Everphone refinanziert 15 Millionen Euro mit Commerzbank und KfW
Das Berliner Device-as-a-Service-Unternehmen Everphone hat die Finanzierung seines Geräteinventars vorzeitig neu aufgestellt. Commerzbank und KfW stellen dem Unternehmen dafür insgesamt 15 Millionen Euro zur Verfügung. Erstmals erfolgt die Finanzierung nicht auf Basis einzelner Gerätepools, sondern als Corporate Loan über die Bonität des Unternehmens. Gleichzeitig sinkt die Zinsmarge gegenüber der bisherigen Finanzierung um 20 Basispunkte.
Mit dem Kapital finanziert Everphone den Einkauf neuer Smartphones, Laptops, Tablets und weiterer Arbeitsplatzgeräte. Diese werden anschließend im Rahmen langfristiger Device-as-a-Service-Verträge an Unternehmen vermietet und von deren Mitarbeitern genutzt.
Erstmals Finanzierung über Unternehmensbonität
Der Wechsel der Finanzierungsstruktur ist für Everphone ein wichtiger Schritt. Bislang setzte das Unternehmen bei der Finanzierung seines Gerätebestands auf Asset-based Financing. Dabei dienen die finanzierten Geräte beziehungsweise Gerätepools als Grundlage der Finanzierung. Der neue Corporate Loan setzt dagegen auf die Bonität des Unternehmens.
Für ein Geschäftsmodell wie das von Everphone ist der Zugang zu Fremdkapital von besonderer Bedeutung. Das Unternehmen muss Geräte zunächst einkaufen, bevor die Anschaffungskosten über die laufenden Mietzahlungen der Kunden zurückfließen. Je stärker das Geschäft wächst, desto größer wird entsprechend auch der Kapitalbedarf für den Gerätebestand.
Commerzbank und KfW stellen 15 Millionen Euro bereit
Die neue Finanzierung wird gemeinsam von der Commerzbank und der staatlichen Förderbank KfW bereitgestellt. Mit der Commerzbank arbeitet Everphone nach eigenen Angaben bereits seit zehn Jahren zusammen. Das Institut fungiert zugleich als Hausbank des Unternehmens.
Gerade in der Wachstumsphase brauchen Scale-ups Finanzierungslösungen, die Tempo und Planbarkeit verbinden.
Jochen Eichmann, Head of Venture Tech Growth Financing bei der KfW
Die KfW beteiligt sich über ihr Venture Tech Growth Financing. Bereits 2023 beziehungsweise 2024 war die Förderbank an einer Finanzierung von Everphone beteiligt. Für die KfW ist es damit das zweite Finanzierungsengagement bei dem Berliner Unternehmen.
Niedrigere Finanzierungskosten verbessern Unit Economics
Neben der neuen Struktur sind für Everphone vor allem die Konditionen relevant. Die Zinsmarge liegt nach Unternehmensangaben 20 Basispunkte unter der bisherigen Finanzierung.
Bei einem Device-as-a-Service-Modell wirken sich Finanzierungskosten unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit der einzelnen vermieteten Geräte aus. Je günstiger Everphone Smartphones, Laptops und andere Hardware finanzieren kann, desto niedriger fallen die Kapitalkosten über die jeweilige Mietdauer aus.
CFO Veronika von Heise-Rotenburg bezeichnet die neue Struktur deshalb als bislang größten Schritt bei der Finanzierung des Geräteinventars. Das Corporate-Finance-Team habe in den vergangenen Jahren mehrere Fazilitäten aufgebaut und dabei die Zinsmarge schrittweise reduziert.
Die neuen Konditionen sollen Everphone außerdem größere Einkaufsvolumina ermöglichen. Dadurch könnten wiederum niedrigere Stückkosten beim Geräteeinkauf erzielt werden. Das gilt unter anderem für Austauschgeräte, die das Unternehmen seinen Kunden bei Defekten kostenfrei zur Verfügung stellt.
Everphone meldet erstmals positives EBT
Parallel zur Refinanzierung meldet Everphone einen weiteren finanziellen Meilenstein. Im August 2026 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben erstmals ein positives Ergebnis vor Steuern, kurz EBT, erreicht. Die günstigeren Finanzierungskonditionen hätten zu dieser Entwicklung beigetragen. Konkrete Angaben zur Höhe des Ergebnisses oder zur aktuellen Umsatzentwicklung macht Everphone in der Mitteilung allerdings nicht.
Ein einzelner EBT-positiver Monat ist zudem noch nicht mit einer nachhaltigen Profitabilität über ein vollständiges Geschäftsjahr gleichzusetzen. Für ein kapitalintensives Geschäftsmodell ist der Schritt dennoch relevant.
Fremdkapitalkosten werden zum Wachstumsfaktor
Die neue Finanzierung zeigt zugleich eine Besonderheit des Device-as-a-Service-Modells: Wachstum hängt nicht ausschließlich von zusätzlichen Kunden ab, sondern auch davon, zu welchen Konditionen das dafür benötigte Geräteinventar finanziert werden kann.
Für Everphone bedeutet der Wechsel zum Corporate Loan deshalb mehr als zusätzliche Liquidität für neue Hardware. Die Finanzierung über die Unternehmensbonität und die gleichzeitig niedrigere Zinsmarge können den Spielraum für weiteres Wachstum erhöhen. Entscheidend wird nun sein, ob Everphone den im August erstmals erreichten positiven EBT auch über einen längeren Zeitraum bestätigen kann. Die neue 15-Millionen-Euro-Finanzierung schafft dafür zumindest günstigere Voraussetzungen auf der Kostenseite.

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