Cotierra erhält 3 Millionen Dollar für dezentrale Pflanzenkohle-Systeme
Das Zürcher ClimateTech Cotierra hat drei Millionen US-Dollar für die weitere Skalierung seiner dezentralen Pflanzenkohle-Technologie eingesammelt. Angeführt wird die Finanzierungsrunde gemeinsam von PINC, dem Venture-Arm des Lebensmittel- und Getränkeherstellers Paulig, und Carbon Removal Partners. Ebenfalls beteiligt sind die Zürcher Kantonalbank, Carbon Drawdown Initiative, better ventures, GOTA Ventures, Hungry4Impact und Triple Impact Ventures sowie mehrere Climate- und Impact-Angels. Insgesamt hat Cotierra seit seiner Gründung damit rund 4,75 Millionen Dollar eingeworben.
Pflanzenkohle direkt dort produzieren, wo Biomasse anfällt
Cotierra entwickelt Systeme, mit denen landwirtschaftliche Reststoffe dezentral zu Pflanzenkohle – Biochar – verarbeitet werden können. Statt Biomasse über weite Strecken zu zentralen Anlagen zu transportieren, soll die Verarbeitung möglichst nah an den landwirtschaftlichen Betrieben stattfinden. Das Unternehmen kombiniert dafür eigene Reaktortechnologie mit einer digitalen Plattform. Über die Software sollen Produktion, Betrieb und Ergebnisse überwacht und dokumentiert werden.
Die produzierte Pflanzenkohle kann anschließend wieder in landwirtschaftliche Böden eingebracht werden. Dort soll sie langfristig Kohlenstoff speichern und gleichzeitig Eigenschaften des Bodens verbessern. Cotierra nimmt damit zwei Herausforderungen an: Landwirtschaftliche Reststoffe sollen produktiv genutzt werden, während Agrarunternehmen gleichzeitig ihre Lieferketten widerstandsfähiger machen und deren Emissionen reduzieren können.
Vom Pilotprojekt zum kommerziellen Rollout
Mit dem neuen Kapital will Cotierra seine Technologie nun von erfolgreichen Feldprojekten zu einem standardisierten und wiederholbaren kommerziellen Produkt weiterentwickeln. Die drei Millionen Dollar sollen insbesondere in die Industrialisierung der Reaktortechnologie und den Ausbau der digitalen Plattform fließen. Ziel ist ein integriertes Hardware- und Softwareangebot, das sich über unterschiedliche Regionen hinweg einsetzen lässt.
Nach Angaben des Unternehmens verfügt Cotierra bereits über einen umfangreichen Auftragsbestand. Konkrete Angaben zu dessen Volumen oder Umsatz macht das Startup allerdings nicht. CEO und Mitgründer Thomas Käslin sieht insbesondere in der dezentralen Produktion einen Vorteil für tropische Agrarlieferketten, in denen Restbiomasse häufig über große Gebiete verteilt anfällt.
Kaffee dient als erster Anwendungsfall
Erprobt hat Cotierra sein Modell zunächst in der Kaffeeindustrie. Das Unternehmen arbeitet dabei unter anderem mit Kaffeehändlern und Produzenten zusammen. Für den strategischen Investor PINC ist dieser Ansatz besonders relevant. PINC gehört zum internationalen Lebensmittel- und Getränkeunternehmen Paulig und investiert in Technologien rund um zukünftige Lebensmittel- und Agrarsysteme.
Nach den bisherigen Projekten im Kaffeeanbau will Cotierra sein System nun auf weitere tropische Agrarrohstoffe übertragen. Genannt werden Kakao, Baumwolle und Zitrusfrüchte. Damit soll aus einzelnen Biochar-Projekten eine Technologieplattform entstehen, die sich entlang verschiedener landwirtschaftlicher Lieferketten einsetzen lässt.
CO₂-Entnahme wird Teil des Geschäftsmodells
Neben Produktivität und Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft spielt Carbon Removal eine zentrale Rolle. Bei der Herstellung von Pflanzenkohle wird ein Teil des zuvor von Pflanzen aufgenommenen Kohlenstoffs in eine stabilere Form überführt.
Wird diese Pflanzenkohle dauerhaft im Boden gebunden, kann daraus eine Form langfristiger CO₂-Entnahme entstehen. Für Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie kann dies zugleich eine Möglichkeit darstellen, Emissionen innerhalb ihrer landwirtschaftlichen Lieferketten zu adressieren.
Entscheidend sind dabei eine belastbare Messung und Dokumentation. Genau hier kommt Cotierra zufolge die eigene digitale Plattform ins Spiel, mit der Biochar-Produktion und die damit verbundenen Ergebnisse überwacht und verifiziert werden sollen.
Skalierbarkeit wird zum nächsten Test
Nach erfolgreichen Pilotprojekten beginnt für Cotierra nun die schwierigere Industrialisierungsphase. Dezentrale Anlagen können Transportwege reduzieren und näher an den anfallenden Reststoffen betrieben werden. Gleichzeitig muss das Unternehmen zeigen, dass sich Hardware, Betrieb und digitale Überwachung über viele Standorte hinweg wirtschaftlich standardisieren lassen.
Die Beteiligung von PINC und Carbon Removal Partners verbindet dabei zwei potenzielle Absatztreiber: widerstandsfähigere landwirtschaftliche Lieferketten und den wachsenden Markt für dauerhafte CO₂-Entnahme. Mit der Finanzierung will Cotierra nun beweisen, dass sein bislang im Kaffeeanbau erprobtes Modell auch über einzelne Projekte und Agrarrohstoffe hinaus skalierbar ist.

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