UnternehmerTUM, Microsoft, NVIDIA und Infineon starten Accelerator für Physical-AI-Startups
UnternehmerTUM Accelerator, Microsoft, Infineon Technologies und NVIDIA starten gemeinsam das „Physical AI Growth Lab“. Das viermonatige Förderprogramm soll junge Technologieunternehmen dabei unterstützen, Anwendungen aus den Bereichen Robotik, Physical AI und industrielle künstliche Intelligenz zur Marktreife zu bringen und zu skalieren. Für die ausgewählten Startups ist die Teilnahme kostenlos und ohne Abgabe von Unternehmensanteilen möglich. Insgesamt sollen zehn bis 15 Teams aufgenommen werden. Bewerbungen sind bis zum 13. November 2026 möglich, das Programm beginnt im Januar 2027.
Neuer Accelerator für Robotik und industrielle KI
Mit dem Physical AI Growth Lab wollen vier etablierte Akteure aus dem europäischen Technologie- und Innovationsökosystem die Entwicklung junger Unternehmen im Bereich Physical AI beschleunigen.
Initiiert wird das Programm vom Münchner UnternehmerTUM Accelerator. Als Technologiepartner beteiligen sich Microsoft, NVIDIA und Infineon Technologies.
Das Programm richtet sich an Startups, die künstliche Intelligenz mit physischen Systemen verbinden und entsprechende Lösungen für industrielle Anwendungen entwickeln.
Dazu gehören beispielsweise intelligente Roboter, autonome Maschinen und KI-gestützte Automatisierungssysteme.
Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung bestehender technologischer Ansätze zu kommerziell einsetzbaren Produkten.
Die ausgewählten Teams erhalten Zugang zu technischer Infrastruktur, spezialisierten Fachleuten, potenziellen Unternehmenskunden und Investoren.
Das Programm läuft von Januar bis April 2027 und kombiniert digitale Angebote mit Präsenzveranstaltungen in München.
Die Teilnahme ist kostenlos. UnternehmerTUM und die beteiligten Partner verlangen im Rahmen des Programms keine Unternehmensanteile.
Zehn bis 15 Startups werden aufgenommen
Das Physical AI Growth Lab richtet sich an junge Unternehmen aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika sowie an Startups, die Lösungen für diese Regionen entwickeln.
Für eine Bewerbung müssen die Teams bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
Das Unternehmen darf höchstens drei Jahre alt sein und maximal 20 Beschäftigte haben.
Außerdem muss mindestens eine technische Mitgründerin oder ein technischer Mitgründer zum Team gehören.
Eine weitere Voraussetzung ist ein funktionsfähiger Prototyp oder ein Minimum Viable Product (MVP).
Damit richtet sich das Programm an Unternehmen, die bereits erste technische Entwicklungsarbeiten abgeschlossen haben und ihre Produkte nun weiterentwickeln oder kommerziell skalieren wollen.
Insgesamt sollen zehn bis 15 Startups ausgewählt werden.
Die Bewerbungsphase läuft bereits. Interessierte Gründungsteams können sich noch bis zum 13. November 2026 bewerben.
Angaben zu einem konkreten Bewerbungslink oder zum genauen Auswahlverfahren enthält die Ankündigung nicht.
Microsoft stellt Azure Credits im Wert von 350.000 Dollar bereit
Ein wesentlicher Bestandteil des Programms ist der Zugang zu leistungsfähiger Cloud- und KI-Infrastruktur.
Über Microsoft for Startups sollen die teilnehmenden Unternehmen Vorteile erhalten, darunter Azure Credits im angegebenen Wert von 350.000 US-Dollar.
Diese Credits können Startups dabei unterstützen, Rechenressourcen und Cloud-Dienste für die Entwicklung ihrer Anwendungen zu nutzen.
Gerade im Bereich Physical AI können erhebliche Rechenkapazitäten erforderlich sein.
Dazu gehören beispielsweise das Training von KI-Modellen, die Verarbeitung umfangreicher Sensordaten und die Simulation physischer Abläufe.
Microsoft bringt neben seiner Azure-Infrastruktur auch Kontakte aus seinem internationalen Unternehmensnetzwerk ein.
