SMYCLES erhält 1,5 Millionen Euro für KI-gestützte Teamplanung und zieht nach Magdeburg
Das Software-Startup SMYCLES hat in einer Eigenkapitalfinanzierung 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Die Runde wird von den IBG-Fonds des Landes Sachsen-Anhalt unter Management der bmp Ventures AG angeführt. Zwei Privatinvestoren aus Deutschland und den USA beteiligen sich ebenfalls. Im Zuge der Finanzierung verlegt das 2023 gegründete Unternehmen seinen Sitz nach Magdeburg. SMYCLES entwickelt eine Software, die mithilfe von Unternehmensdaten geeignete Teams aus Mitarbeitern und KI-Agenten zusammenstellen soll. Mehr als eine Million Euro des frischen Kapitals sollen innerhalb der kommenden 18 Monate am neuen Standort investiert werden.
IBG-Fonds führen Finanzierungsrunde an
Mit einer Eigenkapitalfinanzierung über 1,5 Millionen Euro will SMYCLES die Weiterentwicklung seiner Software und den Ausbau des Vertriebs beschleunigen.
Die Beteiligungsvereinbarung wurde bereits am 28. September 2026 notariell beurkundet. Als Lead-Investor beteiligen sich die IBG-Fonds des Landes Sachsen-Anhalt, deren Management bei der bmp Ventures AG liegt.
Hinzu kommen zwei private Kapitalgeber: ein Investor aus den USA und ein Unternehmer aus Deutschland, der nach Unternehmensangaben Erfahrung mit der Transformation mittelständischer Unternehmen mitbringt.
Die beiden Privatinvestoren beteiligen sich nach dem Pari-passu-Prinzip. Die genaue Aufteilung der Finanzierungssumme und die Unternehmensbewertung wurden nicht veröffentlicht.
Im Zusammenhang mit der Finanzierung verlegt SMYCLES seinen Unternehmenssitz nach Magdeburg. Dort soll ein wesentlicher Teil der weiteren Entwicklung stattfinden.
Software soll Menschen und KI-Agenten zu Teams zusammenstellen
SMYCLES beschäftigt sich mit einer Frage, die durch den zunehmenden Einsatz von KI-Agenten in Unternehmen an Bedeutung gewinnt: Welche Aufgaben sollten von welchen Mitarbeitern und welchen digitalen Systemen übernommen werden?
Die Plattform soll Unternehmen dabei unterstützen, für konkrete Aufgaben geeignete Teams zusammenzustellen.
Dabei berücksichtigt die Software sowohl menschliche Mitarbeiter als auch KI-Agenten, die bestimmte Tätigkeiten automatisiert ausführen können.
Die beiden Gruppen werden nach unterschiedlichen Kriterien bewertet.
Bei KI-Agenten stehen nach Angaben des Startups vor allem technische Fähigkeiten und Zuverlässigkeit im Vordergrund.
Bei menschlichen Mitarbeitern sollen dagegen Faktoren wie Erfahrung, Urteilsvermögen und die Zusammenarbeit mit anderen Teammitgliedern berücksichtigt werden.
SMYCLES will dadurch über klassische Personal- und Ressourcenplanung hinausgehen und die konkrete Zusammenarbeit innerhalb eines Teams stärker in den Mittelpunkt stellen.
Unternehmensdaten liefern die Grundlage für Entscheidungen
Die Software greift auf bereits vorhandene Informationen aus unterschiedlichen Unternehmenssystemen zurück.
Dazu gehören Daten aus Personalverwaltung, Projektmanagement, Customer-Relationship-Management und Geschäftsprozessen.
Eine besondere Rolle spielen Informationen aus dem Business Process Management, kurz BPM.
Diese beschreiben, wie betriebliche Abläufe organisiert sind, welche Aufgaben voneinander abhängen und welche Anforderungen bei ihrer Bearbeitung entstehen.
SMYCLES führt diese Informationen zusammen und simuliert auf dieser Grundlage verschiedene Teamzusammensetzungen.
Für eine vorgegebene Aufgabe soll das System anschließend eine geeignete Kombination aus Mitarbeitern und KI-Agenten vorschlagen.
Die Auswahl wird nach Unternehmensangaben mit einer Begründung versehen.
Das Startup gibt an, solche Vorschläge innerhalb weniger Sekunden erstellen zu können. Unabhängige Vergleichsdaten zur tatsächlichen Zeitersparnis oder zur Qualität der Empfehlungen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Welche Aufgaben bleiben beim Menschen?
