20 Millionen US-Dollar für Europas Sicherheitsplattform für KI-Agenten NeuralTrust
Das spanische Cybersecurity-Startup NeuralTrust hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 20 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Nach Startupangaben handelt es sich dabei um die bislang größte Seed-Finanzierung eines europäischen Cybersecurity-Startups.
Die Runde wird von Alstin Capital angeführt. Darüber hinaus beteiligen sich VentureFriends, Seaya, Kibo Ventures, Banc Sabadell, der EA Ventures Plug and Play Fund sowie Finaves, der Venture-Capital-Fonds der IESE Business School. Zusätzlich wird das Unternehmen durch Fördermittel des European Innovation Council (EIC) und der spanischen Forschungsagentur AEI unterstützt.
Mit dem Kapital will NeuralTrust seine Plattform weiterentwickeln, das Entwicklerteam ausbauen und die Expansion im europäischen Markt beschleunigen.
Das Sicherheitsproblem hinter dem KI-Agenten-Boom
Unternehmen setzen zunehmend auf autonome KI-Agenten, die Aufgaben eigenständig erledigen, Daten verarbeiten und Entscheidungen vorbereiten. Während die Technologie rasant in den produktiven Betrieb wandert, fehlen vielerorts jedoch die notwendigen Kontroll- und Sicherheitsmechanismen.
Laut Gartner könnten bis 2027 rund 40 Prozent aller KI-Agenten-Projekte wieder zurückgestuft oder abgeschaltet werden, weil Governance- und Sicherheitsprobleme erst im laufenden Betrieb sichtbar werden. Gleichzeitig rechnen Analysten damit, dass große Konzerne bis 2028 jeweils mehr als 150.000 KI-Agenten einsetzen könnten. Dennoch fühlen sich aktuell nur wenige Unternehmen ausreichend vorbereitet, diese Systeme zu überwachen und zu kontrollieren.
Eine Kontrollschicht für autonome KI
Die Plattform von NeuralTrust soll Unternehmen dabei helfen, sämtliche KI-Agenten sichtbar zu machen, deren Berechtigungen zu verwalten und Risiken in Echtzeit zu erkennen. Nach Angaben des Unternehmens analysiert die Plattform täglich Millionen von Agenten-Interaktionen.
Dabei würden rund 1,2 Prozent aller Interaktionen als potenziell schädlich eingestuft. Dazu gehören beispielsweise Versuche, vertrauliche Daten auszulesen, Sicherheitsrichtlinien zu umgehen oder Agenten zu unerlaubten Aktionen zu verleiten.
Drei Produkte für Sichtbarkeit, Kontrolle und Schutz
Das Angebot von NeuralTrust basiert auf drei zentralen Komponenten:
- TrustGate fungiert als Kontrollinstanz für sämtliche KI-Modell- und Tool-Aufrufe.
- TrustGuard erkennt und blockiert Angriffe sowie verdächtiges Verhalten im laufenden Betrieb.
- TrustLens bietet Unternehmen einen vollständigen Überblick über eingesetzte Agenten und deren Aktivitäten.
Durch die enge Verzahnung dieser Komponenten will NeuralTrust eine zentrale Sicherheits- und Governance-Ebene für agentische KI schaffen.
Banken, Airlines und Behörden als Kunden
Die Technologie wird bereits von namhaften Organisationen eingesetzt. Zu den Kunden zählen unter anderem die Fluggesellschaften Iberia und Air Europa, die Bank Abanca sowie Banc Sabadell. Darüber hinaus arbeitet NeuralTrust mit Energieversorgern, Behörden und weiteren internationalen Großunternehmen zusammen.
Nach Angaben des Startups erzielen 92 Prozent der Kunden einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar. Das Wachstum verläuft dabei dynamisch: Im ersten Quartal 2026 konnte NeuralTrust seinen gesamten ARR aus dem Vorjahr bereits verdoppeln.
Gründer mit Erfahrung aus Amazon, Mango und McKinsey
Gegründet wurde NeuralTrust von Joan Vendrell, Victor Garcia und Alejandro Domingo.
CEO Joan Vendrell war zuvor Chief Data Officer beim Modekonzern Mango und arbeitete davor bei Amazon sowie McKinsey. CTO Victor Garcia bringt langjährige Erfahrung aus regulierten Branchen wie Telekommunikation und Banking mit, während COO Alejandro Domingo zuvor KI-Transformationsprojekte bei McKinsey verantwortete.
Darüber hinaus veröffentlicht das Unternehmen regelmäßig eigene Sicherheitsforschung und hat bereits mehrere neuartige Angriffsmethoden auf KI-Systeme identifiziert, die inzwischen in Standards des OWASP AI Security Project aufgenommen wurden.
KI-Agenten als neue Sicherheitskategorie
NeuralTrust geht davon aus, dass die Absicherung von KI-Agenten in den kommenden Jahren zu einer eigenständigen Sicherheitskategorie wird – vergleichbar mit Endpoint-Security oder Cloud-Security.
Mit dem frischen Kapital will das Startup diese Position frühzeitig besetzen und sich als zentrale Sicherheitsplattform für Unternehmen etablieren, die tausende autonome KI-Agenten produktiv einsetzen.

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