Funding

Kyrok sammelt 3,1 Millionen Euro ein und modernisiert die Lieferketten von Pharma- und Chemieunternehmen

Kyrok sichert sich 3,1 Millionen Euro für sein KI-Betriebssystem, das Supply-Chain-Prozesse in Pharma- und Chemieunternehmen automatisieren soll.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 23. Juni 2026

Das Berliner Industrial-AI-Startup Kyrok hat eine Pre-Seed-Finanzierung über 3,1 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom europäischen Venture-Capital-Investor Speedinvest. Darüber hinaus beteiligen sich Arve Capital, das Family Office des Pharmaverpackungs-Spezialisten Sanner sowie zahlreiche erfahrene Industrie- und Tech-Unternehmer an dem jungen Unternehmen.

Mit dem frischen Kapital will Kyrok sein KI-Betriebssystem für das Supply-Chain-Management im Pharma- und Chemie-Mittelstand weiter ausbauen und zusätzliche Module entwickeln.

Alte ERP-Systeme treffen auf neue Herausforderungen

Die Ausgangslage vieler Industrieunternehmen ist komplex. Zahlreiche Produktions- und Lieferketten basieren noch immer auf jahrzehntealten ERP-Systemen, manuellen Excel-Prozessen und dem Erfahrungswissen langjähriger Mitarbeitender.

Gerade in der Pharma- und Chemieindustrie wird dieser Umstand zunehmend zum Problem. Lieferengpässe, steigender Wettbewerbsdruck und der demografische Wandel setzen Unternehmen unter Druck. Gleichzeitig droht wertvolles Prozesswissen verloren zu gehen, wenn erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand wechseln.

KI-Agenten statt Systemmigration

Anders als viele Softwareanbieter ersetzt Kyrok bestehende ERP-Landschaften nicht. Stattdessen legt sich die Plattform als intelligente Anwendungsebene über vorhandene Systeme. Mitarbeiter arbeiten in einer modernen Oberfläche, während spezialisierte KI-Agenten Routineaufgaben übernehmen, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und Prozessvorschläge erstellen. Die finale Entscheidung bleibt dabei stets beim Menschen.

Dadurch können Unternehmen ihre bestehenden Systeme weiter nutzen und gleichzeitig von den Vorteilen moderner KI-Technologien profitieren.

Mehr als 80 Prozent Zeitersparnis in ersten Pilotprojekten

Mehrere mittelständische Unternehmen aus der Pharma- und Chemiebranche setzen die Lösung bereits im Rahmen von Pilotprojekten ein. Nach Angaben des Unternehmens können KI-Agenten mittlerweile mehr als 80 Prozent komplexer Aufträge fehlerfrei erfassen. Gleichzeitig reduziert sich der Zeitaufwand für zahlreiche Routineprozesse erheblich, während die Fehlerquote sinkt.

Der erste Fokus liegt auf dem Kundenservice und der Auftragserfassung. Künftig sollen weitere Bereiche wie Produktionsplanung, Materialmanagement und Einkauf folgen.

Gründer mit Industrieerfahrung

Gegründet wurde Kyrok 2025 von Daniel Hofinger und Lukas Bierfreund. Hofinger verfügt über langjährige Erfahrung bei der Einführung von Softwarelösungen im industriellen Mittelstand. Nach Unternehmensangaben betreuten seine bisherigen Gründungen bereits mehr als 1.200 mittelständische Unternehmen und erzielten Umsätze im achtstelligen Bereich.

Bevor die Entwicklung begann, führten die Gründer nach eigenen Angaben über 200 Interviews mit Entscheidern aus der Pharma- und Chemieindustrie durch und analysierten Prozesse direkt in den Werken.

Investoren aus Industrie und Software

Neben Speedinvest beteiligen sich zahlreiche bekannte Namen an der Finanzierungsrunde.

Dazu gehören unter anderem:

  • Arve Capital (Family Office von Sanner)
  • Dr. Marcell Vollmer (ehemaliger Chief Procurement Officer von SAP)
  • Dr. André Heeg (BCG)
  • Dr. Stephan Rohr (CEO von TWAICE)
  • Die Gründer von Langdock
  • Rodrigo Martinez über HelloWorld

Für Speedinvest-Partner Florian Obst adressiert Kyrok einen zentralen Hebel für Europas Wettbewerbsfähigkeit. Das Unternehmen modernisiere kritische Industrieprozesse, ohne bestehende Systeme stilllegen oder komplett ersetzen zu müssen.

Europas Industrie fit für das KI-Zeitalter machen

Mit der Finanzierung will Kyrok sein Berliner Team gezielt ausbauen und weitere Supply-Chain-Module entwickeln.

Die Vision reicht dabei deutlich über einzelne Softwarefunktionen hinaus: Das Unternehmen möchte das Erfahrungswissen von Mitarbeitenden systematisch digitalisieren und in KI-gestützte Prozesse überführen. Dadurch sollen mittelständische Industrieunternehmen produktiver, resilienter und unabhängiger von einzelnen Wissensträgern werden.

Angesichts von Lieferkettenproblemen, Fachkräftemangel und internationalem Wettbewerbsdruck adressiert Kyrok damit einen der zentralen Digitalisierungsschwerpunkte der europäischen Industrie.


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