Agora Labs erhält 4,3 Millionen Euro für KI-gestützte Nutzung medizinischer Daten
Das italienische Deeptech-Startup Agora Labs hat eine Finanzierungsrunde über 4,3 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom Venture-Capital-Investor P101. Mit seiner Technologie ermöglicht das Unternehmen die Nutzung sensibler Patientendaten für medizinische Forschungsprojekte, ohne dass diese die Krankenhäuser verlassen müssen. Das internationale Netzwerk soll nun deutlich wachsen.
Das italienische Healthtech-Unternehmen Agora Labs hat sich eine Finanzierung über 4,3 Millionen Euro gesichert. Die Investitionsrunde wird von der italienischen Venture-Capital-Gesellschaft P101 angeführt. Ebenfalls beteiligt ist die Unternehmerfamilie Mussetto, die hinter der auf Marketingtechnologie, Datenanalyse und Robotik spezialisierten Holding Infinite Five steht. Mit dem Kapital will Agora Labs seine internationale Expansion beschleunigen, neue Mitarbeiter einstellen und sein Netzwerk medizinischer Einrichtungen ausbauen.
Das Unternehmen entwickelt eine technologische Infrastruktur, mit der Krankenhäuser ihre klinischen Daten für wissenschaftliche Untersuchungen nutzbar machen können. Im Mittelpunkt steht dabei die Verbindung von künstlicher Intelligenz, dezentraler Datenverarbeitung und Datenschutz.
Bislang sind medizinische Informationen häufig auf unterschiedliche IT-Systeme verteilt und liegen in verschiedenen Formaten vor. Gleichzeitig erschweren Datenschutzanforderungen den Austausch sensibler Patientendaten zwischen Kliniken, Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen. Agora Labs setzt deshalb auf ein Modell, bei dem die Verarbeitung unmittelbar innerhalb der jeweiligen Gesundheitseinrichtung stattfindet.
Dezentrale KI soll medizinische Forschung erleichtern
Die Plattform von Agora Labs basiert auf lokalen Recheneinheiten, die direkt in den angeschlossenen Krankenhäusern installiert werden. Zum Einsatz kommen dabei Grafikprozessoren von NVIDIA, das als Technologiepartner des Unternehmens fungiert.
Spezialisierte große Sprachmodelle strukturieren und standardisieren die vorhandenen klinischen Informationen. Anschließend werden die Daten mithilfe mathematischer Verfahren anonymisiert. Nach Angaben des Unternehmens sind diese Verfahren auf einen dauerhaften Schutz der Patienteninformationen ausgelegt.
Ein zentraler Bestandteil ist das sogenannte Federated Learning. Dabei werden KI-Modelle dezentral auf den Datenbeständen einzelner Krankenhäuser trainiert und überprüft. Zwischen den Einrichtungen werden lediglich die entsprechenden Modellergebnisse und Auswertungen ausgetauscht. Die ursprünglichen Patientendaten verbleiben innerhalb der jeweiligen Klinik.
Dadurch sollen Forschungsorganisationen und Pharmaunternehmen Untersuchungen auf Grundlage großer internationaler Patientengruppen durchführen können, ohne die zugrunde liegenden Datensätze zentral zusammenzuführen.
Erste Anwendungsfälle gibt es bereits. In Italien wird die Technologie unter anderem zur Analyse von Krankenhausapotheken und Behandlungsabläufen eingesetzt. In Saudi-Arabien läuft ein Projekt, bei dem genetische, klinische und radiologische Informationen kombiniert werden, um Risiken für Komplikationen bei Diabetes frühzeitig zu erkennen.
Internationales Kliniknetzwerk soll sich verdoppeln
Agora Labs wurde in Rom von Davide Zaccagnini und Fabio Giulietto gegründet. Zaccagnini ist Gefäßchirurg und biomedizinischer Informatiker mit Ausbildung am Massachusetts Institute of Technology. Giulietto bringt einen technischen Hintergrund sowie einen MBA des Imperial College London mit.
Die Technologie entstand ursprünglich aus einem europäischen Forschungsprojekt zum sicheren Austausch medizinischer Daten. Nach der technischen Validierung nahm das Unternehmen 2023 seine kommerziellen Aktivitäten auf.
Heute umfasst das internationale Netzwerk nach Unternehmensangaben 50 Gesundheitseinrichtungen. Dazu gehören unter anderem die Harvard Medical School und das Krankenhaus San Raffaele in Mailand. Mit der neuen Finanzierung soll die Zahl der angeschlossenen Einrichtungen in den kommenden Monaten auf 100 steigen.
Parallel plant Agora Labs die Expansion in weitere internationale Märkte, insbesondere in den Nahen Osten und nach Indien. Zudem sollen rund 20 neue Mitarbeiter in technischen und kommerziellen Funktionen eingestellt werden.
Für P101 ist die Beteiligung ein weiterer Schritt beim Ausbau seines Healthtech-Portfolios. Mit Agora Labs unterstützt der Investor inzwischen vier Unternehmen aus diesem Bereich. Mehr als 20 Prozent der Investitionen seines Programma-103-Investitionsprogramms entfallen mittlerweile auf Healthtech.
Agora Labs bewegt sich im Markt für sogenannte Real World Evidence, also medizinische Erkenntnisse aus Daten der alltäglichen Gesundheitsversorgung. Nach den in der Mitteilung genannten Marktprognosen könnte das globale Marktvolumen von 5,4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 10,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 wachsen.
Mit dem Ausbau seines Kliniknetzwerks will Agora Labs die Grundlage für größere internationale Forschungsprojekte schaffen und die Entwicklung datenbasierter Diagnose- und Behandlungsmethoden unterstützen.

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