MintNeuro erhält 5 Millionen Dollar für spezialisierte Neurochips
Das britische DeepTech-Unternehmen MintNeuro hat eine Finanzierungsrunde über 5 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Odyssey Ventures. Zu den weiteren Investoren gehören JSK Investments, 33East und Alumni Ventures. Das Spin-off des Imperial College London entwickelt spezialisierte Halbleiter für Neurotechnologie, darunter Gehirnimplantate und tragbare medizinische Geräte. Mit dem Kapital will MintNeuro die Kommerzialisierung vorantreiben und insbesondere seine Präsenz in den USA ausbauen.
An der Finanzierung beteiligen sich neben den neuen Investoren auch bestehende Kapitalgeber wie Empirical Ventures und Jumpspace Ventures. Die Runde vereint damit Investoren aus Europa und den Vereinigten Staaten mit Schwerpunkten auf DeepTech, Medizintechnik und Frühphasenfinanzierungen.
Für MintNeuro markiert die Kapitalaufnahme den nächsten Schritt auf dem Weg vom Forschungsprojekt zum kommerziellen Halbleiteranbieter. Das Unternehmen liefert bereits funktionsfähige Chips an Entwicklungspartner und hat erste kommerzielle Vereinbarungen abgeschlossen.
Spezialisierte Halbleiter für die Neurotechnologie
MintNeuro entwickelt eine modulare Halbleiterplattform für Geräte, die elektrische Signale des Nervensystems erfassen, verarbeiten oder gezielt elektrische Impulse abgeben.
Solche Technologien bilden die Grundlage für unterschiedliche neurotechnologische Anwendungen. Dazu gehören beispielsweise implantierbare Systeme zur elektrischen Stimulation sowie tragbare Geräte zur Überwachung und Analyse neuronaler Signale.
Die technischen Anforderungen unterscheiden sich dabei deutlich von denen herkömmlicher Elektronik. Gerade bei Implantaten sind ein geringer Energieverbrauch, kompakte Abmessungen, hohe Signalqualität und ein zuverlässiger Betrieb besonders wichtig.
Die Entwicklung geeigneter Chips stellt deshalb eine wesentliche Herausforderung für Hersteller neurotechnologischer Geräte dar.
MintNeuro will diese Lücke mit einer spezialisierten Halbleiterplattform schließen. Statt für jedes neue Gerät eine vollständig eigene Chiparchitektur entwickeln zu müssen, sollen Hersteller auf bestehende technische Komponenten zurückgreifen können.
Das könnte Entwicklungszeiten verkürzen und die Integration neuer Funktionen erleichtern.
Vom Forschungsprojekt zum kommerziellen Zulieferer
MintNeuro ist aus dem Imperial College London hervorgegangen und hat seinen Sitz in London. Das Unternehmen wird von Mitgründer und CEO Dorian Haci geführt.
Nach Unternehmensangaben befinden sich bereits funktionsfähige Chips im Einsatz bei Entwicklungspartnern. Mehrere Hersteller neurotechnologischer Geräte und Forschungsteams testen die Technologie oder integrieren sie in ihre Systeme.
Zu den genannten Partnern gehören Motif Neurotech und Amber Therapeutics.
Besonders relevant ist die Zusammenarbeit mit Motif Neurotech. MintNeuro hat in diesem Jahr eine mehrjährige Vereinbarung zur Lieferung von Halbleitern für einen minimalinvasiven Neurostimulator abgeschlossen.
Das von Motif entwickelte System richtet sich zunächst an die Behandlung therapieresistenter Depressionen.
Damit verfügt MintNeuro nach eigenen Angaben über einen ersten längerfristigen kommerziellen Liefervertrag. Angaben zum Auftragsvolumen, zu den vereinbarten Stückzahlen oder zum Umsatz macht das Unternehmen nicht.
