Spacetech

Tumbleweed sichert sich 6,9 Millionen Euro für Forschung unter Schwerelosigkeit

Tumbleweed aus Wien meldet die bislang größte SpaceTech-Seed-Runde des Landes. Nach dem erfolgreichen Start von Oasis Alpha sollen 2027 drei weitere Missionen folgen.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Wien, 03. November 2026

Das österreichische SpaceTech Tumbleweed hat eine Seed-Finanzierung in Höhe von 6,9 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wurde die Runde vom Venture-Capital-Investor Pact. Zu den weiteren Kapitalgebern gehören Vanagon, PROTOTYPE, EWOR sowie verschiedene internationale Investoren und Business Angels. Auch Koro Capital, ABCapital, Dutch Operator Fund und rule30 werden vom Unternehmen als Unterstützer genannt.

Mit dem Investment will Tumbleweed die industrielle Nutzung von Schwerelosigkeit vorantreiben. Das Unternehmen verfolgt die Idee, Forschung und Experimente unter Mikrogravitation nicht länger auf wenige große Raumfahrtprogramme zu beschränken, sondern auch für kleinere Forschungseinrichtungen und Unternehmen zugänglich zu machen.

Gerade in der medizinischen Forschung und Biotechnologie bietet die Schwerelosigkeit besondere Möglichkeiten. Unter Bedingungen nahezu fehlender Schwerkraft lassen sich biologische und physikalische Prozesse untersuchen, die auf der Erde durch die Gravitation beeinflusst werden. Allerdings sind entsprechende Experimente im Weltraum bislang mit hohen Kosten, langen Vorlaufzeiten und begrenzten Kapazitäten verbunden.

Erster kommerzieller Satellit in nur neun Monaten entwickelt

Dass Tumbleweed seine Technologie bereits erfolgreich in den Weltraum bringen kann, zeigte das Startup vor rund vier Monaten. Damals brachte das Unternehmen mit Oasis Alpha nach eigenen Angaben den ersten kommerziellen Satelliten Österreichs in die Erdumlaufbahn.

Bemerkenswert ist vor allem die kurze Entwicklungszeit. Lediglich neun Monate benötigte Tumbleweed nach eigenen Angaben für den Bau des Satelliten. Damit sei die Entwicklung rund fünfmal schneller erfolgt als branchenüblich.

Auch das kommerzielle Interesse scheint vorhanden zu sein. Bereits ein Jahr vor dem Start waren sämtliche verfügbaren Kapazitäten der Mission verkauft. Für Tumbleweed ist dies ein erster Hinweis darauf, dass sich die Nutzung von Schwerelosigkeit als kommerzielle Dienstleistung etablieren könnte.

Das Geschäftsmodell basiert darauf, Forschungseinrichtungen und Unternehmen Experimentiermöglichkeiten im Orbit anzubieten, ohne dass diese eigene Satelliten entwickeln oder betreiben müssen.

Drei Missionen für 2027 und neue Satellitenplattform geplant

Mit den zusätzlichen 6,9 Millionen Euro will Tumbleweed nun den nächsten Wachstumsschritt finanzieren. Für 2027 sind drei weitere Weltraummissionen vorgesehen. Nach Unternehmensangaben werden die verfügbaren Nutzlastkapazitäten bereits zunehmend von Forschungslaboren aus der Medizin und Biotechnologie gebucht.

Parallel arbeitet das Startup an der nächsten Generation seiner Satellitenplattform. Oasis Beta soll 2028 erstmals zum Einsatz kommen und eine entscheidende Erweiterung bieten: die Rückführung von experimentellen Proben zur Erde.

Bislang liegt der Schwerpunkt auf der Durchführung von Experimenten im Weltraum. Die Möglichkeit, Proben anschließend in irdischen Laboren detailliert zu untersuchen, könnte zusätzliche Anwendungsfelder erschließen und die Plattform für weitere Forschungseinrichtungen interessant machen.

Die notwendige Hardware wird nach Angaben des Unternehmens bereits entwickelt und in eigenen Laboren getestet.

Mit seiner Finanzierung positioniert sich Tumbleweed in einem wachsenden europäischen SpaceTech-Markt. Während sich viele junge Raumfahrtunternehmen auf Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung oder Transportdienstleistungen konzentrieren, setzt Tumbleweed auf die kommerzielle Nutzung der besonderen Bedingungen im Orbit.

Ob daraus langfristig ein skalierbares Geschäftsmodell entsteht, wird sich mit den kommenden Missionen zeigen. Die bereits verkauften Kapazitäten und das Interesse aus der Forschung liefern dafür erste Anhaltspunkte. Mit Oasis Beta könnte das Unternehmen zudem einen wichtigen Schritt machen, um Schwerelosigkeit als regelmäßig nutzbare Forschungsinfrastruktur zu etablieren.


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