Kazimi holt sich 2,2 Millionen Euro für Schutz vor Mobile Bots
Das Berliner Cybersecurity-Startup Kazimi hat eine überzeichnete Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Market One Capital, beteiligt sind außerdem IBB Ventures sowie mehrere Manager und Experten aus der Mobile-, Gaming- und Finanzbranche. Kazimi entwickelt eine Sicherheitslösung, mit der App-Anbieter automatisierte Bot-Aktivitäten erkennen und ihre First-Party-Daten besser schützen sollen.
Bots verfälschen Daten von Apps
Mit der Technologie zielt Kazimi auf ein Problem, das mit der wachsenden Bedeutung von Mobile Advertising und Künstlicher Intelligenz an Relevanz gewinnt. Apps sammeln kontinuierlich Signale ihrer Nutzer, um Marketingkampagnen auszuwerten, Angebote zu optimieren oder Daten für KI-Anwendungen bereitzustellen. Doch nicht jede vermeintliche Nutzeraktivität stammt tatsächlich von einem Menschen.
Bots können Interaktionen erzeugen und damit die Datengrundlage von Unternehmen verfälschen. Das kann nicht nur zu fehlerhaften Analysen führen, sondern auch Marketingbudgets ineffizient verteilen und die Qualität von KI-Systemen beeinträchtigen, wenn diese mit falschen oder manipulierten Daten arbeiten. Kazimi will App-Entwicklern deshalb ermöglichen, menschliche Nutzer von automatisierten Aktivitäten zu unterscheiden und gleichzeitig den Datenschutz zu gewährleisten.
Kryptografie soll echte Nutzer von Bots unterscheiden
Die Lösung des Berliner Startups sichert dafür die Kommunikationssignale innerhalb einer App ab. Entwickler sollen auf diese Weise ihre eigenen First-Party-Daten überprüfen und unterschiedliche Formen nichtmenschlicher Aktivitäten erkennen können. Dabei setzt das Unternehmen unter anderem auf datenschutzfreundliche kryptografische Nachweise. Ziel ist es, die Herkunft und Qualität von Signalen überprüfen zu können, ohne dafür den Schutz personenbezogener Nutzerdaten aufzugeben.
Mitgründer und Chief Product Officer Andreas Naumann sieht insbesondere die fehlende Transparenz als Problem der bisherigen Mobile-Infrastruktur. App-Anbieter hätten bislang keine ausreichende Möglichkeit gehabt, zuverlässig festzustellen, welche Signale von realen Nutzern und welche von Bots stammen. Kazimi wolle diese Lücke schließen und Unternehmen mehr Kontrolle über ihre First-Party-Daten geben.
Gründer bringen Erfahrung von Adjust mit
Hinter Kazimi steht ein Team mit Erfahrung im Bereich Mobile Security und Ad Fraud. Die Gründer waren zuvor am Aufbau von Sicherheits- und Betrugserkennungssystemen bei Adjust beteiligt. Das Berliner Mobile-Analytics-Unternehmen wurde 2021 für rund eine Milliarde US-Dollar von AppLovin übernommen.
Darüber hinaus arbeitete das Team nach eigenen Angaben an Sicherheitssystemen für weitere Mobile-Analytics-Unternehmen und Netzwerke. Diese Erfahrung soll nun in eine eigenständige Sicherheitsinfrastruktur für die App-Wirtschaft einfließen.
Market One Capital und IBB Ventures investieren
Die überzeichnete Finanzierungsrunde wird von Market One Capital angeführt. Zusätzlich beteiligt sich IBB Ventures an dem Berliner Startup. Hinzu kommen mehrere Angel-Investoren mit Erfahrung aus Mobile Gaming und anderen Technologiebranchen.
Dazu zählen der ehemalige Rovio-CTO Petri Hyökyranta und der frühere Supercell Data Scientist Janne Peltola. Ebenfalls investiert ist Erik Massmann, ehemaliger CFO der Birkenstock Group und von Sportradar.
Petri Hyökyranta bezeichnet den Ansatz des Teams als möglichen Paradigmenwechsel für die Mobile-Branche. Entscheidend sei die Kombination aus zuverlässiger Bot-Erkennung, besseren Daten und der Einhaltung von Datenschutzanforderungen.
Lead-Investor Jacek Lubinski, Partner bei Market One Capital, sieht insbesondere mit dem zunehmenden Einsatz von KI einen wachsenden Bedarf für verlässliche First-Party-Daten. Kazimi könne sich aus seiner Sicht langfristig zu einer grundlegenden Sicherheitsschicht für die globale App-Wirtschaft entwickeln.
Milliardenmarkt Mobile Advertising
Laut den in der Finanzierungsankündigung genannten Marktdaten erreichten die weltweiten Ausgaben für Mobile Advertising 2025 rund 419 Milliarden US-Dollar. Bis 2035 könnte der Markt demnach auf mehr als eine Billion US-Dollar anwachsen. Mit steigenden Werbebudgets wächst gleichzeitig der wirtschaftliche Schaden, wenn Bots Marketingdaten verfälschen. Besonders relevant wird das für Unternehmen, die hohe Summen in die Gewinnung neuer Nutzer investieren und ihre Kampagnen anhand von App-Daten automatisiert optimieren.
Kazimi verweist zudem auf den steigenden Anteil automatisierten Internetverkehrs. Nach Daten von Cloudflare habe Bot-Traffic 2026 erstmals den menschlichen Internetverkehr überholt. Auch im Mobile Advertising spielen Bots bei betrügerischen Aktivitäten eine zunehmende Rolle. Für Unternehmen entsteht daraus ein doppeltes Problem: Sie müssen Werbebetrug erkennen und gleichzeitig sicherstellen, dass ihre Analysen und KI-Systeme auf möglichst verlässlichen Daten basieren.
Kazimi will zur Sicherheitsschicht der App Economy werden
Zu den bisherigen Kunden von Kazimi gehören Mobile-Gaming-Studios, Rewards-Plattformen und Fintech-Apps. Grundsätzlich richtet sich die Technologie an App-Anbieter, die Marketingbudgets für die Gewinnung und Bindung von Nutzern einsetzen. Die 2,2 Millionen Euro aus der Pre-Seed-Runde sollen nun in die Skalierung der Technologie und die weitere Markterschließung fließen.
Dabei positioniert sich Kazimi nicht ausschließlich als klassisches Ad-Fraud-Unternehmen. Das Startup will eine Sicherheitsinfrastruktur schaffen, die App-Anbietern verifizierte und möglichst unverfälschte First-Party-Daten zur Verfügung stellt. Mit der zunehmenden Automatisierung von Marketing und dem Einsatz von KI könnte genau die Frage, ob hinter einem Datensignal tatsächlich ein Mensch steht, zu einem entscheidenden Faktor für die globale App-Wirtschaft werden.

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