VARM erhält 17,5 Millionen Euro für die Skalierung der Gebäudedämmung in Europa
Die Wärmewende gilt als eine der Herausforderungen der europäischen Klimapolitik. Während häufig über Wärmepumpen, Stromnetze oder erneuerbare Energien diskutiert wird, rückt ein Berliner Startup den oft unterschätzten Hebel der Gebäudedämmung ins Zentrum.
Das ClimateTech-Unternehmen VARM hat eine Series-A-Finanzierung über 17,5 Millionen Euro abgeschlossen. Die Runde wird vom ABN AMRO Sustainable Impact Fund angeführt, während der GET Fund als Co-Lead investiert. Zudem beteiligt sich Aurum Impact neu am Unternehmen. Die bestehenden Investoren Emerge, Pale blue dot und noa setzen ihr Engagement ebenfalls fort.
Mit dem frischen Kapital will VARM sein Partnernetzwerk ausbauen, die eigene KI-Plattform weiterentwickeln und die Expansion in weitere europäische Märkte vorantreiben.
Millionen Gebäude warten auf die energetische Sanierung
Deutschland und viele europäische Länder müssen in den kommenden Jahren Millionen Bestandsgebäude energetisch modernisieren, um Klimaziele zu erreichen und Energiekosten zu senken. Das Problem liegt dabei weniger in der verfügbaren Technologie als in der praktischen Umsetzung. Der Handwerkssektor kämpft seit Jahren mit Fachkräftemangel, fragmentierten Strukturen und begrenzten Kapazitäten. Viele Sanierungsprojekte scheitern nicht an der Nachfrage, sondern an fehlenden Ressourcen für die Umsetzung.
Die Wärmewende scheitert weniger an Technologie als an der Umsetzung
Christian Grüner, CEO & Founder VARM
Ein Haus, ein Tag, ein Festpreis
Das Unternehmen hat ein Modell entwickelt, das Dämmmaßnahmen standardisiert und beschleunigt. Kern des Ansatzes ist die Möglichkeit, ein typisches Einfamilienhaus innerhalb eines Tages zu dämmen und das sogar zu einem transparenten Festpreis. Die Kosten liegen laut Unternehmen bei durchschnittlich rund 5.000 Euro. Durch staatliche Förderungen reduziert sich der Eigenanteil vieler Hausbesitzer auf unter 4.000 Euro.
Nach Angaben von VARM lassen sich die Heizkosten um bis zu 50 Prozent senken. Die Investition amortisiert sich häufig innerhalb von vier bis sieben Jahren.
KI-Plattform als Steuerungszentrale
Die technische Grundlage bildet eine eigens entwickelte KI-Plattform, die sämtliche Projektschritte digital abbildet. Von der ersten Vermessung über die Materialberechnung bis hin zur Qualitätssicherung auf der Baustelle werden die Prozesse automatisiert gesteuert. Dadurch lassen sich Projekte deutlich effizienter planen und durchführen als in klassischen Handwerksstrukturen.
Die Plattform fungiert gleichzeitig als Betriebssystem für die Partnerunternehmen, die ihre Projekte über die Infrastruktur von VARM abwickeln.
Handwerkernetzwerk statt Fachkräftemangel
Anstatt auf den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt zu warten, baut VARM aktiv neue Kapazitäten auf. Über ein eigenes Partnerprogramm werden bestehende Handwerksbetriebe, wie zum Beispiel etwa Maler, Trockenbauer oder Gebäudetechniker, für Dämmarbeiten qualifiziert und in die Plattform integriert.
Zusätzlich setzt das Unternehmen auf Quereinsteigerprogramme, um Fachkräfte aus verwandten Berufen für die energetische Sanierung auszubilden. Damit entsteht eine dezentrale Produktionsinfrastruktur, die zentral über Software gesteuert wird.
Bereits tausende Projekte umgesetzt
Seit der Gründung im Jahr 2023 hat VARM nach eigenen Angaben bereits mehrere tausend Dämmprojekte realisiert. Das Unternehmen ist aktuell in Berlin, Hamburg, Bremen, Essen, Köln, Frankfurt und Minden aktiv.
Eine Million sanierte Gebäude bis 2035
Mit der neuen Finanzierung verfolgt das Unternehmen nun ein ambitioniertes Ziel. Bis 2035 sollen europaweit eine Million Gebäude über die VARM-Infrastruktur gedämmt werden.Dafür fließt ein Großteil des Kapitals in den Ausbau des Partnernetzwerks und die weitere Digitalisierung der Prozesse. Langfristig möchte VARM die Rolle eines europaweiten Infrastrukturbetreibers für energetische Gebäudesanierungen einnehmen.
Die Investoren sehen darin einen Ansatz, der über klassische Handwerksvermittlung hinausgeht. Statt lediglich Aufträge zu vermitteln, schafft das Unternehmen zusätzliche Ausführungskapazitäten und verbindet diese mit einer standardisierten digitalen Plattform. Für die Wärmewende könnte genau diese Kombination aus Technologie, Qualifizierung und operativer Umsetzung einen zusätzlichen Nutzen bringen.
Gleichzeitig stehen in Deutschland noch Millionen ungedämmte Gebäude, angefangen vom Fachwerk bis hin zu sonstigen Bauten unter Denkmalschutz. Einerseits gewachsene Geschichte und Kultur, aber andererseits ein energetischer Albtraum. Dämmungen sind hier sehr aufwendig und müssen äußerst genau ausgeführt werden. Wenn irgendwo der Taupunkt weg vom 300 Jahre alten einwandig verglasten Fenster gesetzt wird, kann man fast zuschauen, wie schnell die Hütten vergammeln. Wer hier eine sichere, kostengünstige Lösung findet, kann sich auf Jahrzehnte seiner Arbeit sicher sein.

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