Ora Computing erhält 3,5 Millionen Euro für effizientere KI-Modelle
Das österreichische DeepTech-Startup Ora Computing hat eine Seed-Finanzierung in Höhe von 3,5 Millionen Euro abgeschlossen. Die Runde wird von Constructor Capital und Greencode Ventures angeführt. Zudem beteiligt sich der bestehende Investor XISTA Science Ventures erneut an dem Unternehmen, das bereits bei der Gründung und dem Aufbau von Ora Computing eine zentrale Rolle spielte.
Mit dem frischen Kapital will das Startup seine Technologie zur Komprimierung von KI-Modellen weiterentwickeln, neue Anwendungsbereiche erschließen und seine kommerzielle Plattform für Cloud-Anbieter sowie Edge-AI-Anwendungen auf den Markt bringen.
Das wachsende Kostenproblem der KI
Während die Leistungsfähigkeit moderner KI-Systeme rasant zunimmt, steigen auch die Kosten für deren Betrieb. Besonders die sogenannte Inferenz entwickelt sich zunehmend zum Kostenfaktor. Große Unternehmen investieren mittlerweile monatlich Millionenbeträge allein in Rechenleistung. Gleichzeitig stoßen viele Anwendungen im Automobilbereich, in industriellen Anlagen oder auf mobilen Geräten an technische Grenzen, da moderne Sprachmodelle oft zu groß und zu ressourcenhungrig für lokale Hardware sind.
KI-Modelle um bis zu 80 Prozent verkleinern
Die Technologie von Ora Computing ermöglicht es, große KI-Modelle deutlich zu komprimieren. Nach Angaben des Startups können Modelle um bis zu 80 Prozent verkleinert und gleichzeitig bis zu viermal schneller ausgeführt werden. Der Genauigkeitsverlust soll dabei lediglich zwischen null und fünf Prozent liegen.
Dadurch sinkt nicht nur der Bedarf an Rechenleistung, sondern auch der Energieverbrauch. Nach Berechnungen des Unternehmens könnte bereits eine Marktdurchdringung von einem Prozent mehr als 50.000 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.
Alternative zum Wettrüsten der KI-Branche
Ora Computing positioniert sich bewusst gegen den aktuellen Trend immer größerer KI-Modelle. Statt auf maximale Skalierung setzen die Gründer auf effizientere, spezialisierte Modelle, die für konkrete Anwendungsfälle optimiert werden. Die Vision: KI soll künftig nicht ausschließlich in riesigen Rechenzentren laufen, sondern auch direkt in Fahrzeugen, Maschinen oder anderen Endgeräten.
Im Gegensatz zu vielen bestehenden Lösungen funktioniert die Komprimierung unabhängig von der verwendeten Hardware und kann direkt in bestehende Inferenz-Frameworks integriert werden. Unternehmen müssen weder ihre Infrastruktur umbauen noch kostspielige Neutrainings ihrer Modelle durchführen.
Forschung trifft industrielle Anwendung
Gegründet wurde Ora Computing von Stefan Sack und Raimel Medina. Beide stammen aus der renommierten Forschungsgruppe von Professor Maksym Serbyn am Institute of Science and Technology Austria und verfügen über einen Hintergrund in der Quanteninformatik. Nach einer Phase im Stealth-Modus trat das Unternehmen Ende 2025 erstmals öffentlich auf. Seitdem konnte Ora Computing seine Technologie bereits mit Unternehmen aus den Bereichen Automotive und Edge Computing validieren.
Das Team konnte ein Sprachmodell mit 70 Milliarden Parametern innerhalb weniger Stunden und für weniger als 1.000 US-Dollar komprimieren. Vergleichbare Projekte kosten in der Branche häufig mehrere Hunderttausend Dollar.
Investoren sehen Effizienz als Schlüssel der nächsten KI-Generation
Für die Investoren liegt der Reiz des Unternehmens vor allem in der wachsenden Bedeutung effizienter KI-Infrastruktur. Statt ausschließlich auf immer leistungsfähigere Hardware zu setzen, sehen sie in intelligenter Modelloptimierung einen entscheidenden Hebel für die nächste Entwicklungsphase künstlicher Intelligenz.
Mit dem neuen Kapital plant Ora Computing nun den Ausbau seines Teams, die Unterstützung noch größerer KI-Modelle sowie die Einführung eines kommerziellen Produkts für Cloud-Anbieter und Unternehmen, die KI direkt auf Endgeräten betreiben möchten.

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