Polarise sichert sich Fremdkapitalfinanzierung in hoher zweistelliger Millionenhöhe für europäische AI Cloud
Der Düsseldorfer KI Infrastruktur Anbieter Polarise hat sich eine weitere Fremdkapitalfinanzierung von bis zu einem hohen zweistelligen Millionen Euro Betrag gesichert. Kapitalgeber ist die SWI Stoneweg Icona Group. Mit den zusätzlichen Mitteln will Polarise den Aufbau seiner europäischen AI Cloud und weiterer sogenannter AI Factories beschleunigen.
Interessant ist dabei auch die Struktur des Deals: Eine zuvor angekündigte Vereinbarung über eine mehrheitliche Eigenkapitalbeteiligung der SWI Group wird nicht umgesetzt. Stattdessen haben beide Unternehmen vereinbart, diese in eine Fremdkapitalfinanzierung zu überführen.
Europas wachsender Hunger nach KI Rechenleistung
Polarise positioniert sich in einem Markt, der durch den KI Boom erheblich an Bedeutung gewonnen hat. Unternehmen benötigen für Training, Entwicklung und Betrieb von KI Anwendungen immer größere GPU Kapazitäten. Gleichzeitig wächst in Europa der Wunsch, diese Rechenleistung nicht ausschließlich von den großen amerikanischen Hyperscalern zu beziehen.
Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als europäische AI Neo Cloud und stellt Hochleistungsrechenkapazitäten über eigene Rechenzentren sowie seine Cloud Plattform für GPU und AI as a Service bereit. Polarise ist dabei NVIDIA Cloud Partner und NVIDIA Cloud Service Provider.
CEO Michel Boutouil formuliert das Ziel entsprechend ambitioniert: "Unsere Wachstumsstrategie zielt darauf ab, die europäische KI Infrastruktur der Zukunft aufzubauen - mit nachhaltigen, hocheffizienten AI Factories und souveräner KI Rechenleistung für Unternehmen."
Rechenzentren sollen modular wachsen
Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie ist das sogenannte AI Pod Konzept. Statt ausschließlich neue Rechenzentren auf der grünen Wiese zu errichten, soll KI Infrastruktur modular in bestehende Gebäude integriert werden können. Polarise verspricht sich davon eine schnellere Umsetzung und einen geringeren Ressourcenbedarf gegenüber klassischen Greenfield Projekten.
Aktuell bietet das Unternehmen über Standorte in Oslo und München Zugang zu KI Rechenleistung. Weitere Standorte sollen folgen. Besonders groß sind die Pläne im bayerischen Amberg. Dort ist eine weitere AI Factory mit einer Anfangskapazität von 65 Megawatt geplant. Perspektivisch soll der Standort auf bis zu 120 Megawatt erweitert werden können.
Damit bewegt sich Polarise zunehmend in Dimensionen, die zeigen, wie kapital und energieintensiv der Aufbau einer europäischen KI Infrastruktur wird.
Aus Beteiligung wird Fremdkapital
Ursprünglich war eine mehrheitliche Eigenkapitalbeteiligung der SWI Group an Polarise angekündigt worden. Diese Vereinbarung wurde nun in eine Fremdkapitalfinanzierung überführt. Für Polarise bedeutet das, dass das Unternehmen zusätzliches Kapital für seine Expansion erhält, ohne dass die ursprünglich vorgesehene Mehrheitsbeteiligung in dieser Form umgesetzt wird.
Nach Angaben des Unternehmens soll die neue Struktur die Kapitalbasis stärken und zusätzliche Flexibilität für die weitere Wachstumsstrategie schaffen. Parallel prüft Polarise bereits weitere strategische und finanzielle Partnerschaften mit internationalen Investmentgesellschaften.
Wer finanziert Europas AI Factories?
Damit berührt die Finanzierung eine Frage, die für Europas KI Ambitionen immer wichtiger werden dürfte. Über souveräne KI wird inzwischen viel gesprochen. Doch leistungsfähige europäische KI Modelle und Anwendungen benötigen zunächst eines: massive Rechenkapazitäten.
Und deren Aufbau ist teuer. GPUs, Stromversorgung, Kühlung, Gebäude und Netzanbindung machen aus AI Factories Infrastrukturprojekte mit erheblichem Kapitalbedarf. Für europäische AI Cloud Anbieter wird deshalb nicht nur die Technologie zum Wettbewerbsfaktor, sondern zunehmend auch der Zugang zu langfristigem Kapital und geeigneten Standorten.
Polarise will genau in diese Lücke vorstoßen. Mit der neuen Fremdkapitalfinanzierung erhält das Unternehmen dafür zusätzliche Mittel. Entscheidend wird nun sein, wie schnell die angekündigten Kapazitäten tatsächlich aufgebaut und mit entsprechender Kundennachfrage ausgelastet werden können.

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