JawBuddy holt sich 818.000 Euro gegen Kieferschmerzen
Chronische Kieferschmerzen sind für viele Betroffene eine erhebliche Belastung. Zu den häufigen Ursachen gehört die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), eine Funktionsstörung des Kausystems, die unter anderem mit Schmerzen im Kiefer- und Gesichtsbereich sowie Spannungskopfschmerzen einhergehen kann. Auch Zähneknirschen und Zähnepressen, medizinisch als Bruxismus bezeichnet, können Beschwerden verursachen.
Die Behandlung erfolgt häufig über Aufbissschienen und regelmäßige Zahnarzttermine. Was Patienten zwischen den einzelnen Praxisbesuchen selbst tun können, bleibt jedoch oft ihnen überlassen. JawBuddy bietet eine App an, die Betroffene bei der Therapie zu Hause begleiten soll.
HALBZEIT führt Finanzierungsrunde an
Die Finanzierung wird von der Healthcare-Plattform HALBZEIT angeführt. Zu den weiteren Kapitalgebern gehören der Zahnarzt Dr. Siegfried Marquardt, der auf ästhetische und funktionelle Zahnmedizin sowie Implantologie spezialisiert ist, und der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Dr. Guido Sigron. Ebenfalls beteiligt sind die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen (MBG) sowie die Business Angels Christophe Barriolade, Aldrich Huang, Jens Kosche und Marc Scheidegger.
Wir investieren dort, wo ein großer, unterversorgter Markt, ein klarer klinischer Bedarf und ein erstattungsfähiges Modell zusammenkommen.
Luisa Wasilewski, Pool Captain bei HALBZEIT
In der Gesamtsumme von 818.000 Euro ist zudem der Business-Angel-Bonus der Sächsischen Aufbaubank enthalten. Wie hoch die einzelnen Beteiligungen ausfallen und mit welcher Bewertung JawBuddy finanziert wurde, ist nicht bekannt. Für HALBZEIT steht vor allem die Verbindung aus medizinischem Bedarf und einem möglichen Erstattungsmodell im Vordergrund.
Smartphone-Kamera soll Therapiefortschritte erfassen
JawBuddy entwickelt ein personalisiertes Therapieprogramm, das Patienten bei Übungen und weiteren Maßnahmen zur Selbsttherapie unterstützt. Die Anwendung soll die bestehende zahnärztliche Behandlung ergänzen und insbesondere die Zeit zwischen Praxisbesuchen überbrücken. Mithilfe der Smartphone-Kamera erfasst die App nach Unternehmensangaben den Therapiefortschritt. Damit will JawBuddy eine kontinuierlichere Betreuung ermöglichen, ohne dass Patienten für jede Übung oder Verlaufskontrolle eine Praxis aufsuchen müssen.
Die Idee entstand aus persönlicher Erfahrung. Leon Rauch, Mitgründer und CEO von JawBuddy, litt nach eigenen Angaben selbst jahrelang unter Kieferschmerzen.
Ich hatte selbst jahrelang Kieferschmerzen und habe erlebt, wie wenig man zwischen zwei Zahnarztterminen tun kann.
Leon Rauch, Mitgründer und CEO von JawBuddy
Die App richtet sich sowohl an Menschen mit CMD als auch an Patienten mit Bruxismus. Beide Beschwerdebilder können eine längerfristige Behandlung und regelmäßige Eigenübungen erforderlich machen. JawBuddy ist bereits als Medizinprodukt der Klasse I nach der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) registriert. Das bedeutet allerdings nicht, dass die therapeutische Wirksamkeit bereits durch die angekündigte klinische Studie nachgewiesen wurde.
Klinische Studie mit 130 Patienten geplant
Ein großer Teil der Finanzierung soll in die wissenschaftliche Untersuchung der digitalen Therapie fließen. Für Dezember 2026 plant JawBuddy den Start einer multizentrischen, randomisierten kontrollierten Studie mit insgesamt 130 Patienten. Bei dieser Studienform werden Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip unterschiedlichen Behandlungsgruppen zugeordnet, um die Wirkung einer Intervention systematisch zu untersuchen.
Parallel laufen nach Unternehmensangaben bereits klinische Pilotprojekte an fünf Standorten, darunter am Universitätsklinikum der RWTH Aachen. Die geplante Studie ist eine wichtige Grundlage für die weitere medizinische Bewertung der Anwendung schaffen. Welche konkreten Endpunkte untersucht werden und wann erste Ergebnisse vorliegen könnten, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Für JawBuddy dürfte die klinische Evidenz entscheidend sein, um das Produkt langfristig im regulären Gesundheitsmarkt zu etablieren.
Krankenkassenfinanzierung als nächster Schritt
Neben der klinischen Validierung arbeitet das Startup an einem Modell zur Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen. Nach eigenen Angaben befindet sich JawBuddy bereits in Verhandlungen mit einer großen gesetzlichen Krankenkasse über einen Versorgungsvertrag. Dieser könnte Anfang 2027 starten.
Ein Abschluss steht allerdings noch aus. Auch welche Versicherten von einem möglichen Vertrag profitieren würden und unter welchen Voraussetzungen die App erstattet werden könnte, ist bislang offen. Für das Geschäftsmodell wäre eine solche Vereinbarung ein wichtiger Schritt. Statt die Anwendung ausschließlich direkt an Patienten zu vermarkten, könnte JawBuddy über eine Krankenkasse Zugang zu einer größeren Patientengruppe erhalten. Zugleich würde eine Erstattung die finanzielle Hürde für Betroffene senken.

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