Finanzierungsrunde

VUSE XR holt sich 1,2 Millionen Euro

Das Freiburger Startup sichert sich eine Pre-Seed-Finanzierung unter Führung des Düsseldorfer Business-Angel-Netzwerks IACD. Das Kapital soll die Weiterentwicklung der Mixed-Reality-Plattform und den Ausbau des Vertriebs ermöglichen.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Freiburg, 29. Oktober 2026

VUSE XR hat eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 1,2 Millionen Euro abgeschlossen. Das im November 2023 gegründete Freiburger Unternehmen entwickelt Software für die Erstellung und Bereitstellung immersiver Trainingsanwendungen.
Angeführt wird die Finanzierung vom Düsseldorfer Business-Angel-Netzwerk IACD.
Zu den beteiligten Investoren beziehungsweise Unterstützern gehören Markus Roithmeier, IACD-Mitglied und Beiratsvorsitzender von VUSE XR, sowie Andreas Goss, ebenfalls Mitglied des Netzwerks und ehemaliger Vorstandsvorsitzender von thyssenkrupp Steel.
Welche Mitglieder des Netzwerks sich mit welchen Beträgen beteiligt haben, wurde nicht veröffentlicht.
Auch zur Unternehmensbewertung und zu den Beteiligungsquoten machte VUSE XR keine Angaben.
Das Kapital soll in die Weiterentwicklung der Softwareplattform, zusätzliche KI-Funktionen und den Ausbau der Vertriebsaktivitäten fließen.
Parallel hat das Unternehmen sein kommerzielles Führungsteam verstärkt.

Mixed Reality für industrielle Schulungen

VUSE XR entwickelt Lösungen für die Erstellung interaktiver Trainings in Mixed Reality.
Die Technologie verbindet digitale Inhalte mit der physischen Umgebung der Nutzer.
So können beispielsweise virtuelle Maschinen, technische Komponenten oder Arbeitsabläufe dargestellt und interaktiv erkundet werden.
Für Industrieunternehmen ergeben sich daraus verschiedene Einsatzmöglichkeiten.
Mitarbeiter können komplexe Anlagen kennenlernen, technische Abläufe üben oder neue Produkte verstehen, ohne dass die entsprechenden Geräte unmittelbar vor Ort verfügbar sein müssen.
Auch bei der Schulung von Servicepersonal oder der Einführung neuer Produkte können solche Anwendungen eingesetzt werden.
Besonders relevant ist dies für Unternehmen mit aufwendigen technischen Produkten und mehreren internationalen Standorten.
Die Bereitstellung physischer Schulungsgeräte ist dort häufig mit Transportkosten, organisatorischem Aufwand und begrenzter Verfügbarkeit verbunden.
Mixed-Reality-Anwendungen können solche Trainings ergänzen und bestimmte Lerninhalte unabhängig vom Standort zugänglich machen.

Vom individuellen Agenturprojekt zur Softwareplattform

Ein zentrales Problem bei der Einführung immersiver Trainings ist nach Einschätzung von VUSE XR der hohe Entwicklungsaufwand.
Viele Mixed-Reality-Anwendungen werden bislang als individuelle Projekte umgesetzt.
Für jedes neue Produkt oder jeden zusätzlichen Trainingsablauf müssen Inhalte und technische Funktionen teilweise neu erstellt werden.
Das verursacht Kosten und erschwert eine wiederholbare Nutzung über verschiedene Standorte hinweg.
VUSE XR will diesen Prozess mit seiner Softwareplattform standardisieren.
Der VUSE XR Hub ermöglicht es Unternehmen, interaktive Trainings selbst zu erstellen und anschließend zentral zu verwalten.
Ändern sich Produkte, technische Komponenten oder betriebliche Abläufe, können die Trainings entsprechend angepasst werden.
Aktualisierte Inhalte sollen anschließend unmittelbar an weitere Standorte verteilt werden können.
Damit verfolgt das Startup einen Softwareansatz, der die Erstellung und Pflege von Mixed-Reality-Anwendungen stärker in die bestehenden Prozesse der Unternehmen integriert.
Das Ziel ist eine wiederholbare und skalierbare Nutzung der Technologie.

