Tendos erhält 12 Millionen Euro für Tendos zur KI-Automatisierung in der Baustoffindustrie
Das Münchner KI-Startup Tendos hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 12 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom internationalen Venture-Capital-Investor Insight Partners. Zu den weiteren Kapitalgebern gehören die Gründer der Unicorns Personio, Forto, Flix und SumUp sowie mehrere Unternehmer aus der Industrie. Tendos entwickelt KI-Agenten, die Vertriebsprozesse von Baustoffherstellern automatisieren. Zu den Kunden zählen bereits Wilo, Grundfos, Hansgrohe, Spelsberg, KSB und Kermi. Mit dem Kapital will das Unternehmen international expandieren und seine Plattform auf weitere Bereiche der industriellen Wertschöpfungskette ausweiten.
Insight Partners führt Seed-Finanzierung über 12 Millionen Euro an
Tendos hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 12 Millionen Euro abgeschlossen. Der Münchner Softwareanbieter entwickelt eine KI-Plattform für Hersteller aus der Baustoff- und Gebäudetechnikindustrie.
Lead-Investor ist Insight Partners, eine international tätige Investmentgesellschaft mit Schwerpunkt auf Software- und Technologieunternehmen.
Neben dem Fonds beteiligen sich die Gründer von Personio, Forto, Flix und SumUp. Hinzu kommen weitere Gründer und Führungskräfte aus der Industrie, darunter Stephan Tahy, ehemaliger CEO des Sanitärherstellers Duravit.
Die Beteiligung der Unicorn-Gründer erfolgt als private Investments. Die genannten Unternehmen selbst werden in der Mitteilung nicht als Investoren aufgeführt.
Zur Unternehmensbewertung, den einzelnen Beteiligungshöhen und einer möglichen vorherigen Finanzierung machte Tendos keine Angaben.
Mit dem Kapital plant das Startup, seine internationale Expansion voranzutreiben, zusätzliche KI-Anwendungen zu entwickeln und weitere Kundensegmente innerhalb der Baustoffindustrie zu erschließen.
KI-Agenten sollen den industriellen Vertrieb automatisieren
Tendos adressiert eine Herausforderung, die in der Baustoffindustrie und im technischen Vertrieb weitverbreitet ist.
Hersteller erhalten täglich zahlreiche Kundenanfragen, Ausschreibungen und Leistungsverzeichnisse. Diese enthalten oft komplexe technische Anforderungen, die mit umfangreichen Produktkatalogen abgeglichen werden müssen.
Vertriebsteams müssen passende Produkte identifizieren, Preise und Verfügbarkeiten prüfen, Angebote erstellen und Informationen in unterschiedliche Systeme übertragen.
Viele dieser Arbeitsschritte erfolgen weiterhin manuell.
Insbesondere bei Herstellern mit Tausenden unterschiedlichen Produkten kann die Bearbeitung einzelner Anfragen entsprechend aufwendig sein.
Tendos will diese Prozesse durch spezialisierte KI-Agenten automatisieren.
Die Software verarbeitet eingehende Dokumente, erkennt relevante Produktanforderungen und unterstützt die Erstellung passender Angebote.
Dadurch sollen Vertriebsmitarbeiter mehr Anfragen bearbeiten können und zusätzliche Zeit für Kundenberatung und den Abschluss von Aufträgen gewinnen.
Von der Ausschreibung bis zur Auftragserfassung
Die Plattform deckt mehrere Schritte des industriellen Vertriebsprozesses ab.
Zunächst können die KI-Agenten relevante Ausschreibungen identifizieren und eingehende Kundenanfragen analysieren.
Anschließend liest die Software technische Spezifikationen, Leistungsverzeichnisse und weitere Dokumente aus.
Die enthaltenen Anforderungen werden mit den Produktkatalogen des jeweiligen Herstellers abgeglichen.
Auf dieser Grundlage erstellt Tendos Angebotsentwürfe und unterstützt die weitere Auftragsbearbeitung.