Ein weiterer Bestandteil des Konzepts ist die Unterscheidung zwischen Tätigkeiten, die automatisiert werden können, und solchen, bei denen menschliche Fähigkeiten besonders wichtig sind.
SMYCLES bezeichnet letztere als „Human Reserved“.
Dazu können Aufgaben gehören, bei denen Erfahrung, Urteilsvermögen, persönliche Verantwortung oder komplexe Abstimmungen erforderlich sind.
Die Plattform soll Unternehmen dabei helfen, diese Anforderungen im jeweiligen Arbeitskontext zu berücksichtigen.
Mitgründer Martin Zünkeler und Dr. Bernhard Zünkeler sehen darin einen wesentlichen Unterschied zu herkömmlichen Ansätzen der Ressourcenplanung.
Nach ihrer Einschätzung hängt die Leistungsfähigkeit eines Teams nicht ausschließlich von den individuellen Qualifikationen seiner Mitglieder ab, sondern auch davon, wie diese zusammenarbeiten.
Mit dem zunehmenden Einsatz autonomer KI-Agenten erweitert sich diese Fragestellung um die Abstimmung zwischen menschlichen und digitalen Akteuren.
Integration in bestehende IT-Systeme vorgesehen
SMYCLES positioniert seine Plattform als Ergänzung zu vorhandenen Unternehmenssystemen.
Die Software soll bestehende Lösungen für Personalverwaltung, Projektmanagement und Geschäftsprozesse nutzen, anstatt sie vollständig zu ersetzen.
Nach Unternehmensangaben kann das Produkt unmittelbar als Cloud-Anwendung eingesetzt werden.
Für eine lokale Installation im eigenen Rechenzentrum nennt das Startup eine Einrichtungszeit von einem Tag.
Wie schnell die Plattform tatsächlich produktiv genutzt werden kann, hängt allerdings von den benötigten Schnittstellen, der Verfügbarkeit geeigneter Daten und den jeweiligen IT-Sicherheitsanforderungen ab.
SMYCLES bietet nach eigenen Angaben auch Vorlagen für Datenschutz, Datensicherheit und Anforderungen im Zusammenhang mit dem europäischen AI Act an.
Die konkrete rechtliche Bewertung und Umsetzung solcher Vorgaben bleibt von den jeweiligen Anwendungsfällen und Verantwortlichkeiten abhängig.
Sechs Unternehmenskunden nutzen die Plattform
Nach eigenen Angaben wird SMYCLES bereits von sechs Kunden beziehungsweise Unternehmenskonten eingesetzt.
Diese stammen aus den Bereichen Energieinfrastruktur, Industrie und Universitätsmedizin.
Namen der Kunden sowie Einzelheiten zum Umfang der jeweiligen Nutzung nennt das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht.
Auch Informationen zu Umsätzen, Lizenzmodellen oder messbaren Produktivitätssteigerungen liegen bislang nicht vor.
Die bestehenden Anwendungen sollen jedoch zeigen, dass die Plattform bereits in unterschiedlichen organisatorischen Umgebungen eingesetzt wird.
Mit der Finanzierung will SMYCLES nun zusätzliche Kunden gewinnen und seine Technologie weiterentwickeln.
Mehr als eine Million Euro für den Standort Magdeburg
Ein wesentlicher Teil des aufgenommenen Kapitals soll unmittelbar dem neuen Unternehmensstandort zugutekommen.
SMYCLES plant, innerhalb der kommenden 18 Monate mehr als eine Million Euro in Magdeburg einzusetzen.
Das Geld ist für Produktentwicklung und Vertrieb vorgesehen.
Für die IBG-Fonds passt die Beteiligung damit zum Auftrag, innovative Technologieunternehmen mit Sitz in Sachsen-Anhalt zu finanzieren.
Der von bmp Ventures gemanagte Risikokapitalfonds RKF IV wurde Ende 2023 mit einem Volumen von 63 Millionen Euro aufgelegt und wird aus Landes- und EU-Mitteln finanziert.
Ywes Israel, Principal bei bmp Ventures, sieht in der Verbindung von Prozessmanagement, Unternehmensdaten und KI-Agenten einen Ansatz für die zukünftige Organisation betrieblicher Arbeit.
Für SMYCLES wird nun entscheidend sein, ob sich die vorgeschlagenen Teamzusammensetzungen im Unternehmensalltag bewähren und die Software bei einer größeren Zahl von Kunden skalieren lässt.
Mit 1,5 Millionen Euro Eigenkapital und dem neuen Standort Magdeburg schafft das Startup die Grundlage für die nächste Wachstumsphase.

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