Startupnews zum Wochenende KW 26/26

Wo fließt aktuell das Kapital hin? In autonome Robotik, KI für Finanzentscheidungen, SpaceTech, Defense und nachhaltige Technologien. Unser Überblick zeigt die wichtigsten Entwicklungen zum Wochenende.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Stuttgart, 26. Juni 2026

Funding

Innok Robotics sichert sich über 3,3 Millionen Euro Wachstumskapital

Das Regensburger Robotikunternehmen Innok Robotics hat im Rahmen einer weiteren Finanzierungsrunde mit dem Business-Angel-Netzwerk Companisto Wachstumskapital von mehr als 3,3 Millionen Euro eingeworben. Nach eigenen Angaben konnte das Startup seine Bewertung innerhalb von zwölf Monaten verdoppeln. Innok Robotics entwickelt autonome, geländegängige mobile Roboter für Industrie- und Logistikanwendungen, die ohne aufwendige Infrastrukturumbauten in bestehenden Produktionsumgebungen eingesetzt werden können. Seit der ersten Finanzierungsrunde im Jahr 2024 hat das Unternehmen sein Produktportfolio deutlich erweitert, den Auftragseingang verdoppelt und neue Anwendungsfelder erschlossen. Mit dem frischen Kapital sollen die Produktplattform weiterentwickelt, der internationale Vertrieb ausgebaut sowie neue Lösungen für Überwachungs- und Inspektionsanwendungen auf den Markt gebracht werden.

Taktile sammelt 110 Millionen US-Dollar für KI-gestützte Entscheidungen im Finanzsektor ein

Taktile Gründerbild

Das Berliner FinTech Taktile hat eine Series-C-Finanzierungsrunde in Höhe von 110 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Runde wurde von Goldman Sachs angeführt und von Balderton, Index Ventures, DIG Ventures, Tiger Global, Visionaries, and Y Combinator unterstützt. Das Unternehmen entwickelt eine Plattform für Banken und Versicherungen, die den Einsatz von KI-Agenten bei komplexen und regulierten Entscheidungen ermöglichen soll – etwa bei Kreditvergaben, Schadenregulierungen oder der Kundenaufnahme. Mit dem frischen Kapital will Taktile sowohl seine Produktentwicklung als auch den Ausbau seiner Engineering-Teams vorantreiben. Ziel ist es, Finanzinstituten Werkzeuge bereitzustellen, mit denen KI-basierte Entscheidungen transparent, kontrollierbar und regulatorisch konform umgesetzt werden können. Nach Angaben des Unternehmens nutzen bereits internationale Finanzdienstleister die Plattform, um Prozesse zu automatisieren und Effizienzsteigerungen in Millionenhöhe zu erzielen.

Zelara sammelt 3 Millionen Euro für KI-gestütztes Lifecycle Marketing ein

Das Berliner Startup Zelara hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 3 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wurde die Runde von NAP, beteiligt sind zudem Heartfelt und Angel Invest. Das von den ehemaligen HelloFresh-, Uber- und Salesforce-Managern Nikolas Schriefer und Björn Heckel gegründete Unternehmen entwickelt eine KI-Plattform für Lifecycle Marketing, die aus Kundeninteraktionen lernt und Marketingmaßnahmen automatisch optimiert. Statt auf starre Kampagnen und Segmente zu setzen, ermittelt die Software kontinuierlich die passende Botschaft, den optimalen Kanal und den richtigen Zeitpunkt für jeden einzelnen Kunden. Bei einer führenden europäischen Neobank führte der Einsatz der Plattform laut Unternehmen zu einer Steigerung der Kundenaktivierung und -reaktivierung um 66 Prozent. Mit dem frischen Kapital will Zelara seine Technologie weiterentwickeln, zusätzliche Anwendungsbereiche erschließen und das Wachstum mit neuen Kunden und Partnerschaften vorantreiben.