Die genannten Azure Credits sind Sachleistungen beziehungsweise Nutzungsguthaben und stellen keine direkte Barauszahlung oder Eigenkapitalfinanzierung dar.
Welche konkreten Nutzungsbedingungen für die Credits gelten, wird in der Mitteilung nicht erläutert.
NVIDIA unterstützt KI-Training, Simulation und Robotik
Mit NVIDIA beteiligt sich ein weiterer wichtiger Technologieanbieter am Accelerator.
Das Unternehmen stellt den ausgewählten Startups Zugang zu Software Development Kits, offenen Modellen und Angeboten aus dem NVIDIA Inception-Programm in Aussicht.
Der Schwerpunkt liegt auf Technologien, die für die Entwicklung und den Betrieb physischer KI-Systeme benötigt werden.
Dazu gehören KI-Training, Simulation und die Ausführung von Modellen direkt auf Geräten und Maschinen.
Insbesondere für Robotikanwendungen spielt die Verbindung dieser Bereiche eine zentrale Rolle.
KI-Systeme müssen ihre Umgebung über Sensoren erfassen, Informationen verarbeiten und daraus geeignete Aktionen ableiten.
Simulationen können dabei helfen, bestimmte Abläufe zunächst virtuell zu testen, bevor sie in realen Maschinen eingesetzt werden.
NVIDIA will den teilnehmenden Startups dafür Werkzeuge aus seinem Technologieportfolio zugänglich machen.
Welche konkreten Hardware-Ressourcen oder individuellen Entwicklungsleistungen bereitgestellt werden, wurde nicht beziffert.
Infineon liefert Halbleiter und Sensorik für Physical AI
Während Microsoft und NVIDIA insbesondere Cloud-, KI- und Simulationsinfrastruktur bereitstellen, bringt Infineon Technologies seine Expertise in der Halbleiterentwicklung ein.
Das Unternehmen will den Startups Zugang zu Hardwarekomponenten ermöglichen, die für intelligente physische Systeme benötigt werden.
Dazu zählen Mikrocontroller, Sensoren, Leistungselektronik, Stromversorgungstechnologien und Konnektivitätslösungen.
Diese Komponenten sind beispielsweise für die Steuerung von Robotern, die Verarbeitung von Sensordaten und die Anbindung industrieller Geräte relevant.
Damit deckt das Programm sowohl die Softwareentwicklung als auch wesentliche Bereiche der zugrunde liegenden Hardware ab.
Für Startups kann diese Verbindung wichtig sein, da die Entwicklung physischer KI-Produkte häufig die Abstimmung unterschiedlicher technischer Systeme erfordert.
Ein KI-Modell allein reicht für den Betrieb eines autonomen Roboters oder einer intelligenten Maschine nicht aus.
Erforderlich sind zusätzlich geeignete Sensoren, Steuerungseinheiten, elektrische Komponenten und zuverlässige Kommunikationsschnittstellen.
UnternehmerTUM öffnet sein Investoren- und Industrienetzwerk
Neben der technologischen Infrastruktur bildet der Zugang zu potenziellen Kunden und Kapitalgebern einen weiteren Schwerpunkt.
UnternehmerTUM Accelerator bringt nach eigenen Angaben ein Netzwerk von mehr als 170 Mentorinnen und Mentoren sowie über 200 Investorinnen und Investoren in das Programm ein.
Die teilnehmenden Startups sollen dadurch Kontakte zu Fachleuten aus Technologie, Unternehmensaufbau und Finanzierung erhalten.
Hinzu kommen direkte Verbindungen zu Unternehmenskunden, die als mögliche Entwicklungspartner oder erste Abnehmer infrage kommen.
Gerade für junge Robotikunternehmen ist der Zugang zu industriellen Anwendungspartnern von Bedeutung.
Die Entwicklung und Erprobung entsprechender Systeme erfordert häufig reale Einsatzumgebungen und eine enge Zusammenarbeit mit späteren Kunden.
UnternehmerTUM verweist auf frühere Accelerator-Unternehmen wie Sereact, RobCo und Sewts.
Diese sind ebenfalls im Bereich Robotik und industrielle Automatisierung aktiv.
Nach Angaben von UnternehmerTUM haben Startups aus seinem Accelerator insgesamt bereits knapp vier Milliarden Euro an Finanzierung eingeworben.
