Finanzierungsrunde

hello again erhält zweistelliges Millioneninvestment von EMERAM für Europa-Expansion

Von der Loyalty-App zur europäischen Plattform? EMERAM investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in hello again. Neben der Internationalisierung steht insbesondere KI auf der Wachstumsagenda.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Linz, 29. September 2026

Das österreichische Scale-up hello again holt sich einen neuen Wachstumspartner an Bord. Von EMERAM beratene Fonds investieren einen zweistelligen Millionenbetrag in den Anbieter für digitale Kundenbindung und erwerben eine signifikante Beteiligung. Mit dem Kapital will hello again seine Position in der DACH-Region ausbauen, in weitere europäische Märkte expandieren und verstärkt in KI-basierte Produkte investieren. Gründer und bisherige Investoren bleiben trotz des Einstiegs Mehrheitseigentümer.

Für das 2017 gegründete Scale-up aus Linz beginnt damit die nächste Wachstumsphase. Nach eigenen Angaben nutzen inzwischen mehr als 1.000 Unternehmen die Loyalty-Lösungen von hello again. Über die Apps der Kunden erreicht die Plattform rund 18 Millionen aktive Nutzer.

Neben der geografischen Expansion plant das Unternehmen einen weiteren strategischen Schritt: Die bisher weitgehend eigenständigen Kundenprogramme sollen über gemeinsame Partnervorteile stärker miteinander verbunden werden. Aus mehr als 1.000 Unternehmenskunden könnte so schrittweise eine übergreifende Loyalty-Allianz für den Mittelstand entstehen.

EMERAM steigt mit signifikanter Beteiligung ein

Die genaue Höhe der Finanzierung und die erworbenen Unternehmensanteile wurden nicht veröffentlicht. Fest steht lediglich, dass es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag und eine signifikante Beteiligung handelt.

Wir teilen sowohl den Fokus auf die DACH-Region als auch auf den Mittelstand und verfolgen eine gemeinsame Vision für die Zukunft von hello again.

Franz Tretter, Gründer und CEO hello again

Die Kontrolle über das Unternehmen bleibt nach Angaben von hello again bei den bisherigen Eigentümern. Die Co-Founder und Initialinvestoren halten auch nach der Transaktion gemeinsam die Mehrheit und sollen die weitere Entwicklung des Unternehmens aktiv steuern. Mit EMERAM kommt nun ein Investor hinzu, der neben Kapital insbesondere die internationale Skalierung und Weiterentwicklung des Geschäftsmodells unterstützen soll.

Mehr als 1.000 Unternehmen setzen auf hello again

hello again entwickelt digitale Kundenbindungsprogramme für Unternehmen. Kunden können damit eigene Apps und Loyalty-Angebote aufbauen, über die beispielsweise Bonusprogramme, Angebote und personalisierte Kommunikation abgewickelt werden.

Das Unternehmen adressiert dabei eine breite Zielgruppe vom regionalen Mittelständler bis zum internationalen Unternehmen. Zu den genannten Kunden gehören unter anderem Deichmann, Müller und L’Osteria.

Eingesetzt wird die Technologie beispielsweise im Einzelhandel, in der Gastronomie, bei Bäckereien, Apotheken und Freizeiteinrichtungen. Nach Unternehmensangaben verfügt hello again mittlerweile über mehr als 1.000 Unternehmenskunden und erreicht über deren Anwendungen rund 18 Millionen aktive App-Nutzer.

KI soll jeden Kunden individuell ansprechen

Ein Teil des neuen Kapitals soll in die technologische Weiterentwicklung der Plattform fließen. Dabei setzt hello again verstärkt auf Künstliche Intelligenz.

Ein Beispiel ist der neue AI-Autopilot für personalisierte Nachrichten. Das System analysiert individuelle Kundeninteressen und soll auf dieser Basis automatisch entscheiden, welche Botschaft ein Nutzer erhält und wann diese versendet wird.

