HMNC Brain Health holt sich 50 Millionen US-Dollar und schließt strategische Allianz mit MEDICE
Die Münchner Neuropsychiatrie-Biotechfirma HMNC Brain Health hat den ersten Abschluss einer Series-B-Finanzierungsrunde über insgesamt 50 Millionen US-Dollar bekanntgegeben. Gleichzeitig verkündet das Unternehmen eine weitreichende strategische Partnerschaft mit dem deutschen Gesundheitsunternehmen MEDICE.
Die Finanzierung soll die klinische Entwicklung zweier vielversprechender Programme beschleunigen: Ketabon (KET-01), einer neuartigen Ketamin-Therapie gegen therapieresistente Depressionen, sowie Nelivabon (BH-200), einer biomarkerbasierten Präzisionstherapie für bestimmte Formen depressiver Erkrankungen.
MEDICE steigt als Investor und Vermarktungspartner ein
Angeführt wird die Finanzierungsrunde von MEDICE – The Health Family. Das Familienunternehmen zählt zu den führenden Anbietern im Bereich psychischer Gesundheit und ist insbesondere im europäischen ADHS-Markt stark positioniert.
Neben der Kapitalbeteiligung haben beide Unternehmen eine strategische Lizenzvereinbarung geschlossen. Diese sichert MEDICE die exklusiven Vermarktungsrechte für Ketabon in Europa. Im Gegenzug erhält HMNC erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen sowie gestaffelte Lizenzgebühren im zweistelligen Prozentbereich auf zukünftige Umsätze.
Auch Bestandsinvestor The Maschmeyer Group beteiligt sich erneut an der Finanzierungsrunde. Prominente Einzelpersonen, die als Geldgeber beteiligt sind: Josef Ackermann, Toni Kroos, Matthias Schweighöfer sowie Wilhelm Beier, Inhaber des Pharmaunternehmens Dermapharm. Bisher hat HMNC 110 Mio Euro an Finanzierungsmitteln erhalten.
Ketabon soll Depressionstherapie neu denken
Im Mittelpunkt steht dabei Ketabon (KET-01), eine oral verabreichte Ketamin-Formulierung mit verlängerter Wirkstofffreisetzung. Während ketaminbasierte Therapien bereits heute als vielversprechender Ansatz bei therapieresistenten Depressionen gelten, sind bestehende Behandlungsmethoden oft mit aufwendigen Klinikbesuchen oder belastenden Nebenwirkungen verbunden.
HMNC geht das jetzt verändert an. Die verlängerte Wirkstofffreisetzung soll eine ambulante oder sogar häusliche Anwendung ermöglichen. In bisherigen Phase-2-Studien zeigte Ketabon schnelle antidepressive Effekte bei gleichzeitig reduzierten dissoziativen Nebenwirkungen im Vergleich zu bestehenden Ketamin-Therapien. Mit den neuen Mitteln sollen nun die Vorbereitungen für die entscheidenden Phase-3-Studien vorangetrieben werden.
Präzisionspsychiatrie als zweites Standbein
Parallel entwickelt HMNC mit Nelivabon (BH-200) eine sogenannte First-in-Class-Therapie. Der Wirkstoff blockiert gezielt den Vasopressin-V1b-Rezeptor und richtet sich an biologisch definierte Patientengruppen. Grundlage ist ein eigens entwickelter genetischer Stratifikierungsansatz, der Patienten identifizieren soll, die besonders von der Therapie profitieren könnten.
Erste Phase-2b-Ergebnisse aus der OLIVE-Studie fielen nach Unternehmensangaben vielversprechend aus. Darüber hinaus prüft HMNC bereits mögliche Anwendungen in weiteren neuropsychiatrischen sowie neurodegenerativen Indikationen.
Psychische Erkrankungen bleiben einer der größten ungedeckten Gesundheitsmärkte
Die Finanzierung erfolgt in einem Marktumfeld, in dem psychische Erkrankungen weltweit weiter zunehmen. Gleichzeitig gelten viele bestehende Therapien als unzureichend oder wirken bei einem Teil der Patienten nicht ausreichend. HMNC möchte weg von standardisierten Behandlungen, hin zu einer biologisch fundierten Präzisionspsychiatrie.
Diese Finanzierung bestätigt unseren wissenschaftlichen Ansatz und unsere Vision, ein Neuropsychiatrie-Unternehmen der nächsten Generation aufzubauen
Maximilian Doebler, Chief Business Officer von HMNC
Auch Jessica Burgstaller, VP Strategy & Corporate Development, sieht in der Partnerschaft einen wichtigen Schritt: „Die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit neuen Therapieoptionen für Patienten stärkt unsere Überzeugung, dass biologisch informierte Psychiatrie die Behandlung psychischer Erkrankungen grundlegend verändern kann.“
Europas Neuropsychiatrie-Sektor gewinnt an Dynamik
Die Beteiligung eines etablierten Gesundheitsunternehmens wie MEDICE unterstreicht das wachsende Interesse an innovativen Lösungen für psychische Erkrankungen. Während viele Biotech-Investitionen derzeit auf Onkologie oder KI-gestützte Wirkstoffentwicklung fokussiert sind, zeigt die Finanzierungsrunde, dass auch die Neuropsychiatrie zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren rückt.
Für HMNC markiert die Series-B-Finanzierung einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Marktreife seiner Programme. Gleichzeitig könnte die Partnerschaft mit MEDICE dafür sorgen, dass neue Therapieansätze künftig schneller den Weg zu Patienten in Europa finden.

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