Biotech

NRW.BANK beteiligt sich an Biotech-Startup Phagestack

Das Biotech-Startup aus Pulheim kombiniert Machine Learning und Bakteriophagen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen. Mit der Finanzierung wurde jetzt ein eigenes Labor in Köln eröffnet.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Düsseldorf, 09. September 2026

Die NRW.BANK beteiligt sich über ihr Programm NRW.SeedCon am Biotech-Startup Phagestack aus Pulheim. Das 2023 gegründete Unternehmen kombiniert Machine Learning, Datenbanken und Bakteriophagen, um gezielt antimikrobielle Wirkstoffe gegen bestimmte schädliche Bakterien zu entwickeln. Mit der Finanzierung hat Phagestack nun ein eigenes Labor im BioCampus Cologne eröffnet. Zur Höhe der Beteiligung wurden keine Angaben gemacht.

KI und Bakteriophagen gegen resistente Bakterien

Phagestack adressiert mit seiner Technologie die zunehmende Resistenz von Bakterien gegen klassische Antibiotika. Im Mittelpunkt stehen Bakteriophagen – Viren, die bestimmte Bakterien befallen und dadurch gezielt gegen diese eingesetzt werden können. Das Startup kombiniert biologische Wirkstoffe mit Datenbanken und Machine-Learning-Verfahren. Auf dieser Grundlage sollen geeignete Bakteriophagen und Zielstrukturen identifiziert und daraus antimikrobielle Lösungen entwickelt werden.

Der Ansatz unterscheidet sich damit von klassischen Breitbandantibiotika, die neben Krankheitserregern auch andere Bakterien treffen können. Phagestack will schädliche Bakterien möglichst präzise adressieren und gleichzeitig nützliche Bakterien sowie mikrobielle Ökosysteme schonen. Damit soll auch das Risiko reduziert werden, dass durch den Einsatz antimikrobieller Wirkstoffe weitere Resistenzen entstehen.

Eigenes Labor im BioCampus Cologne

Mit der Finanzierung durch die NRW.BANK erweitert Phagestack nun seine bisherigen digitalen Fähigkeiten um eigene Laborkapazitäten. Dafür hat das Unternehmen ein Labor im BioCampus Cologne eröffnet. Bislang liegt ein wesentlicher Teil des Ansatzes in der datenbasierten Identifikation potenzieller Wirkstoffe und Zielstrukturen. Im eigenen Nasslabor können entsprechende Kandidaten künftig auch direkt untersucht und validiert werden.

Indem wir unsere Algorithmen für künstliche Intelligenz und Datenbanken durch solide, praxisnahe Validierung im Nasslabor untermauern, können wir unseren Partnern umfassende Unterstützung bieten.

Ewald Fernbach, Geschäftsführer Phagestack

Das Angebot soll damit von der Identifizierung geeigneter Wirt-Erreger-Zielstrukturen bis zur Bereitstellung standardisierter Bakteriophagenpräparate reichen. Durch das eigene Labor erweitert das Startup gleichzeitig sein Dienstleistungsportfolio. Dazu gehören künftig die maßgeschneiderte Isolierung und Charakterisierung von Phagen sowie In-vitro-Screenings und genomische Verifizierungen.

Hinzu kommen Leistungen rund um die Herstellung biologischer Wirkstoffe. Phagestack kann damit mehrere Schritte der Entwicklungskette innerhalb des eigenen Unternehmens abbilden: von der daten- und KI-gestützten Suche nach Kandidaten über die biologische Untersuchung bis zur Validierung im Labor.

Anwendungen über die Medizin hinaus

Die Technologie ist dabei nicht ausschließlich für medizinische Anwendungen vorgesehen. Auch in der Aquakultur, Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion sieht Phagestack Einsatzmöglichkeiten. Überall dort, wo schädliche Bakterien bekämpft werden müssen, könnten spezialisierte Phagen eine Alternative oder Ergänzung zu konventionellen antimikrobiellen Verfahren darstellen.

Gerade der gezielte Ansatz ist für Phagestack entscheidend. Statt möglichst viele Bakterien gleichzeitig zu bekämpfen, sollen Wirkstoffe gegen spezifische unerwünschte Bakterien entwickelt werden.

NRW.BANK finanziert Aufbau der Laborkapazitäten

Die Beteiligung erfolgt über das Programm NRW.SeedCon der NRW.BANK. Die Finanzierung unterstützt insbesondere den Aufbau der neuen Laborkapazitäten. Eine konkrete Investitionssumme nennt die Förderbank nicht.

Phagestack verbindet künstliche Intelligenz mit eigener Laborforschung.

Antonie Tjaden-Schulte, Vorstandsmitglied NRW.BANK

Die Beteiligung solle laut Tjaden-Schulte dazu beitragen, den Ansatz weiterzuentwickeln und neue Lösungen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen voranzubringen. Zusätzliche Unterstützung erhält das Unternehmen aus dem regionalen Startup-Ökosystem sowie durch die Gateway Factory.

Vom Datenmodell zum eigenen Labor

Gegründet wurde Phagestack 2023 von Ewald Fernbach, Jonas Fernbach und Robert Faber. Mit dem eigenen Labor vollzieht das junge Unternehmen nun einen wichtigen Entwicklungsschritt. Für ein Biotech-Startup ist die Verbindung aus digitaler Wirkstoffsuche und eigener experimenteller Validierung besonders relevant. Denn erst im Labor lässt sich überprüfen, ob die von Algorithmen identifizierten Kandidaten tatsächlich die erwartete biologische Wirkung zeigen.

Phagestack versucht damit, zwei derzeit stark wachsende Bereiche miteinander zu verbinden: datengetriebene Wirkstoffentwicklung und Phagentherapie. Ob daraus skalierbare Produkte entstehen, wird wesentlich davon abhängen, wie erfolgreich das Startup seine digitalen Vorhersagen experimentell validieren und anschließend in standardisierte Anwendungen überführen kann.


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