SpaceTech

HyImpulse sichert sich über 50 Millionen Euro für europäische Raketenstarts

JOIN Capital und Ace Capital Partners führen eine Finanzierung über mehr als 50 Millionen Euro für HyImpulse an. Noch 2026 soll die SR75 erneut starten.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Neuenstadt am Kocher, 02. September 2026

Das deutsche SpaceTech-Unternehmen HyImpulse Technologies hat seine Series-A-Finanzierung um mehr als 50 Millionen Euro Eigenkapital erweitert. Die Runde wird von JOIN Capital und Ace Capital Partners gemeinsam angeführt. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine suborbitalen und orbitalen Raketenprogramme kommerzialisieren, die Produktion ausbauen und den nächsten Start seiner SR75 sowie den Erstflug der orbitalen Trägerrakete SL1 vorbereiten.

Insgesamt hat HyImpulse damit nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 125 Millionen Euro aus Eigenkapital und öffentlichen Fördermitteln erhalten. Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf ein Auftragsbuch von mehr als 350 Millionen Euro für seine suborbitalen und orbitalen Programme.

JOIN Capital und Ace Capital Partners führen die Runde an

Die Series-A-Erweiterung wird von JOIN Capital und Ace Capital Partners angeführt. Neu beteiligen sich zudem North Ventures, BW-Capital, Bayern Kapital und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Bestehende Gesellschafter wie Campus Founders Ventures investieren ebenfalls erneut.

Europa braucht souveräne, reaktionsfähige und wirtschaftlich nachhaltige Startkapazitäten.

Dr. Christian Schmierer, CEO und Co-Founder HyImpulse

Für HyImpulse beginnt damit die nächste Phase der Unternehmensentwicklung. Das Kapital soll nicht nur in die technologische Weiterentwicklung fließen, sondern insbesondere den Aufbau kommerzieller Startkapazitäten ermöglichen. Mit der eigenen Hybridantriebstechnologie und den suborbitalen sowie orbitalen Angeboten will HyImpulse die wachsende Nachfrage aus kommerziellen, institutionellen und militärischen Märkten bedienen.

Zweiter SR75-Start noch 2026 geplant

Ein wichtiger Meilenstein steht bereits bevor. Bis Ende 2026 plant HyImpulse den zweiten Start seiner suborbitalen SR75-Rakete vom SaxaVord Spaceport in Schottland. Die erste Flugkampagne der SR75 hatte 2024 auf der Koonibba Test Range in Australien stattgefunden. Nun soll das System weiter in Richtung kommerzieller Nutzung entwickelt werden.

Die SR75 und die darüber hinaus geplanten suborbitalen Systeme adressieren unter anderem Forschungseinrichtungen, staatliche Organisationen und Verteidigungskunden. Nach Angaben von HyImpulse sollen perspektivisch Geschwindigkeiten von bis zu Mach 15 und Reichweiten von bis zu 10.000 Kilometern möglich sein. Anwendungsfelder sieht das Unternehmen unter anderem bei Hyperschalltests, Bedrohungssimulationen und weiteren suborbitalen Forschungs- und Testmissionen.

SL1 soll Satelliten in den Orbit bringen

Parallel arbeitet HyImpulse an seiner orbitalen Trägerrakete SL1. Sie soll künftig insbesondere kleinere Satelliten in niedrige Erdumlaufbahnen transportieren und damit einen weiteren europäischen Zugang zum All schaffen.

Mit dem frischen Kapital soll auch der Erstflug der SL1 vorangetrieben werden. Damit steht HyImpulse vor dem technologisch entscheidenden Schritt vom erfolgreichen suborbitalen Flug hin zum orbitalen Launcher. Das Unternehmen positioniert sich dabei insbesondere für sogenannte Dedicated und Responsive Launches. Kunden sollen ihre Satelliten damit gezielter und unabhängiger von den Flugplänen größerer Trägerraketen starten können.

Paraffin und Sauerstoff statt klassischem Raketenantrieb

Technologisch setzt HyImpulse auf einen eigenen Hybridraketenantrieb, der nicht-explosives Paraffin als Brennstoff mit flüssigem Sauerstoff kombiniert.

Das Unternehmen verspricht sich davon eine geringere technische Komplexität und weniger Komponenten gegenüber konventionellen Systemen. JOIN Capital verweist darauf, dass die Architektur ungefähr mit der Hälfte der Bauteile auskommen und perspektivisch die Kosten pro transportiertem Kilogramm deutlich reduzieren könne.

Für Investoren ist damit nicht allein die Frage entscheidend, ob HyImpulse eine Rakete in den Orbit bringen kann. Entscheidend wird sein, ob dies zu Kosten gelingt, die ein dauerhaft tragfähiges kommerzielles Geschäftsmodell ermöglichen.

Auftragsbuch von mehr als 350 Millionen Euro

HyImpulse kann dabei bereits auf eine nach eigenen Angaben gut gefüllte kommerzielle Pipeline verweisen. Das Auftragsbuch für die orbitalen und suborbitalen Programme liegt bei mehr als 350 Millionen Euro. Mit der neuen Finanzierung sollen Produktionskapazitäten erweitert und die kommerziellen Aktivitäten innerhalb und außerhalb Europas skaliert werden. Neben Satellitenstarts sieht das Unternehmen Wachstumsmöglichkeiten bei In-Space-Mobility sowie suborbitalen Forschungs- und Verteidigungsanwendungen.

HyImpulse beschäftigt mittlerweile mehr als 100 Mitarbeiter an den Standorten Neuenstadt, Ottobrunn und Glasgow.

Europas eigener Zugang zum All gewinnt an Bedeutung

Die Finanzierungsrunde fällt in eine Phase, in der ein unabhängiger Zugang zum Weltraum für Europa zunehmend strategische Bedeutung bekommt. Satelliten sind inzwischen elementarer Bestandteil von Kommunikation, Navigation, Erdbeobachtung und Verteidigung. Gleichzeitig erhöhen geopolitische Spannungen und steigende Verteidigungsausgaben die Nachfrage nach kurzfristig verfügbaren und unabhängigen Startmöglichkeiten.

HyImpulse adressiert damit einen Markt, der längst nicht mehr ausschließlich von klassischen kommerziellen Satellitenmissionen geprägt ist. Gerade die Verbindung aus orbitalen Starts und suborbitalen Anwendungen für Forschung und Verteidigung erweitert den potenziellen Kundenkreis.

Europas Launcher-Markt muss nun wirtschaftlich liefern

Die mehr als 50 Millionen Euro schwere Finanzierung zeigt zugleich, dass Investoren weiterhin bereit sind, erhebliches Kapital in europäische Launcher-Unternehmen zu investieren. Mit einem Auftragsbuch von über 350 Millionen Euro kann HyImpulse dabei bereits kommerzielle Nachfrage vorweisen.

Die eigentliche Bewährungsprobe steht allerdings noch bevor. Der zweite Flug der SR75 und insbesondere der geplante Erstflug der SL1 müssen zeigen, ob sich die Technologie zuverlässig in einen kommerziellen Startbetrieb überführen lässt. Denn Europas Herausforderung besteht inzwischen nicht mehr allein darin, eigene Raketen zu entwickeln. Entscheidend ist, einen verlässlichen, regelmäßig verfügbaren und wirtschaftlich konkurrenzfähigen Zugang zum Orbit aufzubauen.


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