HealthTech

2,1 Millionen Euro gegen Burnouts im Gesundheitswesen für OurMind

Das niederländische HealthTech OurMind sichert sich 2,1 Millionen Euro Wachstumskapital, um seine KI-Plattform für Krankenhäuser und Arztpraxen weiter auszubauen.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Amsterdam, 11. Juni 2026

Die Belastung im Gesundheitswesen steigt seit Jahren. Mehr Bürokratie, mehr Dokumentation, längere Wartelisten und immer weniger Personal bringen viele Ärztinnen und Ärzte an ihre Grenzen. Das niederländische Startup OurMind stellt sich dem Thema und hat dafür nun frisches Kapital eingesammelt.

Das Unternehmen hat eine Finanzierungsrunde über 2,1 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom Impact-Investor 4impact Capital. Zusätzlich beteiligen sich zahlreiche Hausärzte und Fachmediziner. Bereits im vergangenen Jahr hatten mehr als 80 Ärztinnen und Ärzte in das Unternehmen investiert.

KI als Unterstützung statt Ersatz

Die Herausforderungen im Gesundheitswesen lassen sich nicht lösen, indem medizinisches Personal noch mehr arbeitet. Stattdessen entwickelt das Startup eine KI-Plattform, die Ärztinnen und Ärzte vor, während und nach Patientenkontakten unterstützt. Ziel ist es, administrative Aufgaben zu reduzieren und mehr Zeit für die eigentliche Patientenversorgung zu schaffen.

"Wir bauen keine Technologie, die Menschen ersetzt, sondern eine, die sie entlastet"

Vom KI-Schreibassistenten zur digitalen Kollegin

Den Anfang machte "Notes", ein KI-gestützter medizinischer Assistent, der Gespräche während einer Behandlung automatisch in strukturierte Dokumentation umwandelt. Doch die Gründer sahen früh, dass das eigentliche Problem deutlich größer ist.

Dokumentation gilt als einer der wichtigsten Treiber für Burnouts im Gesundheitswesen. Hinzu kommen die Vorbereitung von Sprechstunden, administrative Prozesse, Abstimmungen mit Kolleginnen und Kollegen sowie die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten. Aus zahlreichen Gesprächen mit Ärzten entstand deshalb die Vision einer digitalen Kollegin, die weit über die reine Dokumentation hinausgeht.

Die nächste Ausbaustufe: Agentische KI für den Klinikalltag

Mit dem frischen Kapital will OurMind seine Plattform zu einem umfassenden KI-System für medizinische Arbeitsabläufe weiterentwickeln.

Geplant sind unter anderem:

  • KI-gestützte Entscheidungsunterstützung auf Basis medizinischer Leitlinien
  • Unterstützung bei Triage- und Priorisierungsprozessen
  • Verbesserte Patientenkommunikation
  • Automatisierte Vorbereitung von Sprechstunden
  • Sprachgesteuerte Interaktion mit elektronischen Patientenakten
  • Unterstützung bei Überweisungen, Anträgen und Abrechnungen

Langfristig soll die Plattform sämtliche administrativen Prozesse rund um die Patientenversorgung begleiten.

Investoren setzen auf gesellschaftliche Wirkung

Für den Lead-Investor 4impact Capital war insbesondere die Verbindung aus technologischer Innovation und gesellschaftlichem Nutzen ausschlaggebend.Der Fonds verwaltet rund 68 Millionen Euro und investiert gezielt in Softwareunternehmen, die Herausforderungen in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und gesellschaftlicher Infrastruktur adressieren. OurMind ist das erste HealthTech-Investment des Fonds. Unterstützt wird die Finanzierung zudem von Invest-NL und der Europäischen Union im Rahmen des InvestEU-Fonds.

Ein zentraler Bestandteil der Strategie ist die enge Zusammenarbeit mit medizinischen Fachkräften. Anstatt Lösungen am Reißbrett zu entwickeln, arbeitet OurMind nach eigenen Angaben von Beginn an gemeinsam mit Hausärzten, Fachärzten und Kliniken an der Entwicklung seiner Produkte. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die KI-Systeme tatsächlich den Anforderungen des medizinischen Alltags entsprechen und nicht zusätzliche Komplexität schaffen.

Leider immer noch ein Wachstumsmarkt

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zählt zu den größten Herausforderungen Europas. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation, Regulierung und Patientenmanagement kontinuierlich.

Das Unternehmen will eine KI-Infrastruktur schaffen, die medizinisches Personal entlastet und so langfristig dazu beiträgt, Burnouts zu reduzieren und die Versorgungssysteme leistungsfähig zu halten.


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