Auch die Übertragung relevanter Informationen in bestehende CRM- und ERP-Systeme soll automatisiert erfolgen.
Damit verfolgt das Unternehmen einen Ansatz, bei dem KI-Agenten vollständige Arbeitsabläufe übernehmen und verschiedene Softwareanwendungen miteinander verbinden.
Die Verantwortung für fachliche Entscheidungen verbleibt nach Unternehmensangaben bei den Vertriebsteams.
Insbesondere bei komplexen technischen Anforderungen oder Entscheidungen, die besondere Produktexpertise erfordern, sollen Mitarbeiter weiterhin eingreifen können.
Konkrete Angaben zur Fehlerquote der automatisierten Produktzuordnung oder zum Umfang notwendiger menschlicher Freigaben wurden nicht veröffentlicht.
Wilo, Grundfos und Hansgrohe gehören zu den Kunden
Tendos hat nach eigenen Angaben bereits mehrere international tätige Hersteller als Kunden gewonnen.
Dazu gehören Wilo, Grundfos, Hansgrohe, Spelsberg, KSB und Kermi.
Die Unternehmen sind unter anderem in den Bereichen Pumpentechnik, Sanitär, Heizung, Lüftung und technische Gebäudeausrüstung aktiv.
Viele dieser Hersteller verfügen über umfangreiche Produktportfolios und komplexe Vertriebsstrukturen.
Die Bearbeitung technischer Kundenanfragen erfordert deshalb häufig eine genaue Zuordnung von Produktmerkmalen und Anforderungen.
Tendos will diese Abläufe durch seine KI-Plattform vereinfachen.
Nach Unternehmensangaben werden bei den genannten Kunden bereits zentrale Vertriebsprozesse über die Software abgewickelt.
Wie viele einzelne Nutzer die Plattform verwenden und welcher Anteil des jeweiligen Vertriebsprozesses automatisiert wurde, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Auch Angaben zur Gesamtzahl der Kundenunternehmen oder zum jährlich wiederkehrenden Umsatz wurden nicht veröffentlicht.
Angebotsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich verarbeitet
Ein wichtiger Indikator für die bisherige Nutzung der Plattform ist das von Tendos genannte Angebotsvolumen.
Nach Unternehmensangaben wurden über die Software bislang Angebote mit einem Gesamtwert im zweistelligen Milliarden-Euro-Bereich verarbeitet.
Diese Kennzahl beschreibt den Wert der bearbeiteten Angebote und Ausschreibungen.
Sie entspricht weder dem Umsatz von Tendos noch dem tatsächlich realisierten Auftragsvolumen seiner Kunden.
Auch lässt sich daraus nicht ableiten, welcher Anteil der Angebote zu abgeschlossenen Geschäften geführt hat.
Die Zahl zeigt jedoch, dass die Software bereits bei wirtschaftlich umfangreichen Vertriebsprozessen eingesetzt wird.
Für Tendos liegt das Potenzial insbesondere darin, die Bearbeitung solcher Vorgänge zu beschleunigen und die Zahl der Anfragen zu erhöhen, die ein Vertriebsteam mit vorhandenen Ressourcen bearbeiten kann.
Konkrete, unabhängig überprüfte Zahlen zu Zeitersparnissen, Produktivitätssteigerungen oder höheren Abschlussquoten wurden nicht genannt.
Baustoffindustrie als Markt für spezialisierte KI-Anwendungen
Während zahlreiche KI-Startups horizontale Softwarelösungen für unterschiedliche Branchen entwickeln, konzentriert sich Tendos auf spezifische Prozesse der Baustoffindustrie.
Dieser Ansatz wird häufig als Vertical AI bezeichnet.
Die Anwendungen werden gezielt für die Anforderungen einer bestimmten Branche entwickelt.