Ambienta investiert in Aromenhersteller GFF

Der auf nachhaltige Investments spezialisierte Vermögensverwalter Ambienta beteiligt sich am italienischen Unternehmen GFF, einem Entwickler und Hersteller natürlicher Aromen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Das 2022 gegründete Startup mit Sitz in der Toskana beliefert mehr als 250 kleine und mittelständische Kunden mit individuell entwickelten Aromen, Extrakten und ätherischen Ölen. GFF profitiert vom wachsenden Trend zu natürlichen Inhaltsstoffen und sogenannten Clean-Label-Produkten, die synthetische Zusätze ersetzen sollen. Gründer und CEO Enrico Giotti bleibt gemeinsam mit dem Management an Bord und investiert weiterhin in das Unternehmen.

Stark Defence erhöht Bewertung auf 3,2 Mrd. Euro mit Millionenfinanzierung

Das Berliner Rüstungs-Start-up Stark Defence hat laut Medienberichten 500 Millionen Euro frisches Kapital von internationalen Investoren eingesammelt und wird nun mit über 3,2 Milliarden Euro bewertet. Zu den Geldgebern zählen unter anderem Sequoia Capital, NATO Innovation Fund und Founders Fund. Das Unternehmen plant, die Mittel vor allem für die Weiterentwicklung seiner Technologien sowie den Ausbau der Produktion einzusetzen. Stark Defence zählt zu den aufstrebenden Akteuren im europäischen Verteidigungsmarkt und hatte zuletzt bereits einen Großauftrag der Bundeswehr zur Lieferung von Drohnensystemen erhalten

Mergers & Acquisitions & Exits

House of Gaia übernimmt ESG-Spezialisten Codio Impact

Markus Adler und Tilman Kemper | House of Gaia

Die House of Gaia Holding baut ihre Position im ESG-Softwaremarkt weiter aus und übernimmt das Nachhaltigkeits-Startup Codio Impact. Mit der Akquisition erweitert die Holding ihr Portfolio um branchenspezifische ESG-Expertise für Sektoren wie Bau, Entsorgung und Energieversorgung. Erst im Mai waren Code Gaia und Planted unter dem Dach von House of Gaia zusammengeschlossen worden. Die Übernahme von Codio Impact ergänzt nun die bestehende Nachhaltigkeitsmanagement- und Klimaschutzplattform um KI-gestützte Branchenempfehlungen sowie ein etabliertes Netzwerk in relevanten Industrieverbänden. Gleichzeitig markiert der Zukauf den Auftakt einer anorganischen Wachstumsstrategie: In den kommenden zwei Jahren plant House of Gaia die Integration weiterer spezialisierter ESG-Softwareanbieter, um eine führende Konsolidierungsplattform im wachsenden Nachhaltigkeitsmarkt aufzubauen.

Ambienta verkauft Mehrheitsbeteiligung an Cap Vert

Der auf nachhaltige Investments spezialisierte Vermögensverwalter Ambienta hat den Verkauf seiner Mehrheitsbeteiligung am französischen Umweltdienstleister Cap Vert an die Beteiligungsgesellschaft Gimv vereinbart. Seit dem Einstieg von Ambienta im Jahr 2021 hat das Unternehmen seinen Umsatz und sein EBITDA nach eigenen Angaben verdreifacht. Cap Vert entwickelte sich in dieser Zeit zu einem der führenden Anbieter für Grünflächenmanagement und ökologische Infrastruktur in Frankreich. CEO Eric Girot sowie das Management bleiben am Unternehmen beteiligt und sollen den weiteren Wachstumskurs begleiten. Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet, vorbehaltlich der üblichen behördlichen Genehmigungen.

