Fintech

Raiffeisen-Investor Elevator Ventures steigt bei Schweizer FinTech Rivero ein

Nicht jede FinTech-Innovation ist für Bankkunden unmittelbar sichtbar. Rivero digitalisiert die Prozesse hinter dem Zahlungsverkehr und holt sich für die europäische Expansion den RBI-Investor Elevator Ventures an Bord.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Zürich, 14. Oktober 2026

Das Zürcher FinTech Rivero gewinnt mit Elevator Ventures, dem Corporate-Venture-Capital-Fonds der Raiffeisen Bank International (RBI), einen neuen Investor. Die Beteiligung soll insbesondere die Expansion des Unternehmens in Mittel- und Osteuropa beschleunigen. Rivero entwickelt KI-gestützte Software, mit der Banken und Zahlungsdienstleister komplexe Prozesse im Zahlungsverkehr automatisieren können. Die Höhe des Investments wurde nicht bekannt gegeben.

Für Rivero ist der Einstieg vor allem strategisch relevant. Über Elevator Ventures erhält das Unternehmen Zugang zu einem Investor mit Erfahrung im europäischen Bankensektor und einem Netzwerk in den Märkten Mittel- und Osteuropas. Die Beteiligung knüpft an die bisherige Wachstumsstrategie des Schweizer FinTechs nach seiner Series-A-Finanzierung an. Rivero will seine Technologie weiterentwickeln und zusätzliche Banken sowie Finanzinstitute in Europa als Kunden gewinnen.

KI soll komplexe Zahlungsprozesse automatisieren

Rivero zielt auf einen Bereich des Bankgeschäfts, der für Endkunden häufig unsichtbar bleibt, für Finanzinstitute aber erheblichen administrativen Aufwand verursacht. Im Zahlungsverkehr müssen Banken zahlreiche regulatorische Anforderungen, Vorgaben von Kartennetzwerken sowie Prozesse rund um Reklamationen, Betrugsfälle und Rückbuchungen bewältigen.

Viele dieser Abläufe sind komplex, personalintensiv und teilweise weiterhin von manueller Bearbeitung geprägt. Rivero entwickelt Software, die diese Prozesse durch Automatisierung und Künstliche Intelligenz vereinfachen soll. Statt einzelne Arbeitsschritte isoliert zu digitalisieren, sollen Informationen zentral verfügbar gemacht und wiederkehrende Aufgaben automatisiert werden. Das Unternehmen bietet dafür zwei spezialisierte Plattformen an: Kajo für die Einhaltung von Zahlungsnetzwerkvorgaben und Amiko für die Bearbeitung von Zahlungsstreitfällen und Betrugsfällen.

Kajo automatisiert Compliance-Anforderungen

Mit Kajo adressiert Rivero die Einhaltung der Regeln und Anforderungen von Zahlungsnetzwerken. Banken und Zahlungsdienstleister müssen regelmäßig Änderungen an technischen Vorgaben, Verfahren und Compliance-Anforderungen berücksichtigen. Diese Informationen liegen häufig in unterschiedlichen Dokumenten und Mitteilungen vor.

Kajo soll entsprechende Aktualisierungen automatisch verteilen, den Überblick über relevante Anforderungen verbessern und fragmentierte Dokumentationen in eine KI-gestützte Wissensplattform überführen. Damit können Finanzinstitute relevante Vorgaben zentral recherchieren und Änderungen strukturierter in ihre bestehenden Abläufe integrieren. Für Banken ist das deshalb relevant, weil die Einhaltung solcher Anforderungen laufend personelle und technische Ressourcen bindet.

Amiko bringt agentische KI in die Reklamationsbearbeitung

Die zweite Plattform, Amiko, konzentriert sich auf das Dispute Management und die Rückgewinnung von Geldern nach Betrugsfällen. Wenn Kunden eine Kartenzahlung reklamieren oder eine Transaktion als betrügerisch melden, entstehen bei Finanzinstituten häufig mehrstufige Bearbeitungsprozesse.

Amiko setzt hier auf agentische KI, um Fälle automatisch zu kategorisieren, geeignete nächste Schritte vorzuschlagen und wiederkehrende Abläufe von der ersten Meldung bis zum Abschluss zu automatisieren. Bei komplexeren Sachverhalten soll die Software menschliche Sachbearbeiter unterstützen, statt deren Entscheidungen vollständig zu ersetzen. Rivero verspricht sich davon kürzere Bearbeitungszeiten, geringeren operativen Aufwand und eine schnellere Rückgewinnung von Geldern.

Elevator Ventures öffnet Zugang zu Mittel- und Osteuropa

Mit Elevator Ventures gewinnt Rivero einen Investor, dessen strategischer Wert insbesondere im regionalen Netzwerk liegt. Der Corporate-Venture-Capital-Fonds der Raiffeisen Bank International verfügt über Erfahrung mit Technologieunternehmen, die Lösungen für Banken und Finanzdienstleister entwickeln.

Rivero will diese Expertise nutzen, um seine Marktpräsenz über die bestehenden europäischen Kundenbeziehungen hinaus auszubauen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Central and Eastern Europe (CEE).

Wir wollen Investoren an Bord haben, die sowohl die Komplexität des Bankgeschäfts als auch die Märkte verstehen, in denen wir tätig sind.

Thomas Müller, CEO von Rivero

Das Netzwerk von Elevator Ventures in Mittel- und Osteuropa mache den Investor zu einem besonders relevanten strategischen Partner. Auch Maximilian Schausberger, Managing Director von Elevator Ventures, sieht eine enge Verbindung zwischen der Technologie von Rivero und den Anforderungen europäischer Finanzinstitute.

Wachstum nach der Series A

Die neue Beteiligung folgt auf Riveros bisherige Series-A-Finanzierung. Angaben zur Höhe der aktuellen Investition oder zur Bewertung des Unternehmens enthält die Mitteilung nicht. Ebenso wenig wurden konkrete neue Kundenverträge oder eine unmittelbare operative Zusammenarbeit mit einzelnen Banken der RBI-Gruppe angekündigt.

Fest steht, dass Rivero die zusätzliche Partnerschaft nutzen will, um seine Produktentwicklung fortzusetzen und die Beziehungen zu europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern auszubauen. Für den Investor wiederum bietet die Beteiligung Zugang zu einem Unternehmen, das auf die Automatisierung eines besonders spezialisierten Bereichs der Finanzinfrastruktur setzt.

Der Markt liegt auch hinter den Kulissen

Während viele FinTechs direkt um Endkunden konkurrieren, konzentriert sich Rivero auf die operative Infrastruktur bestehender Finanzinstitute. Das Geschäftsmodell setzt damit auf eine andere Entwicklung im Bankensektor: Nicht nur die digitalen Kundenschnittstellen verändern sich, sondern zunehmend auch die internen Prozesse, mit denen Banken ihre Dienstleistungen überhaupt erbringen.

In regulierten Bereichen wie Compliance und Zahlungsreklamationen ist der Automatisierungsbedarf groß. Gleichzeitig sind die Anforderungen an Datenqualität, Nachvollziehbarkeit und Kontrollmechanismen hoch. Hier könnte die Spezialisierung von Rivero ein Vorteil sein. Die Plattformen adressieren klar definierte Aufgaben im Zahlungsverkehr, statt eine allgemeine KI-Lösung für sämtliche Bankprozesse anzubieten.


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