Im Fall von Tendos gehören dazu die Verarbeitung technischer Leistungsverzeichnisse, die Zuordnung komplexer Produktdaten und die Integration in bestehende Vertriebs- und Warenwirtschaftssysteme.
Die Spezialisierung soll es ermöglichen, branchentypische Aufgaben besser abzubilden als allgemeine KI-Anwendungen.
Gerade im technischen Vertrieb spielt die korrekte Interpretation von Produktspezifikationen eine wichtige Rolle.
Fehler bei der Auswahl von Komponenten oder bei der Erstellung von Angeboten können zusätzliche Kosten verursachen und die Kundenbeziehung beeinträchtigen.
Tendos setzt deshalb auf die Verbindung automatisierter Dokumentenverarbeitung mit den vorhandenen Produkt- und Prozessdaten der Hersteller.
Gründer Christian Sedlmeier will Vertriebsteams entlasten
Mitgründer und CEO Christian Sedlmeier sieht in der Baustoffindustrie einen großen Markt für KI-gestützte Automatisierung.
Die Vertriebsmitarbeiter der Hersteller verfügten über umfangreiche technische Kenntnisse und gewachsene Kundenbeziehungen.
Gleichzeitig beanspruchten wiederkehrende administrative Tätigkeiten einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit.
Tendos will diese Aufgaben automatisieren und die vorhandene Expertise stärker für Beratung und Vertrieb nutzbar machen.
Für Hersteller könnte sich daraus insbesondere dann ein wirtschaftlicher Vorteil ergeben, wenn Angebote schneller erstellt und mehr Kundenanfragen innerhalb derselben Zeit bearbeitet werden können.
Auch Insight Partners sieht in der Branche erhebliches Potenzial.
Teddie Wardi, Managing Director bei Insight Partners, verweist auf den bislang vergleichsweise geringen Einsatz moderner KI-Technologien in vielen industriellen Vertriebsprozessen.
Der Investor hebt insbesondere das Produkt- und Prozessverständnis des Gründerteams hervor.
Internationale Expansion und zusätzliche Anwendungsfälle
Mit der neuen Finanzierung will Tendos seine bisherige Marktpräsenz ausbauen.
Der Schwerpunkt lag bislang auf Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Künftig sollen verstärkt internationale Kunden gewonnen werden.
Welche Länder zuerst erschlossen werden und wie viele zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden sollen, wurde nicht mitgeteilt.
Parallel plant Tendos, seine Software funktional zu erweitern.
Die KI-Agenten sollen zusätzliche Aufgaben innerhalb des Vertriebs übernehmen und weitere Prozesse entlang der Wertschöpfungskette unterstützen.
Damit könnte sich die Plattform langfristig über die bisherige Automatisierung von Ausschreibungen, Angeboten und Aufträgen hinausentwickeln.
Konkrete neue Produkte oder Einführungstermine wurden bislang nicht angekündigt.
Tendos setzt auf branchenspezifische KI als Wachstumstreiber
Mit der Seed-Finanzierung über 12 Millionen Euro erhält Tendos zusätzliche Mittel, um seine Position im Markt für industrielle KI-Anwendungen auszubauen.
Die Beteiligung von Insight Partners und mehreren erfahrenen Technologiegründern unterstreicht das Investoreninteresse an spezialisierten KI-Lösungen für traditionelle Industrien.
Mit Kunden wie Wilo, Grundfos und Hansgrohe verfügt das Münchner Startup bereits über Referenzen bei international tätigen Herstellern.
Das nach eigenen Angaben verarbeitete Angebotsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich deutet auf eine umfangreiche Nutzung in bestehenden Vertriebsabläufen hin.
Für die nächste Entwicklungsphase wird entscheidend sein, ob Tendos seine Software bei weiteren Herstellern etablieren, die Automatisierung zusätzlicher Prozesse zuverlässig umsetzen und aus der bisherigen Nutzung ein nachhaltig wachsendes Geschäftsmodell entwickeln kann.

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