Venture Capital

LILY Labs verlässt den Stealth-Modus und sichert sich Finanzierung von Mätch VC

Das Startup von Milan Wiedemann und Leon Kaiser will den etablierten Cloud-Stack radikal vereinfachen. Die Höhe der Runde bleibt geheim.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Ludwigshafen, 11. August 2026

Das deutsche Cloud-Infrastruktur-Startup LILY hat eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen und macht seine Technologie erstmals öffentlich zugänglich. Als Investor steigt Mätch VC bei dem von Milan Wiedemann und Leon Kaiser aufgebauten Unternehmen ein. Über die Höhe der Finanzierungsrunde und eine mögliche Bewertung wurden bislang keine Angaben gemacht.

Mätch VC steigt bei LILY ein

Mit dem Investment will LILY die Entwicklung einer grundlegend anderen Cloud-Infrastruktur vorantreiben. Das Startup stellt dabei etablierte Bestandteile moderner Cloud-Architekturen infrage. Virtuelle Maschinen, Container, Kubernetes und umfangreiche Konfigurationen sollen weitgehend aus dem Softwarebetrieb verschwinden.

Mätch-VC-Investor Jan Beisswenger beschreibt das Ziel des Startups entsprechend ambitioniert: LILY wolle den Cloud-Stack neu aufbauen und dabei jene Komplexität entfernen, die sich über Jahre durch zusätzliche Infrastruktur-Layer angesammelt habe.

Parallel zur Bekanntgabe der Finanzierung hat LILY seine Plattform erstmals öffentlich verfügbar gemacht. Entwickler können damit zunächst unter anderem Next.js-Anwendungen deployen.

LILY will Cloud-Infrastruktur radikal vereinfachen

Technologisch positioniert sich LILY nicht als weiteres Werkzeug innerhalb bestehender Cloud-Architekturen. Stattdessen arbeitet die Plattform nach eigenen Angaben unterhalb der Container-Ebene und unmittelbar oberhalb der physischen Hardware.

Anwendungen laufen dabei als WebAssembly in einer isolierten Runtime. Einen klassischen Orchestrator, Scheduler oder Cluster soll es nicht geben. Skalierung, Monitoring, Routing und Wiederherstellung sollen weitgehend automatisiert erfolgen.

Damit will LILY insbesondere den operativen Aufwand reduzieren, der heute mit dem Betrieb moderner Software verbunden ist. Nach Angaben des Startups könne der Compute-Verbrauch gegenüber klassischen Architekturen um bis zu 90 Prozent reduziert werden. Dieser Wert ist eine Angabe des Unternehmens.

Skalierung soll automatisch erfolgen

Ein weiterer Ansatz betrifft die Skalierung von Anwendungen. LILY will nicht komplette Applikationen hochskalieren, sondern lediglich jene Bestandteile, die tatsächlich zusätzliche Kapazität benötigen. Nicht benötigte Programmteile sollen nicht dauerhaft im Arbeitsspeicher verbleiben. Auch bei Ausfällen setzt das Unternehmen auf Automatisierung. Fehlgeschlagene Einheiten sollen anhand ihres letzten gespeicherten Zustands wiederhergestellt werden können. Gleichzeitig sieht die Architektur redundante Abläufe auf unterschiedlichen Maschinen vor.

LILY verspricht Entwicklern damit eine Infrastruktur, bei der sich Teams stärker auf ihren eigentlichen Code konzentrieren können, während klassische Cloud-Aufgaben zunehmend im Hintergrund verschwinden.

Finanzierung trifft auf ersten öffentlichen Produktstart

Die Finanzierungsrunde markiert damit gleichzeitig den Übergang in die nächste Unternehmensphase. Mit der Beteiligung von Mätch VC im Rücken tritt LILY erstmals mit seinem Produkt an eine breitere Öffentlichkeit.

Wie viel Kapital das Startup eingesammelt hat und ob neben Mätch VC weitere Investoren beteiligt sind, wurde nicht bekannt gegeben. Klar ist dagegen die Stoßrichtung. LILY will nicht lediglich Kubernetes, Container oder bestehende Cloud-Angebote vereinfachen, sondern möglichst große Teile dieses Technologie-Stacks überflüssig machen.

Ob dieser Ansatz im Wettbewerb mit etablierten Cloud-Infrastrukturen bestehen kann, muss sich nun nach dem öffentlichen Launch zeigen. Für LILY beginnt mit Funding und Produktfreigabe jedenfalls die entscheidende Phase der Markterprobung.


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