KI soll bestehende Produktdaten in Trainings überführen

Ein wichtiger Bestandteil der Produktentwicklung sind KI-gestützte Erstellungstools.
Diese sollen vorhandene Produktinformationen und technische Dokumentationen nutzen, um daraus passende Trainingsinhalte zu entwickeln.
Industrieunternehmen verfügen häufig bereits über umfangreiche Unterlagen zu ihren Produkten und Anlagen.
Dazu gehören beispielsweise technische Beschreibungen, Bedienungsanleitungen und Prozessdokumentationen.
VUSE XR will diese Informationen für die Erstellung interaktiver Schulungen nutzbar machen.
Dadurch könnte sich der Aufwand reduzieren, Inhalte manuell für Mixed-Reality-Anwendungen aufzubereiten.
Die KI-Funktionen sollen insbesondere die Übertragung bestehender Informationen in individuelle Trainings unterstützen.
Welche Arbeitsschritte bereits vollständig automatisiert erfolgen und in welchem Umfang menschliche Nachbearbeitung erforderlich ist, wurde nicht näher erläutert.
Auch konkrete Zahlen zur Zeitersparnis bei der Erstellung von Trainings veröffentlichte das Unternehmen nicht.
Mit der neuen Finanzierung sollen die KI-gestützten Funktionen weiter ausgebaut werden.

ZEISS, Witron und Hologic gehören zu den Kunden

VUSE XR hat bereits mehrere größere Unternehmen als Kunden gewonnen.
Dazu gehören ZEISS, Witron, Hologic und Badenova.
Die Kunden stammen aus unterschiedlichen Bereichen, darunter Industrie, Medizintechnik, Logistiktechnologie und Energieversorgung.
Sie nutzen den VUSE XR Hub nach Unternehmensangaben, um komplexe Produkte und Prozesse anschaulich zu vermitteln.
Ein Vorteil liegt darin, dass technische Trainings auch dann durchgeführt werden können, wenn die entsprechenden Maschinen oder Geräte nicht physisch verfügbar sind.
Das kann insbesondere bei standortübergreifenden Schulungen oder der Einführung neuer Produkte hilfreich sein.
Die Plattform soll Unternehmen außerdem ermöglichen, Trainingsinhalte zentral zu aktualisieren und an unterschiedliche Zielgruppen anzupassen.
Konkrete Angaben zur Gesamtzahl der Kunden, zur Anzahl erstellter Trainings oder zu den jährlich wiederkehrenden Softwareumsätzen wurden nicht veröffentlicht.
Auch unabhängige Untersuchungen zur Wirksamkeit der Trainings liegen in der vorliegenden Mitteilung nicht vor.

Software statt aufwendiger Einzelentwicklung

Mit seinem Geschäftsmodell setzt VUSE XR auf eine Entwicklung, die auch in anderen Bereichen der Unternehmenssoftware zu beobachten ist.
Spezialisierte Dienstleistungen werden zunehmend durch standardisierte Softwareplattformen ergänzt oder ersetzt.
Im Bereich immersiver Trainings könnte dieser Ansatz insbesondere Unternehmen zugutekommen, die regelmäßig neue Produkte einführen oder Mitarbeiter an verschiedenen Standorten schulen müssen.
Anstatt für jedes Trainingsszenario ein separates Entwicklungsprojekt zu beauftragen, sollen Unternehmen bestehende Inhalte wiederverwenden und neue Anwendungen eigenständig erstellen können.
Dadurch könnte Mixed Reality auch für eine größere Zahl von Schulungsszenarien wirtschaftlich interessant werden.
Allerdings hängt der tatsächliche Nutzen von verschiedenen Faktoren ab.
Dazu gehören die Qualität der vorhandenen Produktdaten, die Komplexität der Trainingsinhalte und die technische Ausstattung der Nutzer.
Auch die Integration in bestehende Schulungsprozesse spielt eine wichtige Rolle.
VUSE XR will diese Hürden durch eine zentrale Softwareplattform und KI-gestützte Erstellungsmöglichkeiten reduzieren.

