10 Millionen Euro Finanzierungsrunde für Kuro
Das Berliner ConTech Kuro hat eine Finanzierungsrunde über 10 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von UVC Partners, beteiligt sind außerdem Foundamental, Realyze Ventures und helloworld. Das erst im November 2024 gegründete Unternehmen entwickelt eine KI-Plattform, die Projektunterlagen von Generalunternehmern zusammenführt, Widersprüche erkennt und Wissen aus vergangenen Bauprojekten für zukünftige Projekte nutzbar machen soll. Zwölf Unternehmen setzen Kuro bereits ein, darunter Goldbeck, Köster, Geiger, Riedel und Implenia.
Sechs der 20 größten Generalunternehmer als Kunden
Kuro konzentriert sich auf eine Herausforderung, die mit der Größe von Bauprojekten zunimmt: Generalunternehmer müssen große Mengen an Plänen, Baubeschreibungen, Ausschreibungen und weiteren Dokumenten miteinander abgleichen. Widersprechen sich diese Informationen und wird der Fehler nicht rechtzeitig erkannt, können daraus zusätzliche Kosten und Probleme auf der Baustelle entstehen.
Kuro will diesen Prozess automatisieren. Von zwölf bestehenden Kunden gehören nach Angaben des Startups bereits sechs zu den 20 größten Generalunternehmern im deutschsprachigen Raum.
KI verbindet Pläne, Ausschreibungen und Regeln
Die Plattform führt die unterschiedlichen Projektunterlagen zunächst in einem gemeinsamen Datenmodell zusammen. Darüber legt Kuro das individuelle Regelwerk des jeweiligen Bauunternehmens. Darin können beispielsweise Bauteile, Prüfkriterien und Vergabeeinheiten definiert werden. Die Software gleicht anschließend Pläne und Baubeschreibungen miteinander ab, identifiziert mögliche Widersprüche und bewertet Risiken.
Darüber hinaus kann Kuro Bauteile innerhalb von 3D-Modellen mit zusätzlichen Informationen anreichern sowie Ausschreibungen und Angebote von Nachunternehmern bearbeiten. Der Ansatz geht damit über eine reine KI-Suche in Dokumenten hinaus. Werden Korrekturen vorgenommen oder Regeln ergänzt, bleiben diese innerhalb des Systems erhalten und können automatisch auf spätere Projekte übertragen werden.
90 Stunden weniger Arbeit pro Angebot
In der Kalkulation sieht Kuro bereits messbare Effekte. Nach Angaben des Unternehmens sparen Kunden durch die Plattform rund 90 Arbeitsstunden pro Angebot. 70 Prozent der Nutzer geben demnach an, dass Kuro Informationen gefunden habe, die sie andernfalls übersehen hätten. Unabhängig überprüfte Angaben zu den Einsparungen nennt das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht.
Für Kuro ist die Kalkulation allerdings nur der Ausgangspunkt. Die Plattform soll schrittweise auf weitere administrative Prozesse von Generalunternehmern ausgeweitet werden. UVC Partners nennt dabei unter anderem Einkauf, Buchhaltung und Compliance als mögliche weitere Anwendungsfelder.
Wissen soll im Unternehmen bleiben
Ein Element des Geschäftsmodells ist die Speicherung von Erfahrungswissen. Bei klassischen Bauprojekten hängt ein Teil dieses Wissens von einzelnen Projektleitern, Kalkulatoren und anderen Mitarbeitern ab. Nach Abschluss eines Projekts lässt es sich entsprechend nur begrenzt auf das nächste übertragen.
Die GUs, die es schaffen, ihr Wissen zu produktisieren, werden im Wachstum weniger abhängig von einzelnen Personen.
Lea Scherer, CEO Kuro
Kuro will daraus ein strukturiertes Regelwerk machen, das unabhängig von einzelnen Personen wiederverwendet werden kann.
Gründer kommen von alcemy und Capmo
Gegründet wurde Kuro im November 2024 von Lea Scherer und Jonas Minkler. Beide bringen bereits Erfahrung aus der deutschen ConTech-Szene mit und waren zuvor in Führungspositionen bei den Bau-Software-Unternehmen alcemy und Capmo tätig. Mittlerweile beschäftigt Kuro 16 Mitarbeiter in Berlin.
Mit UVC Partners kommt nun ein Investor hinzu, der die Gründer nach eigenen Angaben bereits seit mehreren Jahren und damit schon aus der Zeit vor Kuro kennt. Foundamental bringt zusätzlich einen auf Bau- und Immobilienwirtschaft spezialisierten Investor in die Runde ein.
Vom Kalkulationswerkzeug zum KI-Fundament
Für Kuro dürfte der nächste Entwicklungsschritt darin bestehen, aus den bislang erfolgreichen Anwendungen in der Kalkulation eine breiter einsetzbare Plattform für Generalunternehmer zu entwickeln. Die Voraussetzungen dafür sind angesichts namhafter erster Kunden vorhanden. Gleichzeitig muss das Startup zeigen, dass sich die versprochenen Zeit- und Fehlerreduktionen über unterschiedliche Unternehmen, Projektarten und Prozesse hinweg reproduzieren lassen.
Gelingt die Erweiterung auf Einkauf, Buchhaltung und Compliance, könnte sich Kuro von einem spezialisierten Kalkulationswerkzeug zu einer zentralen Daten- und Wissensschicht für Bauunternehmen entwickeln. Die neue Finanzierung über 10 Millionen Euro soll genau diesen Ausbau beschleunigen.

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