Einsatzmöglichkeiten bei neurologischen Erkrankungen
Neurotechnologische Geräte werden für verschiedene medizinische Anwendungen entwickelt. Dazu zählen unter anderem Systeme zur Behandlung von Parkinson, Epilepsie oder Depressionen sowie Technologien im Zusammenhang mit Hörverlust.
Je nach Anwendung können solche Geräte neuronale Signale aufzeichnen, analysieren oder bestimmte Bereiche des Nervensystems elektrisch stimulieren.
Die Halbleiter von MintNeuro sollen dabei eine technische Grundlage für die Entwicklung kompakterer und energieeffizienterer Systeme bilden.
Das Unternehmen selbst entwickelt somit vor allem Komponenten für Gerätehersteller und nicht die vollständigen medizinischen Behandlungssysteme.
Diese Positionierung als spezialisierter Zulieferer eröffnet MintNeuro die Möglichkeit, mehrere Hersteller und unterschiedliche medizinische Anwendungen mit derselben technologischen Plattform zu bedienen.
Ob und in welchem Umfang die Chips später in zugelassenen Medizinprodukten eingesetzt werden, hängt allerdings auch von der weiteren Entwicklung und regulatorischen Zulassung der jeweiligen Endgeräte ab.
JSK Investments beteiligt sich an der Finanzierungsrunde
Zu den neuen Investoren gehört JSK Investments SICAV aus Prag. Der Investmentfonds beteiligt sich über seinen Venture-Capital-Bereich an der Finanzierung.
Petra Cihlářová, Investment Director bei JSK Investments, sieht insbesondere die technische Umsetzung als entscheidenden Faktor für die Investitionsentscheidung.
MintNeuro verfüge bereits über funktionsfähige Chips, ein erfahrenes Entwicklungsteam und einen ersten langfristigen kommerziellen Vertrag. Damit habe das Unternehmen wichtige Voraussetzungen für die weitere Markterschließung geschaffen.
Auch Simona Kijonková, Vorsitzende des Verwaltungsrats und Chief Investment Officer von JSK Investments, verweist auf das Potenzial der Technologie für die medizinische Versorgung.
Aus Sicht des Investors könnten spezialisierte Halbleiter dazu beitragen, neurotechnologische Entwicklungen schneller aus der Forschung in die praktische Anwendung zu überführen.
Expansion in die USA geplant
Mit den zusätzlichen 5 Millionen US-Dollar will MintNeuro seine Produkte stärker in den Markt bringen und die Lieferung von Vorserienchips an Entwicklungspartner ausweiten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Aktivitäten in den Vereinigten Staaten. Dort arbeitet das Unternehmen bereits mit Partnern aus der Neurotechnologie zusammen.
JSK Investments soll MintNeuro dabei nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch Kontakte und Erfahrungen aus dem europäischen und amerikanischen Gesundheits- und Technologiemarkt einbringen.
CEO Dorian Haci sieht insbesondere das internationale Netzwerk des neuen Investors als Unterstützung für die nächste kommerzielle Wachstumsphase.
Halbleiter als Grundlage neuer Medizintechnik
Mit seiner modularen Chipplattform positioniert sich MintNeuro an einer wichtigen Schnittstelle zwischen Halbleiterentwicklung und Medizintechnik.
Während Hersteller neurotechnologischer Geräte an neuen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten arbeiten, konzentriert sich das Londoner Unternehmen auf die dafür benötigte Hardware.
Die abgeschlossene Finanzierungsrunde soll nun helfen, aus ersten Entwicklungsprojekten und Liefervereinbarungen ein skalierbares Zuliefergeschäft aufzubauen.
Mit funktionsfähigen Chips, mehreren Entwicklungspartnern und einem mehrjährigen Liefervertrag hat MintNeuro nach eigenen Angaben bereits erste Schritte in Richtung Kommerzialisierung erreicht. Die nächste Herausforderung besteht darin, die Produktion auszuweiten und weitere Gerätehersteller als langfristige Kunden zu gewinnen.

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