KI erreicht Dönerproduktion

fleXality orchestriert die Energieversorgung der Polat Dönerproduktion mit KI und senkt Kosten und CO₂-Ausstoß
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Bremen, 18. Juni 2026

Wie sich bestehende Energieinfrastrukturen intelligent nutzen lassen, zeigt das Bremer Startup fleXality gemeinsam mit der Polat Dönerproduktion aus Mönchengladbach. Mit seiner KI-basierten Plattform fEnOMS™ steuert fleXality inzwischen das gesamte Energiesystem des Lebensmittelherstellers. Bereits heute erzielt das Unternehmen dadurch Energiekosteneinsparungen von rund zwölf Prozent sowie CO₂-Reduktionen von etwa zehn Prozent. An einzelnen Tagen liegen die Einsparungen sogar bei bis zu 35 Prozent.

KI vernetzt Strom, Wärme und Kälte zu einem Gesamtsystem

Die Herausforderung bei Polat ist typisch für viele energieintensive Produktionsbetriebe. Die Herstellung und Lagerung von Dönerspießen erfordert zahlreiche Kühl- und Tiefkühlprozesse, die rund um die Uhr zuverlässig funktionieren müssen.

Am Standort werden mehr als 20 Kühl- und Tiefkühlräume betrieben. Hinzu kommen Blockheizkraftwerke (BHKW), Wärmespeicher und weitere Energieanlagen mit einer installierten Gesamtleistung von rund 1,2 Megawatt. Der jährliche Energiebedarf bewegt sich im Gigawattstundenbereich.

Statt einzelne Energieanlagen isoliert zu betreiben, betrachtet fEnOMS™ (die Software von fleXality) die gesamte Infrastruktur als ein zusammenhängendes Energiesystem. Die Plattform analysiert kontinuierlich Strompreise, Gaspreise, Wetterdaten, Lastprognosen und betriebliche Anforderungen. Auf dieser Basis optimiert die KI automatisch das Zusammenspiel von Strom-, Wärme- und Kälteerzeugung.

Flexibilität wird zum wirtschaftlichen Vorteil

Ein zentraler Hebel liegt in der intelligenten Steuerung der Kühlprozesse. Wenn Strompreise besonders niedrig sind, erhöht die Software die Leistung der Kälteanlagen und erzeugt zusätzliche Kältereserven. Steigen die Strompreise später an, werden die Anlagen zeitweise gedrosselt. Die gespeicherte Kälte in den Tiefkühllagern übernimmt in dieser Zeit die Versorgung.

Die thermische Masse der Lager fungiert dabei als natürlicher Energiespeicher. Parallel dazu optimiert die Plattform den Betrieb der Blockheizkraftwerke. Dabei berücksichtigt sie nicht nur aktuelle Energiepreise, sondern auch Wärmebedarfe, Speicherstände und technische Rahmenbedingungen. Ziel ist es, Strom und Wärme möglichst wirtschaftlich bereitzustellen.

Während die durchschnittliche Energiekostenersparnis aktuell bei rund zwölf Prozent liegt, wurden bei einzelnen Anlagen wie den BHKWs bereits Einsparungen von bis zu 56 Prozent erreicht.

Energie wird zum strategischen Standortfaktor

Für Polat geht es dabei längst nicht mehr nur um Kostensenkungen. Die zunehmende Volatilität auf den Energie- und Rohstoffmärkten macht eine resiliente Energieversorgung zu einem entscheidenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Produktionsstandorten. Durch die intelligente Steuerung vorhandener Anlagen kann das Unternehmen Preisschwankungen besser ausgleichen und seine Energieversorgung robuster gestalten.

KI kommt im industriellen Alltag an

Für fleXality zeigt das Projekt exemplarisch, welches Potenzial bereits heute in bestehenden Industrieanlagen steckt. Viele Unternehmen verfügen bereits über erhebliche Energieflexibilität, können diese jedoch aufgrund fehlender Steuerungssysteme kaum wirtschaftlich nutzen. Die Bremer Softwareplattform verbindet technische, wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen in einem gemeinsamen Optimierungsmodell und macht vorhandene Flexibilitäten erstmals systematisch nutzbar.

Künstliche Intelligenz verliert ihren Zauber

Spätestens bei dieser Nachricht verliert Künstliche Intelligenz in Deutschland ihren Zauber – und das ist eine gute Entwicklung.

Wenn KI inzwischen dabei hilft, die Energieversorgung einer Dönerproduktion effizienter zu steuern, dann ist sie endgültig dort angekommen, wo Innovation ihren größten Nutzen entfaltet: im Alltag. Nicht in futuristischen Visionen, nicht in Hochglanz-Präsentationen und nicht in endlosen Debatten über die Zukunft, sondern mitten in Produktionshallen, Kühlräumen und den praktischen Herausforderungen des Mittelstands.

Darin steckt etwas angenehm Bodenständiges. Es zeigt, dass die Zeit vorbei ist, in der wir KI vor allem bestaunt haben. Jetzt geht es darum, die Ärmel hochzukrempeln, konkrete Probleme zu lösen und die Technologie dort einzusetzen, wo sie echten Mehrwert schafft. Sei es bei Energieeffizienz, Produktivität oder Wettbewerbsfähigkeit.

Denn eines wird immer deutlicher: KI wird nicht mehr verschwinden. Und sie wird sich auch nicht in irgendeiner Schublade einsperren lassen. Sie wird vor allem keinen Halt vor irgendwas machen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob wir KI nutzen werden, sondern wie gut wir lernen, mit ihr zu arbeiten. Wer heute beginnt, praktische Anwendungsfälle zu schaffen, gestaltet die Zukunft aktiv mit. Wer wartet, wird früher oder später von ihr eingeholt.


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