Zymofix investiert 6 Millionen Euro in erste industrielle Produktionsanlage
Das belgische Biotech-Unternehmen Zymofix baut in Deinze bei Gent seine erste industrielle Produktionsanlage für mikrobielle Produkte. Für den ersten Ausbau investiert das Unternehmen sechs Millionen Euro. Die Finanzierung erfolgt teilweise aus der zuvor abgeschlossenen Series-A-Runde und teilweise aus Umsätzen bestehender Kundenprojekte. Ab dem vierten Quartal 2027 soll die Anlage eine Produktionskapazität von 300 Tonnen pro Jahr erreichen. Bereits für 2028 plant Zymofix eine weitere Ausbaustufe im Umfang von 25 Millionen Euro.
Vom Pilotprojekt zur industriellen Fertigung
Für das 2022 gegründete Unternehmen markiert der neue Standort den Übergang von der Technologieentwicklung und Pilotierung zur industriellen Produktion. Zymofix hat seine Fermentationsplattform Zyft nach eigenen Angaben erfolgreich im Pilotmaßstab validiert. Gleichzeitig übersteige die Nachfrage der Kunden mittlerweile die vorhandenen Produktionskapazitäten.
In den kommenden Monaten sollen deshalb erste Aktivitäten an den neuen Standort in Deinze verlagert werden. Die Anlage soll sowohl größere Produktionsmengen für bestehende Kunden ermöglichen als auch Kapazitäten für zusätzliche Projekte schaffen. Hinter Zymofix stehen unter anderem First Imagine!, VP Capital, HTGF und The Nest Family Office. First Imagine! hatte die vorausgegangene Series-A-Finanzierung angeführt.
300 Tonnen ab Ende 2027
In der ersten Ausbaustufe soll die Anlage eine Kapazität von jährlich 300 Tonnen erreichen. Nach Angaben des Unternehmens reicht diese Menge aus, um Anwendungen auf rund einer Million Hektar zu ermöglichen. Der Produktionsstart ist für das vierte Quartal 2027 vorgesehen.
Bei erfolgreicher Inbetriebnahme will Zymofix bereits 2028 die nächste Größenordnung angehen. Weitere 25 Millionen Euro sollen dann in den Ausbau der Anlage fließen. Die Jahreskapazität könnte dadurch auf 2.000 Tonnen steigen, was laut Unternehmen Anwendungen auf rund zehn Millionen Hektar ermöglichen würde. Die zweite Investitionsstufe steht allerdings unter dem Vorbehalt einer erfolgreichen Inbetriebnahme der ersten Produktionslinie.
Alternative zur Flüssigfermentation
Technologischer Kern von Zymofix ist die Plattform Zyft. Sie basiert auf sogenannter Solid-State Fermentation, bei der Mikroorganismen kontrolliert auf festen Substraten kultiviert werden. Das Verfahren soll insbesondere bei Mikroorganismen Vorteile bieten, die sich nicht optimal über konventionelle Flüssigfermentation produzieren lassen.
Zymofix sieht darin eine bislang bestehende Hürde für die Kommerzialisierung mikrobieller Produkte. Einen geeigneten Mikroorganismus zu identifizieren sei nur ein Teil der Herausforderung. Anschließend müsse dieser auch reproduzierbar, kosteneffizient und in industriellen Mengen hergestellt werden können. Über 170 Stämme aus den Bereichen Bakterien, Pilze und Hefen wurden nach Unternehmensangaben bereits auf Zyft getestet.
Landwirtschaft bildet den ersten Schwerpunkt
Aktuell arbeitet Zymofix mit 15 Kunden zusammen. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Landwirtschaft. Bei einem Großteil der Kunden handelt es sich nach Angaben des Unternehmens um multinationale Anbieter landwirtschaftlicher Betriebsmittel. Zu den Anwendungen gehören Biostimulanzien, Biodünger und biologische Pflanzenschutzprodukte. Darüber hinaus sieht Zymofix Einsatzmöglichkeiten bei der Bioremediation und weiteren industriellen Anwendungen.
Zymofix positioniert sich als Produktionspartner für andere Unternehmen und begleitet deren Produkte von der Prozessentwicklung über Fermentation und Formulierung bis zur Skalierung.
Team soll auf 60 Mitarbeiter wachsen
Parallel zur Produktionskapazität wächst auch die Belegschaft. Aktuell beschäftigt Zymofix rund 35 Mitarbeiter. Bis Ende 2026 sollen es etwa 45 und bis Ende 2027 rund 60 Beschäftigte sein. Mit der neuen Fabrik steht das Unternehmen nun vor dem entscheidenden Industrialisierungsschritt. Die Pilotvalidierung muss sich in einen stabilen Produktionsprozess mit reproduzierbarer Qualität und wettbewerbsfähigen Kosten übersetzen lassen.

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