Obsero erhält 1,2 Millionen Dollar für Markenoptimierung in der AI Search
Das Londoner MarTech-Startup Obsero hat eine Seed-Finanzierung über 1,2 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom britischen Investor SFC Capital. Neben Business Angels und weiteren privaten Investoren beteiligen sich auch mehrere Kunden des Unternehmens. Obsero entwickelt eine Plattform, mit der Marken ihre Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten analysieren und verbessern können. Das frische Kapital soll insbesondere in die Entwicklung spezialisierter KI-Agenten und den Ausbau des Teams fließen.
Mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Assistenten verändert sich auch die Art, wie Verbraucher nach Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen suchen. Statt ausschließlich klassische Suchergebnisse aufzurufen, lassen sich Nutzer zunehmend direkte Empfehlungen von Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity geben.
Für Unternehmen entsteht dadurch eine zusätzliche Herausforderung. Ihre Marken müssen nicht nur in Suchmaschinen gefunden werden, sondern auch in den Antworten generativer KI-Systeme vorkommen.
Neue Anforderungen an die digitale Sichtbarkeit
Während sich klassische Suchmaschinenoptimierung vor allem mit der Platzierung von Webseiten in Suchergebnissen beschäftigt, rückt bei KI-basierten Suchsystemen die Erwähnung innerhalb einer generierten Antwort in den Mittelpunkt. Dabei können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Neben den eigenen Unternehmenswebseiten berücksichtigen KI-Systeme beispielsweise Informationen aus externen Quellen, Bewertungen oder redaktionellen Veröffentlichungen.
Für Marketingabteilungen ist häufig schwer nachvollziehbar, welche Quellen von den jeweiligen Systemen herangezogen werden und warum bestimmte Marken empfohlen werden, während andere unberücksichtigt bleiben. Obsero will diese Informationslücke schließen und Unternehmen eine systematische Analyse ihrer Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten ermöglichen.
Mehr als zehn Millionen KI-Antworten analysiert
Nach eigenen Angaben hat Obsero innerhalb seines ersten Geschäftsjahres mehr als zehn Millionen KI-generierte Antworten erfasst und untersucht. Die Plattform analysiert unter anderem, wie häufig bestimmte Marken genannt werden, in welchem Zusammenhang sie erscheinen und welche Informationsquellen ihre Sichtbarkeit beeinflussen.
Zum Kundenkreis gehören die britische Digitalbank Zopa Bank und der Finanzdienstleister Pepperstone. Darüber hinaus arbeitet Obsero mit Agenturpartnern wie IDHL und Silverbean zusammen.
Das Unternehmen kombiniert seine eigene Analyseplattform bislang mit Beratungsleistungen eines spezialisierten Teams. Auf dieser Grundlage sollen Kunden besser nachvollziehen können, welche Maßnahmen ihre Präsenz in KI-basierten Such- und Empfehlungssystemen beeinflussen.
KI-Agenten sollen Marketingmaßnahmen automatisieren
Mit der neuen Finanzierung will Obsero sein Geschäftsmodell stärker auf skalierbare Softwareprodukte ausrichten. Geplant ist die Entwicklung spezialisierter KI-Agenten, die auf den Erkenntnissen aus der bisherigen Kundenarbeit aufbauen.
Diese Agenten sollen nicht nur die Sichtbarkeit einer Marke analysieren, sondern auch konkrete Optimierungsmöglichkeiten erkennen und Marketingteams bei der Umsetzung unterstützen. Dafür nutzt Obsero einen eigenen Ansatz zur Generative Engine Optimization, kurz GEO.
Der Begriff beschreibt Maßnahmen, die darauf abzielen, Inhalte und digitale Markenpräsenz für die Verarbeitung und Erwähnung durch generative KI-Systeme zu optimieren. Nach Unternehmensangaben wurden die zugrunde liegenden Methoden während eines Jahres praktischer Kundenarbeit entwickelt. Die geplanten KI-Agenten sollen dieses Wissen in standardisierte Softwarefunktionen übertragen. Damit will Obsero über klassische Analyse-Dashboards hinausgehen und stärker in die operative Arbeit von Marketingabteilungen eingebunden werden.
