Fintech

fiskaly expandiert nach Tschechien

560 Millionen Euro zusätzliche Staatseinnahmen pro Jahr erwartet das tschechische Finanzministerium von EET 2.0. fiskaly positioniert sich mit seiner neuen Lösung SIGN CZ frühzeitig im tschechischen Markt für digitale Kassensysteme.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Wien, 19. Oktober 2026

Das Wiener FinTech-Scaleup fiskaly erweitert seine Geschäftstätigkeit nach Tschechien und ist damit in neun europäischen Märkten vertreten. Mit der neuen Lösung SIGN CZ will das Unternehmen Kassensystemanbietern und Händlern die Einhaltung der geplanten elektronischen Umsatzmeldepflicht EET 2.0 ermöglichen. Diese soll ab dem 1. Januar 2027 für zahlreiche Unternehmen im Einzelhandel, Dienstleistungssektor und Gastgewerbe gelten. Die Integration und Erprobung der fiskaly-Lösung sind bereits möglich.

Tschechien wird zum neunten europäischen Markt

Mit dem Markteintritt in Tschechien setzt fiskaly seine internationale Expansion fort. Das Unternehmen entwickelt cloudbasierte Software und Programmierschnittstellen für die gesetzeskonforme Erfassung und Absicherung von Kassentransaktionen.
Neben dem neuen Markt ist das Wiener Scaleup bereits in Deutschland, Italien, Schweden, Spanien, Portugal, Frankreich, Belgien und Österreich aktiv.
Der Markteintritt erfolgt im Vorfeld der für Anfang 2027 vorgesehenen Einführung von EET 2.0. Mit SIGN CZ stellt fiskaly eine Lösung bereit, die sich in bestehende Kassensysteme integrieren lassen soll.
Softwareanbieter und Unternehmen können nach Angaben von fiskaly bereits mit der technischen Integration und den Tests beginnen.
Damit will sich das Unternehmen frühzeitig als Technologiepartner für die Umstellung des tschechischen Kassensystems positionieren.

EET 2.0 soll elektronische Umsatzmeldung wieder einführen

Hintergrund des Markteintritts ist die geplante Einführung eines neuen Systems zur elektronischen Erfassung von Verkaufstransaktionen in Tschechien.
Die Regelung trägt den Namen Elektronická evidence tržeb, kurz EET 2.0, und soll ab dem 1. Januar 2027 gelten.
Das System erfasst nach den vorliegenden Angaben Zahlungen, die im persönlichen Kontakt zwischen Kunden und Unternehmen stattfinden.
Dabei spielt die verwendete Zahlungsart grundsätzlich keine Rolle. Sowohl Barzahlungen als auch Kartenzahlungen und Zahlungen per QR-Code sollen erfasst werden.
Entscheidend ist vielmehr, ob der Kunde bei der Transaktion vor Ort anwesend ist.
Eine Kartenzahlung an der Ladenkasse fällt damit unter die geplante Meldepflicht. Wird dieselbe Karte dagegen bei einem Online-Einkauf verwendet, greift diese Regelung nach der beschriebenen Abgrenzung nicht.
Die Vorgaben betreffen insbesondere Unternehmen aus dem Einzelhandel, der Gastronomie und dem Dienstleistungssektor.

Digitale Belege statt verpflichtender Papierausdrucke

EET 2.0 soll die elektronische Umsatzmeldung modernisieren und zugleich die Digitalisierung von Kassenprozessen vorantreiben.
Ein wesentlicher Unterschied zu früheren Verfahren ist, dass die Regelung nach Angaben von fiskaly keinen verpflichtenden Ausdruck von Papierbelegen mehr vorsieht.
Die Erfassung der Transaktionen soll unabhängig davon erfolgen, ob Kunden mit Bargeld oder bargeldlos bezahlen.
Damit soll das System besser zu modernen Zahlungsgewohnheiten passen und den administrativen Aufwand bei der Umsatzdokumentation reduzieren.
Für Kassensystemanbieter bedeutet die Umstellung, dass ihre Software die neuen gesetzlichen Anforderungen technisch abbilden muss.
Hier setzt fiskaly mit seiner cloudbasierten Infrastruktur an.

