Die Zahl der Gründungen hat sich in Deutschland seit 2003 halbiert

Die Gründungslandschaft teilt sich immer noch in Ost und West, wie eine Studie des IfM zeigt. Außerdem überraschen unbekannte Kreise mit einer hohen Gründungsintensität. 

2003 gab es in Deutschland 507.000 gewerbliche Existenzgründungen, 2019 waren es nur noch 266.000 – damit hat sich die Zahl fast halbiert. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn hat sich die Gründungsaktivitäten zwischen 2003 und 2019 in den Kreisen Deutschlands angeguckt und kommt zu dem Schluss: Die Gründungsaktivität hat abgenommen, im Durchschnitt ist sie jährlich um 4,3 Prozent gesunken. Fünf Regionen überraschen allerdings: In den Landkreisen Görlitz, Marburg-Biedenkopf und Teltow-Fläming sowie in den Städten Leverkusen und Mülheim an der Ruhr haben in jedem Jahr noch mehr gegründet als im Vorjahr.

Im Gegensatz zur einfachen Zählung der Gründungen pro Kreis hat das IfM die Bevölkerungszahl mit den Gründungen kombiniert, um die Gründungsintensität festzustellen. Nur an den Zahlen gemessen, sind 2019 Spitzenreiter bei den Gründungen die altbekannten Städte Berlin, Hamburg, Köln und München.

Offenbach überrascht

Bei der Gründungsintensität hingegen liegt die Spannbreite zwischen 22,8 Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige in Sonneberg und 126,9 Gründungen in Leverkusen weit verteilt. Über 90 Gründungen kamen nur noch acht andere Kreise, oft sind sie in der Nähe großer Städte: Schwabach bei Nürnberg, Görlitz, Marburg-Biedenkopf oder Offenbach. Die Stadt bei Frankfurt am Main stellt in der Studie die große Ausnahme dar und sorgt in der Statistik für das Steigen des Gesamtmaximalwerts von Gründungen: Offenbachs Gründungsintensität wies zwischen 2005 und 2013 jedes Jahr die höchste Intensität auf, die Rückläufigkeit danach führt das IfM auf die „Abnahme von Gründungen aus dem osteuropäischen EU-Ausland infolge des Einsetzens der Arbeitnehmerfreizügigkeit für Personen aus Bulgarien und Rumänen zu Beginn des Jahres 2014“ zurück.

Grundsätzlich fällt auf: Hohe Gründungsintensitäten weisen 2019 vor allem Orte im Westen Deutschlands auf, ganz vorne dabei sind Bayern und Hessen. Kreise mit wenigen Existenzgründungen finden sich vor allem in Thüringen, das acht der 20 Kreise mit den wenigsten Gründungen beinhaltet. Neben ihnen sind Kreise in Sachen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg zu finden.

Damit ist Baden-Württemberg wie Bayern unter den Top und Flop 20 der Gründungsintensitäten zu finden. Das IfM hat das Jahr 2020 aufgrund der Coronakrise ausgenommen, Baden-Württemberg hätte es vielleicht gut getan. Wie der neu herausgebrachte Start-up Atlas des Landes zeigt, existieren aktuell 70 Prozent der Start-ups, die der Atlas umfasst, seit 2019 oder später – 600 davon befinden sich in der Pre-Seed-Phase.

Der Anteil von gründenden Frauen ist gering

Die Champion-Bundesländer bei der Gründungsintensität haben allerdings eine weitere Gemeinsamkeit neben ihrer Konzentration in Westdeutschland. Wie der Start-up Atlas aufdröselt, ist der Anteil von gründenden Frauen gering: In Nordrhein-Westfalen liegt er bei 12 Prozent, in Baden-Württemberg bei 14 Prozent, in Hessen bei 15 Prozent und in Bayern bei 16 Prozent. Spitzenreiter hierbei ist ein Bundesland, das bisher noch keine Erwähnung fand: In Mecklenburg-Vorpommern gründen Start-ups zu 31 Prozent Frauen. In der Statistik folgt darauf mit einem Anteil von 20 Prozent an Gründerinnen das Bundesland Brandenburg, wo auch einer der überraschenden Gewinner der Kreise mit einer hohen Gründungsintensität liegt: Teltow-Fläming.

Neben der Vermutung des IfM, dass die Regelung der Arbeitnehmerfreizügigkeit einen Einfluss auf die Gründungsintensität hat, sind weitere Faktoren zu identifizieren. Wie das Institut schreibt, hatte sicherlich aber auch der Gründungszuschuss, der Ende 2011 beschlossen wurde, Einfluss auf die Gründungen. Während die Finanzkrise zu einem Anstieg der Gründungen aufgrund von Arbeitslosigkeit führte, sind Rückläufe in der Statistik bis 2008 auf die entspannte Situation am Arbeitsmarkt zurückzuführen. 

Außerdem gibt es Kreise, die zwischen 2003 und 2019 einen besonders großen Unterschied der Gründungsintensität aufweisen, hier wäre ein genaues Hinschauen der Bedingungen interessant. Die größten Gewinner sind Ansbach, Delmenhorst und Wilhelmshaven. Auch hier dominiert Hessen als Bundesland, in die andere Richtung ist es Sachsen. Kreise, die den größten Abstieg erfuhren, sind Dithmarschen, Rotenburg Wümme und Esslingen an.


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