Gründer bringen Erfahrung aus SEO und Performance-Marketing mit
Gegründet wurde Obsero von Mike Logue und Andy Francos, die sich 2019 bei der IG Group kennengelernt haben. Logue ist CEO des Unternehmens und war zuvor unter anderem im internationalen Performance-Marketing tätig. Bei der IG Group verantwortete er nach Unternehmensangaben ein Medienbudget von rund 50 Millionen britischen Pfund. Später arbeitete er als Vice President Growth beim FinTech-Unternehmen tastytrade in Chicago.
Mitgründer und Chief Product Officer Andy Francos verfügt über langjährige Erfahrung in der Suchmaschinenoptimierung. Er betreute unter anderem den Kunden Procter & Gamble bei Starcom und war als Gründungsmitglied des Marketingteams für den organischen Suchkanal des britischen Online-Autohändlers Cazoo verantwortlich. Nach Unternehmensangaben generierte dieser Kanal während seiner dreijährigen Tätigkeit Umsätze von 252 Millionen britischen Pfund. Bei der IG Group leitete Francos zudem ein rund 20-köpfiges SEO-Team.
Die beiden Gründer wollen ihre Erfahrungen aus klassischer Suchmaschinenoptimierung und datengetriebenem Marketing auf die Anforderungen generativer KI-Systeme übertragen.
Auch bestehende Kunden investieren
Eine Besonderheit der Finanzierungsrunde ist die Beteiligung mehrerer Obsero-Kunden. Neben SFC Capital investieren Privatinvestoren und erfahrene Business Angels in das Unternehmen. Welche Kunden sich konkret beteiligt haben und wie hoch ihre jeweiligen Investments ausfallen, wird nicht genannt.
Für CEO Mike Logue jedoch ist die Beteiligung bestehender Kunden ein Signal für das Vertrauen in die bisherige Produktentwicklung.
Lead-Investor SFC Capital sieht insbesondere in der Verbindung aus eigener Technologie, spezialisierten Beratungsleistungen und der geplanten Automatisierung einen Ansatz für weiteres Wachstum. Ed Stevenson, Fund Principal bei SFC Capital, verweist darauf, dass KI-Assistenten zunehmend eine wichtige Rolle bei der digitalen Informationssuche einnehmen.
Engineering-Team soll mehr als verdoppelt werden
Das neue Kapital fließt vor allem in die Produktentwicklung und die kommerzielle Expansion. Obsero plant, sein Engineering-Team mehr als zu verdoppeln. Gleichzeitig sollen die Vertriebs- und Markteinführungsaktivitäten ausgebaut werden.
Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der ersten spezialisierten KI-Agenten, mit denen das Unternehmen seine bisher überwiegend beratungsunterstützten Leistungen stärker automatisieren möchte. Angaben zum bisherigen Umsatz, zur Gesamtzahl der Kunden oder zur aktuellen Mitarbeiterzahl enthält die Mitteilung nicht.
AI Search entwickelt sich zum neuen MarTech-Markt
Mit seiner Finanzierung positioniert sich Obsero in einem jungen Markt für die Analyse und Optimierung von Markenpräsenz in generativen KI-Systemen.
Für Unternehmen wird zunehmend relevant, ob ihre Produkte und Dienstleistungen in KI-Antworten erscheinen und wie zuverlässig die dabei vermittelten Informationen sind. Dabei steht es aktuell noch in der Diskussion, ob man seine Unternehmensdaten überhaupt auf GEO optimieren muss, oder ob gutes SEO reicht.
Allerdings lässt sich die Erwähnung einer Marke durch generative KI auch nicht garantieren. Antworten können je nach System, Anfrage und Zeitpunkt unterschiedlich ausfallen. Obsero setzt deshalb auf die fortlaufende Auswertung großer Mengen von KI-Antworten und die Ableitung datenbasierter Handlungsempfehlungen.
Mit den 1,2 Millionen US-Dollar will das Londoner Startup nun den Übergang von einer Kombination aus Software und Beratung zu einem stärker automatisierten Produktangebot beschleunigen.

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