Basecamp Research erhält 140 Millionen Dollar für KI-entwickelte Medikamente
Das britisch-amerikanische Biotech Basecamp Research hat 140 Millionen US-Dollar in einer überzeichneten Series-C-Finanzierungsrunde eingesammelt. Angeführt wird die Runde von S32. Zu den weiteren Investoren gehören unter anderem NVIDIA, der NATO Innovation Fund, Redalpine, Singular und True Ventures. Mit dem Kapital will Basecamp eine neue Generation seiner biologischen KI-Modelle trainieren und eine eigene Pipeline KI-entwickelter Therapeutika in Richtung klinischer Entwicklung vorantreiben.
Von biologischen Daten zu neuen Wirkstoffen
Basecamp Research verfolgt das Ziel, KI nicht nur für einzelne Schritte der Wirkstoffforschung einzusetzen. Das Unternehmen verbindet eigene biologische Datensätze mit sogenannten Foundation Models und Technologien, mit denen sich DNA-Sequenzen gezielt für therapeutische Anwendungen entwickeln lassen sollen.
Im Zentrum steht das KI-Modell EDEN. Dieses wird auf dem sogenannten Trillion Gene Atlas trainiert, den Basecamp als weltweit größten proprietären biologischen Trainingsdatensatz für KI bezeichnet.
Die Daten stammen aus Kooperationen in mehr als 30 Ländern auf allen sieben Kontinenten. Am Aufbau sind nach Unternehmensangaben unter anderem NVIDIA, Anthropic, PacBio und Ultima Genomics beteiligt.
Statt für eine einzelne wissenschaftliche Aufgabe entwickelt zu werden, sollen die EDEN-Modelle übergreifende biologische Zusammenhänge erkennen. Zu den angestrebten Anwendungen gehören die Entwicklung von Zell- und Gentherapien, Enzymen und Peptiden.
Eigene Therapie-Pipeline rückt in den Mittelpunkt
Mit der Series C soll nun insbesondere der Schritt von der technologischen Plattform hin zu eigenen Therapiekandidaten beschleunigt werden.
Den Anfang macht die sogenannte In-vivo-Zelltherapie. Dabei sollen Zellen direkt im Körper des Patienten genetisch verändert werden, anstatt sie zunächst zu entnehmen, außerhalb des Körpers zu bearbeiten und anschließend wieder zu verabreichen.
Basecamp kombiniert dafür seine EDEN-Modelle zur Entwicklung längerer und komplexer DNA-Sequenzen mit sogenannten Serin-Rekombinasen. Diese sollen eine präzise Integration der Sequenzen in das Genom ermöglichen.
Langfristig sieht das Unternehmen mögliche Einsatzgebiete unter anderem bei Krebs- und Autoimmunerkrankungen. Basecamp berichtet bereits von positiven präklinischen Ergebnissen über mehrere therapeutische Ansätze und Krankheitsgebiete hinweg. Detaillierte Daten zu diesen Ergebnissen nennt die Mitteilung allerdings nicht.
Breite Investorenbasis für die Series C
Neben Lead-Investor S32 beteiligen sich der Anthology Fund von Anthropic, Catalio Capital Management, European Tech Collective, Firebrand River Capital, Inception Fund, King Philanthropies, NATO Innovation Fund, NVIDIA, PostScriptum, Redalpine, The Rockefeller Foundation, Singular, Sovereign AI und True Ventures.
Hinzu kommen Führungskräfte aus Pharma, Biotech und Industrie, darunter Roche-Vizepräsident André Hoffmann.
Andy Conrad, General Partner bei S32 und ehemaliger CEO von Googles Life-Science-Unternehmen Verily, zieht im Zuge der Finanzierung in den Verwaltungsrat von Basecamp Research ein.
Weitere Pharma-Kooperationen geplant
Parallel zur eigenen Pipeline will Basecamp die Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen ausbauen. Dafür hat das Unternehmen Richard Pearce, zuvor bei Biogen tätig, zum Chief Business Officer ernannt.
Die Verbindung aus proprietären Trainingsdaten und eigenen KI-Modellen soll Basecamp dabei gegenüber anderen Unternehmen im schnell wachsenden Feld der KI-gestützten Wirkstoffentwicklung positionieren.
Das Unternehmen arbeitet unter anderem mit Anthropic zusammen. Im Rahmen der Kooperation rund um Claude Science wurde nach Angaben von Basecamp bereits demonstriert, wie EDEN aus Informationen über eine Erkrankung mögliche therapeutische Kandidaten generieren kann.
Der klinische Nachweis steht noch bevor
Mit 140 Millionen Dollar erhält Basecamp erhebliches Kapital, um seine Technologie stärker in Richtung konkreter Arzneimittelentwicklung zu bewegen. Gleichzeitig beginnt damit eine entscheidende Phase für das Unternehmen.
Bislang verweist Basecamp auf präklinische Ergebnisse. Ob sich mit EDEN entworfene Therapien auch beim Menschen als sicher und wirksam erweisen, muss erst in klinischen Studien gezeigt werden. Gerade bei Eingriffen in das Genom sind zudem hohe regulatorische und sicherheitstechnische Anforderungen zu erwarten.
Die Series C finanziert damit nicht nur weiteres KI-Training. Sie soll Basecamp den Schritt von einer technologischen Plattform für biologische KI hin zu einem Unternehmen mit eigener therapeutischer Pipeline ermöglichen.

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