Von der Leyen wirbt in Davos für "EU Inc."
In ihrer Grundsatzrede beim World Economic Forum hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine tiefgreifende Reform der europäischen Wirtschaftsordnung angekündigt. Herzstück ihrer Vision für mehr europäische Unabhängigkeit ist das neue Konzept "EU Inc.". Eine einheitliche europäische Unternehmensform, die Wachstum, Skalierung und Kapitalaufnahme innerhalb der EU deutlich erleichtern soll.
EU Inc. ein Unternehmen, ein Regelwerk, ein Binnenmarkt
Mit EU Inc. will die Europäische Kommission eine neue, wirklich paneuropäische Unternehmensstruktur schaffen. Ziel ist es, Unternehmen künftig mit einem einzigen, einfachen Regelwerk in allen Mitgliedstaaten agieren zu lassen. Damit sollen Hürden beseitigt werden, die bislang verhindern, dass europäische Startups und Scaleups im Binnenmarkt genauso einfach wachsen können wie Unternehmen in den USA oder China.
Konkret kündigte von der Leyen an:
- Unternehmensgründungen sollen innerhalb von 48 Stunden vollständig digital möglich sein, unabhängig vom Sitzstaat
- Einheitliche Kapital- und Gesellschaftsregeln in der gesamten EU
- Einfacher Zugang zu Finanzierung und Investoren über Ländergrenzen hinweg
Während der Binnenmarkt auf dem Papier 450 Millionen Menschen umfasst, stoßen Unternehmen in der Praxis bei jeder Expansion auf neue Regeln.
Ursula von der Leyen, Kommissionspräsidentin der Europäischen Union
Die EU Inc. soll diese Fragmentierung beenden.
Antwort auf strukturelle Wettbewerbsnachteile Europas
Die Initiative ist Teil eines größeren Projekts zur dauerhaften europäischen Unabhängigkeit, wirtschaftlich, technologisch und geopolitisch. Von der Leyen betonte, dass Europa zwar über Kapital, Talente und Innovation verfüge, diese aber bislang nicht ausreichend mobilisiere. Unterschiedliche nationale Vorschriften wirkten dabei wie eine Wachstumsbremse, insbesondere für technologiegetriebene Unternehmen.
EU Inc. ist deshalb eng verknüpft mit dem Aufbau einer Savings and Investment Union, die tiefere, liquidere Kapitalmärkte schaffen soll, damit europäische Unternehmen günstiger und schneller an Eigenkapital kommen.
Europa als attraktiver Standort für globale Investitionen
Laut von der Leyen soll EU Inc. nicht nur europäischen Firmen helfen, sondern Europa insgesamt attraktiver für internationales Kapital machen. Wenn Unternehmen EU-weit unter einheitlichen Bedingungen operieren können, steige die Planbarkeit für Investoren erheblich. Der Anspruch: Europa soll ein Markt sein, in dem Unternehmen genauso nahtlos skalieren können wie in anderen großen Wirtschaftsräumen.
Teil einer umfassenden Neuordnung Europas
EU Inc. ist eingebettet in eine breitere Agenda, die von Handelsabkommen (u. a. Mercosur, Indien) über Energieunion bis hin zu Verteidigung und Sicherheit reicht. Doch gerade für Gründer, Scaleups und Investoren markiert der Vorschlag einen möglichen Paradigmenwechsel: weg von 27 Einzelmärkten und hin zu einem echten europäischen Wirtschaftsraum.
Startbase-Einordnung EU-Inc.
Grundsätzlich ist die Idee einer EU Inc. sehr zu begrüßen, insbesondere wenn sie tatsächlich mit einem vereinfachten Gründungsverfahren und einem einheitlichen, klaren Regelwerk einhergeht. Entscheidend wird jedoch sein, wie sich diese neue Unternehmensform in die bestehenden Rechts- und Verwaltungssysteme der einzelnen Mitgliedstaaten einfügt und ob sie sich dort im Alltag bewähren kann. Offen bleibt bislang, welche konkreten Voraussetzungen gelten sollen, ob es sich um eine eigenständige juristische Person handelt und wie nationale Register- und Meldepflichten, etwa Handelsregister, Transparenzregister, Bundesanzeiger oder weitere nationale Sonderstrukturen (LEIREG, KISTA, usw), künftig eingebunden werden. Gerade in Ländern mit besonders komplexen Gründungs- und Verwaltungssystemen wird sich zeigen müssen, ob EU Inc. echte Entlastung bringt oder lediglich eine zusätzliche Ebene schafft. Jeder ernsthafte Schritt zum Bürokratieabbau ist zu begrüßen! Insbesondere dann, wenn er auf europäischer Ebene ansetzt und Gründern spürbar Erleichterung verschafft!

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