SIGN CZ soll die technische Integration vereinfachen

Mit SIGN CZ bietet fiskaly eine Lösung zur Einhaltung der tschechischen Anforderungen an die elektronische Umsatzmeldung.
Die Software richtet sich insbesondere an Kassensystemanbieter und Unternehmen, die ihre bestehenden Systeme auf die neuen Vorgaben vorbereiten müssen.
fiskaly verfolgt dabei einen API-basierten Ansatz. Anbieter können die entsprechenden Funktionen über Programmierschnittstellen in ihre Kassensoftware integrieren.
Das soll die technische Umsetzung gesetzlicher Anforderungen vereinfachen und Unternehmen ermöglichen, bestehende Kassensysteme weiterzuverwenden.
Die Integration und Testphase für SIGN CZ ist nach Unternehmensangaben bereits eröffnet.
Konkrete Angaben zu Preisen, technischen Zertifizierungen oder der Zahl bereits integrierter tschechischer Kassensysteme enthält die Mitteilung nicht.

Finanzministerium erwartet zusätzliche Steuereinnahmen

Mit der Wiedereinführung der elektronischen Umsatzmeldung verfolgt Tschechien auch fiskalpolitische Ziele.
Nach Schätzungen des tschechischen Finanzministeriums könnte EET 2.0 die öffentlichen Einnahmen um jährlich rund 14 Milliarden tschechische Kronen erhöhen.
Das entspricht nach den in der Mitteilung verwendeten Umrechnungen ungefähr 560 Millionen Euro.
Die zusätzlichen Einnahmen sollen insbesondere durch eine vollständigere Erfassung steuerpflichtiger Umsätze und die Eindämmung nicht deklarierter Geschäftstätigkeit entstehen.
Dabei handelt es sich um eine Prognose des Ministeriums. Wie hoch die tatsächlichen Mehreinnahmen ausfallen werden, lässt sich erst nach Einführung und Betrieb des Systems beurteilen.
Für Technologieanbieter wie fiskaly entsteht durch die neuen Anforderungen ein Markt für entsprechende Softwarelösungen und Integrationsdienstleistungen.

Mehr als eine Million Kassensysteme angebunden

fiskaly gehört nach eigenen Angaben zu den etablierten europäischen Anbietern cloudbasierter Fiskalisierungstechnologie.
Das Unternehmen betreut rund 2.000 B2B-Kunden in Europa. Seine Infrastruktur wird nach eigenen Angaben in mehr als einer Million Point-of-Sale-Systemen eingesetzt.
Besonders stark ist fiskaly im deutschen Markt vertreten, wo das Unternehmen eine führende Marktposition für seine Lösungen beansprucht.
Die Technologie dient dazu, Kassentransaktionen und digitale Belege gesetzeskonform abzusichern, elektronisch zu signieren und gegen nachträgliche Manipulationen zu schützen.
Mit dem Ausbau auf neun europäische Märkte verfolgt fiskaly das Ziel, unterschiedliche nationale Anforderungen über eine gemeinsame technologische Infrastruktur abzudecken.
Das ist insbesondere für international tätige Kassensoftwareanbieter und Handelsunternehmen relevant, die in mehreren Ländern unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben unterliegen.

Europäische Fiskalisierung als Wachstumsmarkt

Die Anforderungen an elektronische Kassensysteme unterscheiden sich innerhalb Europas weiterhin erheblich.
Während einige Länder auf digitale Signaturen und technische Sicherheitseinrichtungen setzen, verlangen andere die elektronische Meldung bestimmter Transaktionen an staatliche Stellen.
Für Unternehmen mit internationaler Präsenz entsteht dadurch zusätzlicher Integrations- und Wartungsaufwand.
fiskaly will diese Komplexität mit länderspezifischen Lösungen auf einer cloudbasierten Plattform reduzieren.
Mitgründer und Co-CEO Johannes Ferner sieht in der tschechischen Reform einen weiteren Schritt hin zu digitalen Fiskalisierungsverfahren in Europa.
Das Unternehmen wurde 2026 zudem mit einem EY Scaleup Award ausgezeichnet.
Mit SIGN CZ erschließt fiskaly nun einen weiteren nationalen Markt. Entscheidend für den Erfolg werden die endgültige regulatorische Umsetzung von EET 2.0, die technische Integration bei Kassensystemanbietern und die Akzeptanz der Lösung im tschechischen Handel sein.


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