits vor dem ersten Kontakt mit einem Startup und nutzen zunehmend KI-gestützte Plattformen, die die passendsten Startups basierend auf Technologie-Fit, Implementierungsreife und Business-Case-Potenzial identifizieren.

Beschleunigte Prozesse durch Standardisierung:

Die größte Hürde für Startup-Partnerschaften sind oft interne Prozesse. Erfolgreiche Programme setzen auf pre-negotiated Frameworks, Template-basierte Verträge und beschleunigte Due-Diligence-Prozesse. Die Zeit von Erstkontakt bis Vertragsunterzeichnung verkürzt sich von Monaten auf Wochen, dank frühzeitiger Einbindung von Einkauf, Legal und Compliance.

Portfolio-Management statt Einzelprojekte:

Führende Finanzinstitute betreiben nicht einzelne Pilotprojekte, sondern managen Portfolios von 50+ aktiven Startup-Beziehungen parallel. Mit klaren Auswahlkriterien, Stage-Gates und Erfolgskennzahlen. Venture Clienting wird dabei nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als integraler Bestandteil der Gesamtstrategie, verzahnt mit Corporate Venture Capital, M&A und internem R&D.

Fazit: Externe Innovation als strategischer Wettbewerbsvorteil im Finanzbereich

Die Zahlen belegen eindeutig: Venture Clienting ist kein Trend, sondern eine etablierte Innovationsstrategie, die Finanzinstituten ermöglicht, auch in budget-limitierten Zeiten Innovationskraft zu sichern.

Mit über 28.000 Partnerschaften und systematischem Zugang zu Milliarden an extern finanziertem Innovationskapital haben führende Banken einen Weg gefunden, Geschwindigkeit und Schlagkraft mit Risikomanagement zu verbinden.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der professionellen Umsetzung: klare Prozesse, messbare Ziele und die Integration von Startup-Lösungen direkt in die Geschäftsbereiche. Wer Venture Clienting als strategisches Instrument begreift und nicht als experimentelles Beiwerk, schafft nachhaltige Wettbewerbsvorteile.

Die Frage ist damit nicht mehr ob Banken mit Startups zusammenarbeiten sollten, sondern wie systematisch sie es tun.

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Über die Datengrundlage: Die Analyse basiert auf GlassDollars proprietärer Datenbank mit über 250.000 dokumentierten Corporate-Startup-Beziehungen weltweit (Stand: September 2025).


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