Investoren sehen Potenzial für skalierbares Softwaregeschäft

Die Investoren begründen ihr Engagement insbesondere mit dem Geschäftsmodell und der technologischen Entwicklung des Startups.
Markus Roithmeier, IACD-Mitglied und Beiratsvorsitzender von VUSE XR, verweist auf die Verbindung aus einem spezialisierten Team, KI-gestützter Technologie und bereits gewonnenen Kunden.
Aus seiner Sicht verfügt das Unternehmen über die Voraussetzungen, um aus einer technisch anspruchsvollen Anwendung ein skalierbares Softwaregeschäft zu entwickeln.
Auch Andreas Goss sieht Potenzial in der Technologie.
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von thyssenkrupp Steel hebt insbesondere die Bedeutung wirksamer Schulungen für Produktivität, Wissenstransfer und den sicheren Betrieb komplexer technischer Systeme hervor.
Mixed-Reality-Trainings könnten dabei helfen, Schulungsinhalte leichter zugänglich zu machen und über verschiedene Produkte und Standorte hinweg einzusetzen.
Ob und in welchem Umfang sich daraus messbare Produktivitäts- oder Kostenvorteile ergeben, hängt von den jeweiligen Einsatzbedingungen ab.

Neue Führungskräfte für Vertrieb und Kundenbetreuung

Parallel zur Finanzierung hat VUSE XR sein kommerzielles Führungsteam erweitert.
Jan Hendrik Degner übernimmt die Position des Chief Commercial Officer.
Robert Günther wurde zum Vice President Sales & Service Delivery berufen.
Mit den Personalentscheidungen stärkt das Unternehmen insbesondere Vertrieb, Kundenentwicklung und die Umsetzung seiner Softwarelösungen.
Die neuen Funktionen sollen dazu beitragen, zusätzliche Unternehmenskunden zu gewinnen und bestehende Kundenbeziehungen auszubauen.
Gleichzeitig plant VUSE XR, seine Plattform technologisch weiterzuentwickeln.
Ein Schwerpunkt liegt auf KI-gestützten Werkzeugen, die den Aufwand bei der Erstellung und Aktualisierung von Trainings weiter reduzieren sollen.
Konkrete Ziele für Mitarbeiterwachstum, Umsatzentwicklung oder die Expansion in zusätzliche Länder wurden nicht genannt.

VUSE XR will Mixed Reality für Unternehmen skalierbar machen

Mit der Pre-Seed-Finanzierung über 1,2 Millionen Euro erhält VUSE XR zusätzliche Mittel für seine nächste Entwicklungsphase.
Das Startup setzt auf eine Kombination aus Mixed-Reality-Technologie, standardisierten Softwareprozessen und KI-gestützter Inhaltserstellung.
Damit adressiert es Unternehmen, die technische Schulungen regelmäßig aktualisieren und an mehreren Standorten bereitstellen müssen.
Die bereits gewonnenen Kunden aus Industrie und Life Sciences zeigen, dass entsprechende Anwendungen in unterschiedlichen Branchen eingesetzt werden können.
Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, wie einfach Unternehmen ihre Trainings tatsächlich selbst erstellen können und welche wirtschaftlichen Vorteile sich gegenüber individuell entwickelten Anwendungen ergeben.
Mit dem Ausbau der Softwareplattform und der Verstärkung des kommerziellen Führungsteams will VUSE XR nun zusätzliche Kunden gewinnen und sein Geschäftsmodell weiter skalieren.


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