Series-A

Procuros erhält 20 Millionen Euro in Series A

XAnge führt die Series A des Hamburger Softwareunternehmens an. W23 steigt neu ein, Point Nine, Creandum und b2venture investieren erneut.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Hamburg, 06. Oktober 2026

Das Hamburger Softwareunternehmen Procuros hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 20 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom französisch-deutschen Investor XAnge. W23 steigt als neuer Investor ein, während sich die bestehenden Kapitalgeber Point Nine, Creandum und b2venture erneut beteiligen. Mit dem Kapital will Procuros seine KI-native Plattform für die Vernetzung von Lieferketten weiterentwickeln und die Expansion in Europa und den USA vorantreiben.

Mehr als 300 Unternehmen nutzen Procuros nach eigenen Angaben bereits. Dazu gehören Breuninger, Chefs Culinar, KoRo, flaconi, The Quality Group mit der Marke ESN und Hitschler. Über die Plattform wird mittlerweile ein jährliches Bestellvolumen von mehr als 3 Milliarden Euro abgewickelt.

Eine Schnittstelle statt zahlreicher Einzelintegrationen

Procuros setzt bei einem grundlegenden Problem des B2B-Handels an. Zwischen Herstellern, Lieferanten und Händlern müssen täglich große Mengen an Bestellungen, Lieferavisen, Rechnungen und weiteren Dokumenten ausgetauscht werden.

Die dafür verwendete Infrastruktur ist häufig fragmentiert. Klassische EDI-Systeme erfordern beispielsweise individuelle technische Anbindungen zwischen Handelspartnern. Andere Dokumente erreichen Unternehmen weiterhin als PDF oder Tabelle.

Das führt dazu, dass Mitarbeiter Daten manuell übertragen, fehlende Dokumente anfordern, Fehler korrigieren oder Sonderfälle bearbeiten müssen. Die Anbindung neuer Geschäftspartner kann dadurch zusätzliche IT-Ressourcen binden.

Procuros will diese Einzelintegrationen durch eine zentrale Infrastruktur ersetzen.

Einmal anbinden, mit vielen Partnern kommunizieren

Unternehmen verbinden ihre Systeme einmal mit Procuros und sollen anschließend Daten mit unterschiedlichen Handelspartnern austauschen können – unabhängig davon, welche Systeme oder Datenformate diese verwenden.

Die Plattform übernimmt die Harmonisierung und Prüfung der Informationen. Dadurch soll für einen neu hinzukommenden Handelspartner nicht jedes Mal eine vollständig neue Integration entwickelt werden müssen.

Für Unternehmen kann das insbesondere dann relevant werden, wenn sie mit Hunderten oder Tausenden Lieferanten und Kunden über unterschiedliche technische Systeme kommunizieren.

Das Netzwerk aus mittlerweile mehr als 300 Unternehmen bildet dabei einen wesentlichen Bestandteil des Geschäftsmodells: Mit jedem zusätzlich angebundenen Unternehmen steigt grundsätzlich die Zahl möglicher Verbindungen innerhalb der Infrastruktur.

Grundlage für KI-Agenten

Mit der Series A rückt Procuros zunehmend einen weiteren Anwendungsfall in den Mittelpunkt: autonome KI-Agenten.

Damit KI-Systeme beispielsweise Bestellungen bearbeiten, Informationen zwischen Unternehmen austauschen oder weitere Prozesse innerhalb einer Lieferkette übernehmen können, benötigen sie strukturierte und zuverlässige Daten.

Genau diese Grundlage will Procuros bereitstellen.

„KI-Agenten sind nur so gut wie die Infrastruktur, auf der sie aufbauen“, erklärt CEO und Mitgründer Patrick Thelen. Ziel sei es, Händler, Lieferanten und KI-Systeme über eine gemeinsame Infrastruktur miteinander zu verbinden.

Der Begriff des „autonomen Handels“ beschreibt dabei vorerst die angestrebte Entwicklung. Welche Prozesse bereits heute vollständig ohne menschliche Eingriffe über KI-Agenten abgewickelt werden und in welchem Umfang, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Mehr als 3 Milliarden Euro Bestellvolumen

Die bisherigen Kennzahlen zeigen allerdings, dass Procuros bereits eine relevante Transaktionsbasis aufgebaut hat.

Über die Plattform läuft nach Unternehmensangaben ein jährliches Bestellvolumen von mehr als 3 Milliarden Euro. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus Handel, Lebensmittelindustrie und Konsumgütergeschäft.

Mit Breuninger, Chefs Culinar, KoRo, flaconi, The Quality Group und Hitschler nennt Procuros dabei mehrere bekannte Referenzkunden aus der DACH-Region.

Die Series A soll nun insbesondere dazu dienen, dieses Netzwerk geografisch auszuweiten.

Expansion nach Europa und in die USA

Neben der Weiterentwicklung der Technologie plant Procuros eine stärkere Expansion in Europa und den USA. Das Unternehmen will zusätzliche Händler und Lieferanten anbinden und damit die Grundlage für grenzüberschreitend automatisierte Prozesse schaffen.

Für Investor XAnge ist insbesondere die bisherige Skalierung in der DACH-Region ausschlaggebend. Nun soll das Modell auf weitere Märkte übertragen werden.

Damit steht Procuros nach der Series A vor zwei parallelen Aufgaben: Zum einen muss das Unternehmen sein bestehendes Integrationsnetzwerk international ausbauen. Zum anderen soll aus der bereits vorhandenen Dateninfrastruktur zunehmend eine Ausführungsebene für KI-Agenten entstehen.

Mit mehr als 300 angebundenen Unternehmen und über 3 Milliarden Euro jährlichem Bestellvolumen verfügt Procuros dafür bereits über eine operative Basis. Ob daraus tatsächlich weitgehend autonome B2B-Lieferketten entstehen, dürfte nun wesentlich davon abhängen, welche Transaktionen KI-Agenten künftig zuverlässig und ohne manuelle Zwischenschritte übernehmen können.


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