Startup Factory

GOe FUTURE Startup Factory startet in Göttingen

20 Millionen Euro für mehr Life-Science-Startups. In Göttingen ist die GOe FUTURE Startup Factory offiziell gestartet. 15 Hochschulen und Forschungseinrichtungen bilden die Basis für ein neues Gründungsökosystem.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Göttingen, 08. September 2026

Mit einem offiziellen Kick-off ist die GOe FUTURE Startup Factory in Göttingen gestartet. Rund 150 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik kamen am 4. September im Forum Wissen zusammen. Die Initiative soll wissenschaftliche Forschung aus den Life Sciences systematischer in Gründungen überführen und Niedersachsen als Standort für Life-Science-Startups stärken. Dafür stehen bis Ende 2030 bis zu 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Eine von zehn geförderten Startup Factories

GOe FUTURE gehört zu den zehn Startup Factories, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt werden. Die Förderung läuft bereits seit dem 1. Januar 2026, mit der offiziellen Eröffnung folgte nun der öffentliche Startschuss.

Gemeinsam mit GOe-FUTURE-CEO Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg eröffneten Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Prof. Dr. Joachim Schachtner, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, sowie Prof. Dr. Andreas Zaby von der SPRIND GmbH die Startup Factory.

Aus den wissenschaftlichen Stärken der Region soll ein international vernetztes Ökosystem entstehen, das mehr Forschung in marktfähige Produkte und neue Unternehmen überführt.

Fokus ausschließlich auf Life Sciences

GOe FUTURE hebt sich dabei durch seine Spezialisierung von den anderen Startup Factories ab. Die Göttinger Initiative konzentriert sich auf die Life Sciences und damit auf einen Bereich, in dem wissenschaftliche Ausgründungen mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind. Lange Entwicklungszyklen, hohe technologische Risiken, regulatorische Anforderungen und ein erheblicher Kapitalbedarf machen den Weg von der wissenschaftlichen Erkenntnis zum skalierbaren Unternehmen häufig besonders anspruchsvoll.

GOe FUTURE entwickelt aus wissenschaftlichem Potenzial eine starke Pipeline für Life-Science-Gründungen – strukturiert, professionell und mit dem Ziel, dass daraus erfolgreiche Unternehmen entstehen.

Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg, CEO GOe FUTURE

Genau hier will GOe FUTURE ansetzen. Die Startup Factory begleitet Gründungsteams von der ersten Idee über die Entwicklung und Skalierung des Geschäftsmodells bis zur Kapitalbeschaffung.

15 Forschungseinrichtungen und 90.000 Studierende als Basis

Die wissenschaftliche Grundlage bildet das Forschungsdreieck Hannover, Göttingen und Braunschweig. Insgesamt 15 Hochschulen und Forschungseinrichtungen sollen in das Ökosystem eingebunden werden. An den beteiligten Einrichtungen studieren rund 90.000 Menschen. Etwa 20.000 davon sind den Life Sciences zuzuordnen. Dieses wissenschaftliche Potenzial soll künftig stärker für Ausgründungen und interdisziplinäre Startup-Projekte genutzt werden.

Die Startup Factory will dabei nicht bestehende Strukturen ersetzen. Stattdessen sollen vorhandene Angebote miteinander verbunden und gezielt um diejenigen Bausteine ergänzt werden, die bislang bei der Entwicklung von Life-Science-Startups fehlen.

Bis zu 20 Millionen Euro bis 2030

Für den Aufbau der Strukturen stehen zunächst bis Ende 2030 bis zu 20 Millionen Euro zur Verfügung. Die Finanzierung setzt sich jeweils zur Hälfte aus Bundesförderung und privaten Mitteln zusammen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Zugang zu privatem Kapital. Gerade Life-Science-Unternehmen benötigen aufgrund langer Forschungs- und Entwicklungsphasen häufig erhebliche Finanzierungsvolumina, bevor erste Produkte den Markt erreichen.

Dr. Ralf Amann, Mitgründer und CEO von Prime Vector Technologies, sieht darin einen wichtigen Ansatzpunkt. GOe FUTURE vernetze bestehende Kompetenzen, schließe Lücken und verbessere den Zugang zu privatem Kapital. Dies seien zentrale Voraussetzungen für erfolgreiche Life-Science-Gründungen.

Sartorius und erfahrene Gründer beim Kick-off

Beim offiziellen Start wurde gleichzeitig deutlich, dass GOe FUTURE Wissenschaft, etablierte Unternehmen, Investoren und Gründer enger miteinander verbinden will. Dr. Michael Grosse, CEO und Vorstandsvorsitzender von Sartorius, sprach über die Rolle des Konzerns im Göttinger Life-Science-Ökosystem.

An einer anschließenden Diskussion über die Zukunft von Innovation und Unternehmertum in den Life Sciences beteiligten sich unter anderem Tubulis-Mitgründer Dr. Dominik Schumacher, Prime-Vector-Technologies-Gründer Ralf Amann, Prof. Dr. Wolfgang Brück von der Universitätsmedizin Göttingen und Dr. Georg Schütte, Generalsekretär der VolkswagenStiftung.

Damit bringt die Initiative Akteure zusammen, die unterschiedliche Stationen auf dem Weg von wissenschaftlicher Forschung zu erfolgreichen Unternehmen repräsentieren.

Mehr Ausgründungen aus deutscher Spitzenforschung

Hinter GOe FUTURE steht letztlich eine Herausforderung, die weit über Niedersachsen hinausgeht: Deutschland verfügt über eine starke Forschungslandschaft, schafft es aber nicht immer, wissenschaftliche Erkenntnisse mit gleicher Konsequenz in international erfolgreiche Unternehmen zu überführen.

Gerade in den Life Sciences ist dieser Transfer besonders kapital- und zeitintensiv. Gleichzeitig können erfolgreiche Ausgründungen langfristig neue Wertschöpfung und hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Auch die Bundesregierung verbindet die Startup Factories deshalb mit wirtschaftspolitischen Zielen. Johannes Steiniger betonte beim Kick-off die Bedeutung der Lebenswissenschaften für Innovation und den Transfer von Forschung in die praktische Anwendung. Niedersachsens Wissenschaftsstaatssekretär Joachim Schachtner sieht insbesondere in Medizin, Medizintechnik und Ernährungswirtschaft Potenzial für zusätzliche Ausgründungen.

Göttingen will internationales Life-Science-Zentrum werden

Bis Ende 2030 muss GOe FUTURE nun zeigen, ob aus der vorhandenen wissenschaftlichen Stärke tatsächlich mehr erfolgreiche Unternehmen entstehen können. Die Ausgangslage ist vielversprechend: 15 Hochschulen und Forschungseinrichtungen, rund 20.000 Studierende in den Life Sciences, etablierte Unternehmen wie Sartorius sowie eine Finanzierung von bis zu 20 Millionen Euro bilden ein umfangreiches Fundament.

Entscheidend wird jedoch sein, wie viele wissenschaftliche Projekte den Sprung aus den Forschungseinrichtungen schaffen, privates Kapital gewinnen und sich anschließend als eigenständige Unternehmen etablieren können. Genau daran dürfte sich langfristig der Erfolg der neuen Startup Factory messen lassen.


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