Diese Summe beschreibt die bisherige Finanzierung von Unternehmen aus dem Accelerator-Umfeld und ist kein Kapitalvolumen, das für das neue Physical AI Growth Lab bereitgestellt wird.
Physical AI verbindet KI mit der realen Welt
Physical AI bezeichnet Anwendungen künstlicher Intelligenz, die mit ihrer physischen Umgebung interagieren.
Während viele klassische KI-Anwendungen vor allem digitale Informationen verarbeiten, müssen physische KI-Systeme zusätzlich reale Bewegungen, räumliche Zusammenhänge und technische Abläufe berücksichtigen.
Typische Einsatzfelder sind Robotik, industrielle Automatisierung, autonome Systeme und intelligente Logistik.
Eine zentrale technische Herausforderung besteht darin, KI-Modelle mit Sensorik, Simulation und Maschinensteuerung zu verbinden.
Die Systeme müssen Informationen aus ihrer Umgebung erfassen und daraus Handlungen ableiten, die unter realen Bedingungen zuverlässig funktionieren.
Die Initiatoren des Accelerators sehen in diesem Bereich erhebliche Wachstumschancen für europäische Technologieunternehmen.
In der Ankündigung wird für 2026 ein erwarteter europäischer Anteil von rund 22,5 Prozent am globalen Physical-AI-Markt genannt.
Dabei handelt es sich um eine Marktprognose. Die zugrunde liegende Marktdefinition und Berechnungsmethode werden in der Mitteilung nicht näher erläutert.
Der tatsächliche Marktanteil hängt unter anderem davon ab, welche Technologien und Anwendungen unter Physical AI zusammengefasst werden.
Von der Forschung zur industriellen Anwendung
Mit dem neuen Programm wollen die Partner insbesondere die Phase zwischen technischer Entwicklung und kommerzieller Skalierung unterstützen.
Für viele Deep-Tech-Startups ist dieser Übergang anspruchsvoll.
Ein funktionierender Prototyp muss unter realen Einsatzbedingungen getestet, weiterentwickelt und in bestehende industrielle Prozesse integriert werden.
Dafür benötigen die Unternehmen häufig spezialisierte Hardware, Rechenkapazitäten und Zugang zu erfahrenen Industriepartnern.
Zusätzlich müssen sie erste Kunden gewinnen und Kapital für die weitere Entwicklung beschaffen.
Das Physical AI Growth Lab bündelt hierfür unterschiedliche Ressourcen.
Microsoft stellt Cloud-Infrastruktur bereit, NVIDIA unterstützt bei KI- und Simulationswerkzeugen, Infineon bei Hardwarekomponenten und UnternehmerTUM bei Mentoring, Unternehmenspartnerschaften und Investorenkontakten.
Inga vom Holtz, Director Startups & Investments bei UnternehmerTUM, sieht in der Zusammenarbeit die Möglichkeit, jungen Unternehmen den Zugang zu wichtigen Entwicklungsressourcen zu erleichtern.
Ziel ist es, Physical-AI-Startups aus der EMEA-Region beim Aufbau skalierbarer Geschäftsmodelle zu unterstützen.
Bewerbungen bis zum 13. November 2026
Der erste Durchgang des Physical AI Growth Lab beginnt im Januar 2027 und endet im April.
Das Programm wird hybrid durchgeführt und umfasst Präsenzveranstaltungen in München.
Ausgewählt werden sollen zehn bis 15 Startups mit bereits vorhandenen Prototypen oder ersten marktfähigen Produktversionen.
Für die teilnehmenden Unternehmen liegt der Nutzen insbesondere in der Kombination aus technischer Infrastruktur, industriellem Know-how und Zugang zu potenziellen Kunden und Investoren.
Mit dem gemeinsamen Accelerator wollen UnternehmerTUM, Microsoft, NVIDIA und Infineon die Entwicklung europäischer Physical-AI-Unternehmen beschleunigen.
Ob daraus langfristig erfolgreiche Technologieunternehmen entstehen, wird sich insbesondere daran zeigen, wie viele Teams ihre Lösungen nach dem Programm in kommerzielle Anwendungen überführen können.
Die Bewerbungsfrist endet am 13. November 2026.

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