LegalTech

13 Millionen Euro für JUPUS

Über 2.000 Anwältinnen und Anwälte nutzen bereits die Lösung, die administrative Aufgaben automatisiert und Kanzleien monatlich mehr als 70 Stunden Arbeit ersparen kann.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Köln, 23. Juni 2026

Das Kölner LegalTech-Startup JUPUS hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 13 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Semapa Next, während sich die NRW.BANK über ihren Venture-Capital-Fonds NRW.Venture als Co-Investorin beteiligt. Auch die bestehenden Investoren Acton Capital und High-Tech Gründerfonds (HTGF) erhöhen ihr Engagement.

Mit dem frischen Kapital will JUPUS seine KI-Plattform weiterentwickeln, die Marktposition in Deutschland ausbauen und die Expansion in weitere europäische Länder vorbereiten.

Ein strukturelles Problem der Rechtsbranche

Der Erfolg von JUPUS fällt in eine Zeit, in der sich viele Kanzleien mit einem grundlegenden Problem konfrontiert sehen: Während die Zahl der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen ist, geht die Zahl neu ausgebildeter Rechtsanwaltsfachangestellter massiv zurück.

Nach Angaben des Unternehmens ist die Zahl der Berufseinsteiger in diesem Bereich innerhalb von 30 Jahren um mehr als 70 Prozent gesunken. Gleichzeitig wächst der Verwaltungsaufwand in Kanzleien weiter. Besonders kleine und mittelständische Kanzleien geraten dadurch zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. JUPUS sieht hier eine Chance für sich.

Vom Assistenten zum digitalen Mitarbeiter

Das Unternehmen bezeichnet seine Lösung nicht als weiteres Assistenzsystem, sondern als eine neue Generation juristischer Arbeits-KI. Das KI-Sekretariat übernimmt zahlreiche Aufgaben eigenständig: Es führt erste Mandantengespräche, strukturiert Anfragen, bereitet Fälle vor, erstellt Schriftsätze und übernimmt administrative Prozesse bis hin zur Aktenanlage.

Dadurch sparen Kanzleien laut JUPUS monatlich mehr als 70 Arbeitsstunden ein. Gleichzeitig gewinnen Anwältinnen und Anwälte Zeit für ihre eigentliche juristische Arbeit und die Betreuung ihrer Mandanten. Mittlerweile werden über die Plattform täglich mehr als 2.000 neue Fälle verarbeitet. Mehr als 2.000 Juristinnen und Juristen nutzen die Lösung bereits im Arbeitsalltag.

Deutliche Wachstumszahlen

Auch wirtschaftlich entwickelt sich das Unternehmen dynamisch. Im Jahr 2025 vervierfachte JUPUS seinen jährlich wiederkehrenden Umsatz (ARR). Parallel dazu verdreifachte sich die Mitarbeiterzahl auf inzwischen rund 70 Beschäftigte. Die Zahl der Nutzer und bearbeiteten Fälle hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

Mit der aktuellen Finanzierungsrunde hat das Unternehmen insgesamt bereits mehr als 20 Millionen Euro eingesammelt.

Investoren sehen europäische Marktchance

Für Semapa Next ist JUPUS weit mehr als ein klassisches LegalTech-Unternehmen. Der neue Lead-Investor sieht im Kölner Startup das Potenzial, eine neue Kategorie juristischer Software in Europa zu etablieren. Statt Anwälte lediglich zu unterstützen, übernimmt die Technologie eigenständig operative Aufgaben und wird damit zu einem aktiven Bestandteil der Kanzleiorganisation.

Auch die NRW.BANK verweist auf die zunehmende Bedeutung von KI-Lösungen zur Entlastung von Fachkräften und zur Effizienzsteigerung in spezialisierten Branchen.

Europa als nächster Wachstumsschritt

Für Gründer und CEO René Fergen steht die Branche erst am Anfang einer grundlegenden Transformation.

Während große KI-Anbieter zunehmend eigene Lösungen für den Rechtsmarkt ankündigen, sieht JUPUS seinen Wettbewerbsvorteil in der tiefen Spezialisierung auf juristische Prozesse, deutsches und europäisches Berufsrecht sowie die besonderen Anforderungen an Datenschutz und Mandatsgeheimnis.

Das Unternehmen setzt dabei auf eine umfangreiche Wissensbasis aus Millionen realer Fallkonstellationen und verfolgt die Vision, die führende KI-Arbeitsplattform für kleine und mittelständische Kanzleien in Europa zu werden.

Mit dem neuen Kapital sollen nun weitere Funktionen entwickelt, die Marktposition ausgebaut und die europäische Expansion vorbereitet werden.

KI erreicht den Kern klassischer Dienstleistungsberufe

Der Erfolg von JUPUS zeigt zugleich, wie tief Künstliche Intelligenz inzwischen in traditionelle Wissensberufe vordringt. Während sich die erste KI-Welle vor allem auf Marketing, Content oder Softwareentwicklung konzentrierte, erreicht die Technologie nun zunehmend regulierte und hochspezialisierte Branchen.

Die zentrale Frage lautet dabei nicht mehr, ob KI juristische Arbeit unterstützen kann, sondern welche Teile der täglichen Kanzleiarbeit künftig vollständig automatisiert werden können. JUPUS positioniert sich genau an dieser Schnittstelle und will zum digitalen Kollegen für tausende Kanzleien in Europa werden.


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