Destatis

Inflation steigt auf 2,6 Prozent. Energiepreise treiben auch Importkosten deutlich nach oben

Die Inflation bleibt in Deutschland hartnäckig über dem Zielwert, während die Importpreise so stark steigen wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Vor allem höhere Energie- und Vorleistungspreise infolge der Spannungen im Nahen Osten belasten die Wirtschaft.
Report von Marc Nemitz Marc Nemitz · Wiesbaden, 01. Juni 2026

Die Inflationsrate in Deutschland wird im Mai 2026 voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) auf Basis vorläufiger Ergebnisse mit. Gleichzeitig verzeichnete Deutschland im April den stärksten Anstieg der Importpreise seit Anfang 2023. Besonders deutlich wirken sich dabei die gestiegenen Energiepreise sowie höhere Kosten für industrielle Vorprodukte aus.

Verbraucherpreise steigen langsamer als Energie

Nach Angaben von Destatis erhöhten sich die Verbraucherpreise im Mai 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,6 Prozent. Im Vergleich zum April gingen die Preise sogar leicht um 0,2 Prozent zurück.

Die sogenannte Kerninflation, bei der Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden, lag bei 2,5 Prozent. Dies deutet darauf hin, dass sich der grundlegende Preisauftrieb in der Wirtschaft etwas stabilisiert. Ein wesentlicher Inflationstreiber bleibt jedoch der Energiesektor. Die Energiepreise lagen im Mai 2026 noch immer 6,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Allerdings hat sich die Dynamik abgeschwächt: Im April hatte der Anstieg noch bei 10,1 Prozent gelegen.

Importpreise steigen so stark wie seit 2023 nicht mehr

Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung im Außenhandel. Die Importpreise lagen im April 2026 um 5,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das ist der stärkste Anstieg seit Januar 2023.

Gegenüber dem Vormonat stiegen die Einfuhrpreise um weitere 1,2 Prozent. Besonders stark verteuerten sich Vorleistungsgüter mit einem Plus von 7,8 Prozent sowie Energieimporte mit einem Anstieg von 31 Prozent. Damit verzeichneten die Energieimporte den stärksten Preisanstieg seit Oktober 2022.

Nahost-Konflikt belastet Rohstoff- und Energiemärkte

Als wesentlicher Treiber der Entwicklung gelten die anhaltenden Spannungen und Kriegshandlungen im Iran und im Nahen Osten. Besonders betroffen waren Rohstoffe und industrielle Vorprodukte. Die Preise für Nicht-Eisen-Metalle stiegen um 27,6 Prozent, Edelmetalle verteuerten sich sogar um knapp 50 Prozent. Importierte Düngemittel lagen 22,9 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Auch die Energiepreise zogen deutlich an. Mineralölerzeugnisse verteuerten sich um 58,1 Prozent, Rohöl um 47,5 Prozent. Erdgas lag 6,9 Prozent über dem Vorjahreswert.

Unternehmen kämpfen mit höheren Produktionskosten

Für viele Unternehmen steigen damit die Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Vorleistungsgüter und Energie sind zentrale Bestandteile zahlreicher Industrie- und Produktionsprozesse.

Auch Investitionsgüter wurden teurer. Die Preise lagen im April 1,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dies könnte Investitionsentscheidungen von Unternehmen zusätzlich beeinflussen.

Lebensmittel und Agrarimporte sorgen für Entlastung

Während Energie und Rohstoffe teurer werden, entwickelten sich viele Agrar- und Lebensmittelpreise rückläufig. Importierte landwirtschaftliche Güter waren im Durchschnitt 4,7 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Besonders stark fielen die Preise für Rohkakao (-51,1 Prozent), Rohkaffee (-16,6 Prozent), Schweine (-17,1 Prozent) und Getreide (-6,1 Prozent).

Auch bei Konsumgütern zeigte sich eine Entlastung. Importierte Verbrauchsgüter lagen 1,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Lebensmittelimporte waren insgesamt 5,4 Prozent günstiger als im April 2025.

Exportpreise ziehen ebenfalls an

Auch auf der Exportseite zeigen sich die Auswirkungen der gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten.

Die Ausfuhrpreise lagen im April 2026 um 2,9 Prozent über dem Vorjahresniveau und stiegen gegenüber März um 0,8 Prozent. Besonders deutlich verteuerten sich Energieexporte mit einem Plus von 27 Prozent.

Flugturbinenkraftstoff auf Kerosinbasis kostete im Export sogar 106,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig stiegen die Preise für industrielle Vorleistungsgüter um 4,3 Prozent.

Gemischte Signale für Wirtschaft und Geldpolitik

Die aktuellen Daten senden ein gemischtes Signal. Einerseits bleibt die Inflation oberhalb des EZB-Ziels und die Energiepreise sorgen weiterhin für Druck auf Unternehmen und Verbraucher. Andererseits gehen viele Agrar- und Lebensmittelpreise zurück, während die Kerninflation vergleichsweise stabil bleibt.

Für die deutsche Wirtschaft wird entscheidend sein, ob sich die geopolitischen Spannungen und die damit verbundenen Energiepreisrisiken in den kommenden Monaten entspannen. Davon dürfte maßgeblich abhängen, wie sich Inflation, Produktionskosten und Investitionsbereitschaft im weiteren Jahresverlauf entwickeln.


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