Anstelle einer Marketingkampagne, die zum gleichen Zeitpunkt mit derselben Botschaft an große Kundengruppen ausgespielt wird, soll so eine stärker individualisierte Kommunikation entstehen.

hello again gibt an, dass der Einsatz dieser personalisierten Ansprache den Umsatz durchschnittlich um acht Prozent steigern könne. Die Angabe stammt vom Unternehmen.

Der wirtschaftliche Ansatz dahinter ist nachvollziehbar: Wenn die Gewinnung neuer Kunden teurer wird, gewinnt die Frage an Bedeutung, wie bestehende Kunden häufiger aktiviert und langfristiger gebunden werden können.

Aus 1.000 Kunden soll eine Mittelstands-Allianz entstehen

Noch interessanter als die KI-Funktionen könnte langfristig allerdings die geplante Vernetzung der Unternehmenskunden werden.

hello again will neue Geschäftsmodelle rund um Partnervorteile etablieren und seine mehr als 1.000 Kunden zu einer gemeinsamen Mittelstands-Allianz verbinden.

Damit könnte sich das Geschäftsmodell über die Bereitstellung einzelner Loyalty-Apps hinausentwickeln. Statt ausschließlich für jedes Unternehmen ein eigenes Kundenbindungsprogramm bereitzustellen, könnte zwischen den teilnehmenden Unternehmen ein übergreifendes Vorteilsnetzwerk entstehen.

Für hello again wäre dies strategisch relevant: Mit jedem zusätzlichen Partner könnten potenziell auch die Vorteile für andere Teilnehmer des Netzwerks steigen.

EMERAM-Partner Matthias Obermeyr verweist entsprechend neben der Internationalisierung und KI-Entwicklung auf den Aufbau einer „integrierten Vorteilswelt für Partner“ als einen Schwerpunkt der Zusammenarbeit.

Europa-Expansion als nächster Wachstumsschritt

Parallel soll hello again seine Position im deutschsprachigen Markt festigen und in weitere europäische Länder expandieren. Welche Märkte dabei zuerst erschlossen werden sollen, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Die Internationalisierung dürfte für das Unternehmen dennoch ein entscheidender Schritt werden.

Denn Kundenbindung ist zwar kein regionales Problem, der Markt für Loyalty-Technologien ist international jedoch stark besetzt. hello again muss deshalb zeigen, dass sich sein bislang auf den deutschsprachigen Raum konzentriertes Modell auch außerhalb der DACH-Region skalieren lässt.

Dabei könnte insbesondere der Mittelstand eine Differenzierung ermöglichen. Während große Konzerne eigene Loyalty-Infrastrukturen entwickeln oder umfangreiche Enterprise-Systeme einsetzen können, benötigen kleinere und mittlere Unternehmen Lösungen, die sich vergleichsweise schnell implementieren und betreiben lassen.

Der größere Hebel könnte im Netzwerk liegen

Das zweistellige Millioneninvestment verschafft hello again zunächst die finanziellen Mittel für die nächste Expansionsstufe. Langfristig dürfte jedoch entscheidender sein, ob das Unternehmen über sein bisheriges SaaS-Modell hinauskommt.

Mehr als 1.000 Unternehmenskunden und 18 Millionen aktive App-Nutzer bilden dafür eine interessante Ausgangsbasis. Gelingt es hello again, diese bislang getrennten Loyalty-Welten über Partnervorteile miteinander zu verbinden, könnte aus einem Softwareanbieter zunehmend eine Plattform entstehen.

Genau darin könnte auch der größere strategische Hebel der EMERAM-Beteiligung liegen. KI kann die Kommunikation innerhalb einzelner Kundenprogramme effizienter und individueller machen. Ein wachsendes Partnernetzwerk könnte dagegen das Geschäftsmodell selbst verändern.

Die nächste Wachstumsphase wird deshalb von zwei Fragen getrieben sein. Kann hello again sein DACH-Modell erfolgreich auf weitere europäische Märkte übertragen. Und zweitens gelingt es, aus mehr als 1.000 einzelnen Kundenprogrammen tatsächlich ein gemeinsames Loyalty-Netzwerk zu entwickeln?


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