Awards & Events

Energie Startup Pokal bringt Energiewende-Innovationen nach Berlin

Beim "Energie Startup Pokal'" am 1. Juli 2026 im Future Energy Lab in Berlin präsentieren zehn Startups ihre Lösungen für die Energiezukunft. Im Finale stehen innovative Ansätze aus den Bereichen Energie, Wärme und Mobilität. Veranstaltet wird das kostenfreie Event vom Energie-Accelerator AXEL gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur (dena). In einem Turnierformat treten die Teams mit ihren Pitches gegeneinander an, während Publikum und Jury gemeinsam über den Einzug in die nächste Runde entscheiden. Ziel ist es, vielversprechende Energietechnologien sichtbar zu machen und den Austausch zwischen Startups, Forschung, Wirtschaft und Energiewirtschaft zu fördern.

Gründergrillen rückt Startup Region Stuttgart in den Fokus

Am 1. Juli 2026 lädt der Startup Stuttgart e.V. zum Gründergrillen ab 19 Uhr in die Schankstelle Stuttgart ein. Im Mittelpunkt stehen diesmal die Startup Region Stuttgart sowie aktuelle Entwicklungen im regionalen Gründungsökosystem. Als Gäste werden Tobias Dürr und Andreas Chatzis aus der Wirtschaftsförderung erwartet. Zudem gibt Jochen Beißwenger, Gründer von CoWorker AI, Einblicke in seinen KI-Telefonassistenten. Im Anschluss haben Gründerinnen und Gründer erneut die Möglichkeit, ihre Ideen auf der offenen Pitchbühne vorzustellen.

Premiere der Deep Tech Night bringt Startups und Investoren in Hannover zusammen

Mit der ersten Deep Tech Night hat die Region Hannover Startups, Investoren und Wirtschaft auf dem Gelände der Initiative Hüttenstraße zusammengebracht. Sechs junge Technologieunternehmen präsentierten ihre Lösungen aus Bereichen wie Raumfahrt, Künstliche Intelligenz, Batterietechnologie, Energietechnik und Plasmatechnologie vor potenziellen Partnern und Investoren. Die Veranstaltung diente zugleich als Auftakt für den Pilotstandort der künftigen techfactory Hannover-Nordstadt, die als Innovationsplattform an der Schnittstelle von Wissenschaft und Wirtschaft entstehen soll. Nach der erfolgreichen Premiere ist bereits eine Fortsetzung der Deep Tech Night im kommenden Jahr geplant.

Capital for Innovation Summit: Mehr Wachstumskapital für Deutschlands Startups gefordert

Capital for Innovation by FUTURY

Beim erstmals veranstalteten Capital for Innovation Summit in Frankfurt diskutierten rund 150 Vertreter aus Venture-Capital-Fonds, Family Offices, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gemeinsam mit den zehn deutschen Startup Factories über die Zukunft der Startup-Finanzierung. Im Mittelpunkt standen Wege, Venture Capital als eigenständige Anlageklasse stärker zu etablieren, institutionelle Investoren für Wachstumskapital zu gewinnen und die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Kapitalgebern auszubauen. Zudem wurde die Bedeutung funktionierender Exit- und IPO-Märkte für ein leistungsfähiges Innovationsökosystem hervorgehoben. Veranstaltet wurde der Summit von Futury, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie UnternehmerTUM mit dem Ziel, konkrete Investitionen und Partnerschaften anzustoßen und die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Startup-Standorts nachhaltig zu stärken.

Weitere spannende Meldungen

ARX Robotics und Roboneers gründen Joint Venture für industrielle UGV-Produktion

ARX Founders Marc Wietfeld und Stefan Röbel |(c) ARX

ARX Robotics und das ukrainische Unternehmen Roboneers haben auf der Ukraine Recovery Conference in Danzig die Gründung des Joint Ventures ARX Industries bekannt gegeben. Das neue Unternehmen soll unbemannte Bodenfahrzeuge (UGV) des Typs Rys Pro im Rahmen der Initiative „Build with Ukraine“ in Deutschland und der Ukraine industriell fertigen. Bereits im ersten Jahr ist die Produktion mehrerer Tausend Systeme geplant, mittelfristig soll die jährliche Kapazität auf einen hohen fünfstelligen Bereich steigen. Die Fahrzeuge kommen unter anderem für Verwundetenevakuierung, Logistik, Minenräumung und Kampfunterstützung zum Einsatz. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen wollen beide Partner die Versorgung der ukrainischen Streitkräfte mit einsatzerprobten UGV-Systemen beschleunigen.

