Series-A

Almetra erhält 16,3 Millionen Euro für die digitale Fabrik der Zukunft

Mit KI-gestützten Kameras analysiert das Berliner Startup Produktionsabläufe in Echtzeit und steigert die Produktivität bei Industriekunden um bis zu 20 Prozent.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 25. Juni 2026

Das Berliner Industrial-AI-Startup Almetra hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 16,3 Millionen Euro abgeschlossen. Das Startup, das bislang unter dem Namen Deltia auftrat, entwickelt eine KI-Plattform, die Produktionsabläufe in Echtzeit analysiert und Fertigungsunternehmen dabei unterstützt, ihre Prozesse effizienter zu gestalten.

Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom transatlantischen Investor blisce/. Weitere Kapitalgeber sind NAP, Merantix Capital, Robin Capital, Underline, Critical Ventures sowie mehrere Business Angels. Mit dem frischen Kapital will Almetra seine Plattform technologisch ausbauen, in den US-Markt expandieren und den nächsten Entwicklungsschritt hin zu einer umfassenden Daten- und Automatisierungsplattform für die Industrie vollziehen.

Die Industrie produziert oft ohne vollständige Transparenz

Obwohl moderne Produktionsanlagen hochautomatisiert sind, fehlt vielen Unternehmen weiterhin ein vollständiges Bild darüber, was tatsächlich auf dem Shopfloor geschieht. Entscheidungen werden häufig auf Basis unvollständiger oder zeitverzögerter Daten getroffen, während Fachkräftemangel, steigende Kosten und internationaler Wettbewerbsdruck den Handlungsbedarf zusätzlich erhöhen.

Produktionsteams wissen, dass ihre Anlagen nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen, aber nicht, wo die Ursachen liegen. Wir ersetzen Vermutungen durch belastbare Daten. Die meisten unserer Kunden identifizieren bereits innerhalb weniger Wochen erhebliche Optimierungspotenziale.

Maximilian Fischer, Mitgründer und CEO von Almetra

Mithilfe KI-gestützter Kameras erfasst die Plattform Almetras Produktionsabläufe direkt in der Fertigung und wandelt die gewonnenen Bilddaten automatisch in relevante Produktionskennzahlen um – etwa zu Zykluszeiten, Auslastung oder Durchsatz. Aufwendige IT-Integrationen sind dafür nicht erforderlich.

Von der Analyse zur intelligenten Produktionssteuerung

Mit der neuen Finanzierung verfolgt das Unternehmen einen deutlich erweiterten Anspruch. Aus einer Lösung zur Produktionsanalyse soll eine zentrale Daten- und Automatisierungsplattform für die Fertigungsindustrie entstehen.

Dafür kombiniert Almetra künftig Videodaten mit Maschineninformationen, ERP-Daten und dem Erfahrungswissen der Mitarbeitenden. Ziel ist eine einheitliche Datenbasis, auf deren Grundlage sich Produktionsprozesse nicht nur analysieren, sondern zunehmend automatisieren lassen. Langfristig soll die Plattform auch Robotik-Anwendungen unterstützen. Die technologische Ausrichtung des Unternehmens wurde bereits durch die Aufnahme in den Robotics Accelerator von Google DeepMind sowie das Physical AI Fellowship von AWS, Nvidia und MassRobotics unterstrichen.

Datenschutz als Bestandteil der Technologie

Ein wesentlicher Bestandteil der Lösung ist der Datenschutz. Die Videodaten werden direkt in der Fabrik verarbeitet und anonymisiert. Der Großteil der Aufnahmen verlässt die Produktionsstandorte nicht. Lediglich kurze, zufällig ausgewählte Sequenzen werden für Ursachenanalysen gespeichert.

Die eigens entwickelten KI-Modelle passen sich dabei an die individuellen Produktionsprozesse jedes Unternehmens an und liefern kontinuierlich aktuelle Daten über den tatsächlichen Zustand der Fertigung.

Erste Industrieunternehmen berichten von deutlichen Produktivitätsgewinnen

Almetra arbeitet bereits mit Industrieunternehmen wie Bosch, Siemens Energy und ABB zusammen. Nach Angaben des Unternehmens konnten Kunden ihre Produktivität innerhalb weniger Wochen um bis zu 20 Prozent steigern. So berichtet der eBike-Hersteller eBike Systems von einer Produktivitätssteigerung von 19 Prozent nach Einführung der Plattform, woraufhin die Lösung auf das gesamte Werk ausgeweitet wurde.

Expansion in die USA voraus

Gegründet wurde Almetra 2022 von Maximilian Fischer und Silviu Homoceanu im Berliner Venture Studio Merantix. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen rund 40 Mitarbeitende und zählt zu den wachstumsstarken KI-Unternehmen im Bereich der industriellen Digitalisierung.

Mit der neuen Finanzierung soll nun insbesondere die Expansion in die USA beschleunigt werden. Parallel investiert Almetra in die Weiterentwicklung seiner Plattform, um Produktionsdaten künftig als Grundlage für automatisierte Entscheidungen und intelligente Fertigungsprozesse zu nutzen. Für die Investoren liegt genau darin das Potenzial: Während viele KI-Anwendungen im Büro entstehen, adressiert Almetra einen Milliardenmarkt direkt auf dem Shopfloor – dort, wo Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie täglich entschieden werden.


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