AI

Callosum sammelt 100 Millionen US Dollar in Seed Runde ein

Atomico führt eine 100 Millionen Dollar Seed Runde für Callosum an. Das Startup will KI Workloads automatisch auf die jeweils beste Kombination aus Modell und Hardware verteilen.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · London, 20. August 2026

Eine Seed Finanzierung über 100 Millionen US Dollar ist selbst im kapitalintensiven KI Markt eine Ansage. Das britische KI Infrastruktur Startup Callosum will damit eine Plattform aufbauen, die unterschiedliche KI Modelle, Chips und Recheninfrastrukturen miteinander verbindet. Angeführt wird die Runde von Atomico, beteiligt sind unter anderem Plural, DCVC und der UK Sovereign AI Fund.

100 Millionen US Dollar bereits in der Seed Phase

Callosum setzt bei einem der größten Engpässe des aktuellen KI Booms an: der verfügbaren und vor allem effizient genutzten Rechenleistung.

Das Unternehmen vertritt die These, dass die nächste Entwicklungsstufe der KI nicht allein durch immer leistungsfähigere Modelle oder einzelne Chips bestimmt wird. Entscheidend werde, welche Kombination aus Modell und Hardware eine konkrete Aufgabe hinsichtlich Kosten, Geschwindigkeit und Energieverbrauch am effizientesten lösen kann.

Für den Aufbau dieser Infrastruktur erhält Callosum nun 100 Millionen US Dollar. Lead Investor ist Atomico. Signifikant an der Runde beteiligt sind außerdem Plural, DCVC und der UK Sovereign AI Fund sowie weitere Investoren und Business Angels. Callosum ist nach eigenen Angaben das erste Investment des UK Sovereign AI Fund.

Nicht ein Chip für alles

Das zentrale Konzept bezeichnet Callosum als "heterogeneous intelligence". Statt KI Workloads grundsätzlich auf einer bestimmten Hardwarearchitektur auszuführen, sollen einzelne Aufgaben zerlegt und anschließend genau der Kombination aus KI Modell und Chip zugewiesen werden, die sie am besten bearbeiten kann. Callosum will damit gewissermaßen eine übergeordnete Orchestrierungsebene für einen zunehmend fragmentierten Markt schaffen.

Denn neben den etablierten GPU Architekturen entstehen weltweit spezialisierte KI Chips, die für bestimmte Workloads erhebliche Vorteile bei Geschwindigkeit, Energieverbrauch oder Kosten versprechen. Für Unternehmen erhöht diese Vielfalt allerdings gleichzeitig die Komplexität.

Cerebras und Rebellions werden Partner

Parallel zur Finanzierungsrunde kündigt das Unternehmen eine erste Reihe von Compute Partnerschaften an. Eine zentrale Rolle spielt dabei Cerebras Systems. Gemeinsam wollen die Unternehmen besonders latenzarme KI Inferenz für komplexe Multi Agent Systeme ermöglichen. Auch der südkoreanische KI Chip Entwickler Rebellions gehört zu den neuen Partnern. Hinzu kommen weitere Infrastrukturunternehmen und Hardwarehersteller.

Callosum möchte dabei nicht einen bestimmten Chip ersetzen oder selbst zum Hardwareproduzenten werden. Die Plattform soll vielmehr dafür sorgen, dass unterschiedliche Hardware innerhalb eines KI Systems jeweils dort eingesetzt werden kann, wo ihre individuellen Stärken liegen.

KI Workloads werden in einzelne Aufgaben zerlegt

Technologisch spricht Callosum von "programmable heterogeneity". KI Workloads werden dabei in einzelne Teilaufgaben zerlegt und anschließend anhand von Kriterien wie Kosten, Energiebedarf und Geschwindigkeit unterschiedlichen Modellen und Chips zugewiesen.

Das könnte insbesondere bei komplexen Agentensystemen relevant werden. Statt ein großes Modell sämtliche Aufgaben bearbeiten zu lassen, könnten unterschiedliche spezialisierte Modelle auf jeweils geeigneter Hardware zusammenarbeiten.

Über eine API Infrastruktur will Callosum diese sogenannte Tailored Inference für Unternehmen zugänglich machen. Nach Angaben des Startups wird der Ansatz bereits in Bereichen wie Cybersecurity und Finance eingesetzt.

100 Millionen Dollar für eine Wette auf den KI Infrastrukturmarkt

Die außergewöhnlich große Seed Runde zeigt, wie stark sich der Wettbewerb rund um die Infrastruktur hinter generativer KI inzwischen verschiebt. Lange dominierte vor allem die Frage, wer Zugang zu ausreichend GPUs bekommt. Mit immer mehr spezialisierten Chips und Modellen entsteht jedoch ein neues Problem: Wie lässt sich diese Vielfalt möglichst effizient miteinander kombinieren?

Damit ist das Unternehmen gleichzeitig eine Wette darauf, dass die Zukunft der KI Infrastruktur nicht von einer einzigen dominierenden Hardware und einem universellen Modell geprägt sein wird.

Die Beteiligung des UK Sovereign AI Fund verleiht der Finanzierungsrunde zudem eine industriepolitische Dimension. Callosum argumentiert, dass eine heterogene Infrastruktur Staaten weniger abhängig von einzelnen Hardwarelieferanten machen könnte. Leistungsfähige KI Systeme sollen auf unterschiedlichen verfügbaren Chips betrieben werden können, anstatt vollständig an einen Hersteller oder eine Architektur gebunden zu sein.


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