Series-A

Conduct holt sich 60 Millionen US-Dollar in Series-A

87 Prozent des weltweiten Handels laufen über SAP-Systeme. Conduct entwickelt die KI-Schicht, die deren Transformation massiv beschleunigen soll.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · London, 18. Juni 2026

Das Londoner KI-Startup Conduct hat eine Series-A-Finanzierung in Höhe von 60 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Runde wird gemeinsam von Index Ventures und ICONIQ angeführt. Zusätzlich beteiligt sich mit SAP ein wichtiger Enterprise-Software-Anbieter als strategischer Investor. Auch die bisherigen Geldgeber Creandum, Lucid Capital und Booom erhöhen ihr Engagement.

Mit dem frischen Kapital will Conduct seine Plattform weiter ausbauen, international expandieren und die Transformation komplexer Unternehmenssoftware massiv beschleunigen. Das Unternehmen adressiert dabei einen milliardenschweren Markt. Die Modernisierung und Weiterentwicklung individueller Unternehmenssysteme, die weltweit das Rückgrat von Industrie, Logistik, Handel und Dienstleistungen bilden.

Wenn Software zum Bremsklotz für Unternehmen wird

Moderne Unternehmen hängen heute von hochgradig individualisierten Softwaresystemen ab. Ob Lieferketten, Produktionsplanung, Logistik, Beschaffung oder Kundenservice. Fast jeder Geschäftsprozess wird durch Software gesteuert. Viele dieser Systeme wurden über Jahrzehnte hinweg entwickelt und angepasst. Die zugrundeliegenden Codebasen umfassen häufig hunderte Millionen Zeilen Code, die selbst für interne IT-Abteilungen nur schwer nachvollziehbar sind.

Die Folge davon ist, jede größere Veränderung wird zu einem Mammutprojekt. Bevor neue Geschäftsanforderungen umgesetzt werden können, analysieren IT-Teams monatelang bestehende Systeme, führen Interviews mit Fachabteilungen und dokumentieren komplexe Abhängigkeiten. Strategische Entscheidungen aus der Vorstandsetage landen dadurch oft für Monate oder sogar Jahre in den Projekt-Backlogs der IT.

Drei Palantir-Veteranen wollen das Problem lösen

Die Gründer JP, Philipp und Henry kennen diese Herausforderungen aus erster Hand. Während ihrer Zeit beim Datenanalyse-Spezialisten Palantir beobachteten sie immer wieder dasselbe Muster: Unternehmen verfügten über Kapital, Know-how und Veränderungswillen, scheiterten jedoch an der Komplexität ihrer eigenen Softwarelandschaften.

Die Conduct-Gründer | (c) Conduct

Aus dieser Erfahrung entstand Conduct. Das Startup entwickelt ein KI-gestütztes Betriebssystem für Unternehmenssoftware, das Business- und IT-Teams erstmals auf einer gemeinsamen Wissensbasis zusammenführt.

KI analysiert Millionen Zeilen Code

Die Plattform von Conduct verarbeitet Quellcode, Konfigurationen und technische Abhängigkeiten bestehender Unternehmenssysteme und erstellt daraus eine zentrale Wissensschicht.

KI-Agenten analysieren dabei:

  • Quellcode und Systemarchitekturen
  • Individuelle Anpassungen und Erweiterungen
  • Geschäftsprozesse und deren technische Umsetzung
  • Historische Entscheidungen und Abhängigkeiten

Dadurch entsteht ein digitales Abbild der gesamten Unternehmenssoftware.

Anstatt wochenlang Informationen aus unterschiedlichen Abteilungen zusammenzutragen, können Unternehmen direkt nachvollziehen, welche Geschäftsprozesse von welchen Softwarekomponenten gesteuert werden und welche Auswirkungen Änderungen haben.

Das Versprechen von Conduct ist ambitioniert: Transformationsprojekte sollen nicht mehr Monate, sondern nur noch Stunden oder Tage dauern. Damit schließt Conduct die Lücke zwischen strategischer Unternehmensentscheidung und technischer Umsetzung.

SAP als Türöffner für einen Milliardenmarkt

Die Beteiligung von SAP fällt dabei besonders auf. Laut Conduct laufen heute rund 87 Prozent des weltweiten Handelsvolumens durch SAP-Systeme. Die Plattform soll Unternehmen helfen, bestehende SAP-Landschaften besser zu verstehen, zu modernisieren und für KI-Anwendungen nutzbar zu machen.

Langfristig will Conduct jedoch weit über SAP hinausgehen und die gesamte Enterprise-Software-Landschaft adressieren.

Namhafte Kunden bereits an Bord

Bereits heute setzen einige der größten europäischen Industrieunternehmen auf die Technologie.

Zu den Referenzkunden zählen unter anderem Daimler Truck, Heidelberg Materials, Fraport, Rittal und DHL. Darüber hinaus arbeitet Conduct bereits mit Beratungshäusern und Technologiepartnern wie:

  • SAP
  • BCG
  • NTT DATA Business Solutions

zusammen.

Ausbau nach Nordamerika geplant

Mit dem frischen Kapital plant Conduct den Ausbau seiner Engineering- und Vertriebsteams sowie die Eröffnung eines zweiten Hauptstandorts in New York.Die Gründer sehen ihre Plattform als grundlegende Infrastruktur für die nächste Generation von Unternehmenssoftware. Wenn Unternehmen ihre komplexen Systeme schneller verändern können, beschleunigt sich letztlich die Innovationsgeschwindigkeit ganzer Branchen.

Von Logistik über Produktion bis hin zu globalen Lieferketten könnte KI damit nicht nur Software modernisieren, sondern die Geschwindigkeit wirtschaftlicher Transformation insgesamt erhöhen.


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