Vyoma nimmt Weltraumüberwachungs-Satelliten Flamingo-1 erfolgreich in Betrieb

Schmuckbild der Satellitenplattform Flamingo-1 von Vyoma | (c) Vyoma

Das Münchner SpaceTech-Unternehmen Vyoma hat seine Satellitenplattform Flamingo-1 erfolgreich im Erdorbit in Betrieb genommen. Alle Systemtests wurden erfolgreich abgeschlossen, sodass nun die Aktivierung der Nutzlast und anschließend der reguläre Betrieb beginnen kann. Der Satellit ist mit dem ersten europäischen Large-Aperture-Teleskop für die weltraumgestützte Weltraumüberwachung ausgestattet und soll künftig rund um die Uhr Daten zur Erkennung und Verfolgung von Satelliten sowie Weltraumschrott liefern. Flamingo-1 ist der erste Baustein einer geplanten zwölf Satelliten umfassenden Konstellation, die Europas Fähigkeiten zur unabhängigen Weltraumüberwachung stärken soll. Bereits seit dem Start Anfang 2026 konnte Vyoma nach eigenen Angaben Verträge mit institutionellen Kunden im Wert von mehreren Millionen Euro pro Jahr abschließen. Der Nachfolgesatellit Flamingo-2 befindet sich bereits in Produktion und soll ab 2027 noch kleinere Objekte im Erdorbit erfassen können.

N26 erreicht 2025 erstmals Jahresprofitabilität

Das N26 Headquarter in Berlin

Die Digitalbank N26 hat im Geschäftsjahr 2025 erstmals ein vollständig profitables Jahr abgeschlossen. Die Bruttoerträge stiegen auf 501,6 Millionen Euro, der Rohertrag legte um 33 Prozent auf 350,5 Millionen Euro zu und unter dem Strich erzielte das Unternehmen einen Jahresüberschuss von 1,6 Millionen Euro. Gleichzeitig wuchs die Zahl der ertragsrelevanten Kundinnen und Kunden um 16 Prozent auf 5,6 Millionen, während die Kundeneinlagen die Marke von 10,5 Milliarden Euro überschritten. Auch das erste Quartal 2026 verlief erfolgreich: N26 erwirtschaftete einen Gewinn von 9,8 Millionen Euro bei Bruttoerträgen von 130 Millionen Euro.

Studie: Wenige Hochschulen dominieren die Startup-Landschaft im DACH-Raum

Eine neue Studie der Technischen Universität München (TUM), der ETH Zürich und der Universität Innsbruck zeigt, dass sich der Gründungserfolg im deutschsprachigen Raum auf wenige Hochschulen konzentriert. Analysiert wurden rund 51.000 Startups, die zwischen 2014 und 2024 in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstanden sind. Besonders häufig stammen erfolgreiche Gründerteams von der TUM, der WHU – Otto Beisheim School of Management, der Universität St. Gallen und der ETH Zürich. Die TUM liegt sowohl bei den eingeworbenen Investitionen mit rund 8,6 Milliarden Euro als auch bei der Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze vorn. Insgesamt entstehen die meisten Jobs durch Startups aus den Bereichen Unternehmenssoftware, Verkehr, Energie und FinTech. Im Durchschnitt gründen Absolventinnen und Absolventen rund sechs Jahre nach ihrem Hochschulabschluss, wobei fast 40 Prozent bereits innerhalb der ersten zwei Jahre den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.


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