DiLT Analytics erhält siebenstellige Finanzierung
DiLT Analytics hat eine Finanzierung im siebenstelligen Bereich abgeschlossen. Die Mittel setzen sich aus einem Eigenkapitalinvestment von Noctua Science Ventures und einer öffentlichen Förderung der Austria Wirtschaftsservice zusammen.
Der Wiener Deep-Tech-Investor Noctua Science Ventures ist ein Joint Venture von Speedinvest und TU Austria. Der Fonds konzentriert sich auf wissenschaftsbasierte Ausgründungen österreichischer Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Die aws unterstützt DiLT Analytics über ihr Programm Seedfinancing – Deep Tech. Dieses richtet sich an technologieorientierte Unternehmen, deren Produkte auf anspruchsvoller Forschung und technologischen Innovationen beruhen.
Die genaue Gesamtsumme sowie die jeweiligen Anteile von Beteiligungskapital und Förderung wurden nicht veröffentlicht.
Auch Angaben zur Unternehmensbewertung liegen nicht vor.
DiLT Analytics will die Finanzierung insbesondere für den Teamaufbau, die Weiterentwicklung seiner Software und die Gewinnung zusätzlicher Kunden in der DACH-Region einsetzen.
CEO Theresa Kohl sieht in der Kombination aus privatem Kapital und öffentlicher Förderung eine Grundlage, um die Technologie stärker zu kommerzialisieren.
Software erkennt versteckte Fehler in Gebäudetechnik
Das zentrale Produkt des Unternehmens ist FaciliMind, eine Software zur automatisierten Fehlerdiagnose in technischen Gebäudeanlagen.
Die Lösung richtet sich insbesondere an Betreiber großer und komplexer Immobilienportfolios.
In solchen Gebäuden liefern Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen kontinuierlich umfangreiche Betriebsdaten.
Gebäudeleittechnik und Energiemonitoring erfassen beispielsweise Temperaturen, Energieverbräuche, Betriebszeiten und technische Grenzwerte.
Viele Probleme bleiben im laufenden Betrieb dennoch unentdeckt.
Dazu gehören fehlerhafte Ventile, ungünstig eingestellte Regelungen oder Lüftungsanlagen, die außerhalb ihrer vorgesehenen Betriebszeiten laufen.
Solche Abweichungen können über längere Zeit zusätzliche Energiekosten verursachen und die Effizienz der Anlagen beeinträchtigen.
FaciliMind soll diese Probleme anhand vorhandener Betriebsdaten identifizieren, mögliche Ursachen benennen und konkrete Maßnahmen vorschlagen.
Die Ergebnisse werden nach ihrer Dringlichkeit priorisiert und an die verantwortlichen technischen Teams übergeben.
Wissensgraphen sollen die Einführung beschleunigen
Ein wesentliches Merkmal der Plattform ist die weitgehend automatisierte Erstellung digitaler Anlagenmodelle.
Nach Unternehmensangaben genügt für die Anbindung ein Gerät, das mit der vorhandenen Gebäudeleittechnik verbunden wird und die Betriebsdaten ausliest.
Anschließend erstellt die Software ein digitales Abbild der angeschlossenen technischen Anlagen.
Grundlage ist eine wissensgraphbasierte Softwarearchitektur, die Informationen über Komponenten, ihre Eigenschaften und ihre Beziehungen zueinander verknüpft.
Dadurch soll FaciliMind die Struktur komplexer Gebäudetechnik erkennen und geeignete Diagnoseverfahren automatisch bereitstellen.
Nach Angaben des Startups kann dieser Prozess innerhalb weniger Tage erfolgen.
Bei herkömmlichen Verfahren könne die manuelle Einrichtung vergleichbarer Analysen für zahlreiche Anlagen deutlich länger dauern.
Unabhängige Vergleichsdaten zu den tatsächlichen Implementierungszeiten wurden nicht veröffentlicht.
Die Software arbeitet nach Unternehmensangaben herstellerunabhängig und soll sich deshalb für Immobilienportfolios mit unterschiedlichen technischen Anlagen eignen.
Energieeinsparpotenziale zwischen fünf und 30 Prozent
Neben der automatisierten Fehlererkennung steht die Reduzierung des Energieverbrauchs im Mittelpunkt.
DiLT Analytics gibt an, dass durch seine Analysen Energieeinsparpotenziale zwischen fünf und 30 Prozent sichtbar werden können.
Diese Werte beschreiben mögliche Einsparungen, die sich aus erkannten Betriebsfehlern und Optimierungsmaßnahmen ergeben.
Sie sind nicht mit bereits realisierten oder unabhängig nachgewiesenen Energieeinsparungen bei sämtlichen Kunden gleichzusetzen.
Für Betreiber großer Immobilienbestände kann die Identifikation solcher Potenziale wirtschaftlich relevant sein.
Gerade bei umfangreichen Heizungs-, Lüftungs- und Klimasystemen können ineffiziente Einstellungen über längere Zeit erhebliche Betriebskosten verursachen.
FaciliMind soll technischen Teams dabei helfen, entsprechende Probleme systematisch zu erkennen und geeignete Maßnahmen abzuleiten.
Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die zu den Kunden zählt, hebt nach Angaben des Startups den Nutzen der automatisierten Fehlererkennung und Maßnahmenempfehlungen im laufenden Gebäudebetrieb hervor.
Kunden aus Immobilienwirtschaft, Industrie und Forschung
DiLT Analytics hat bereits mehrere größere Organisationen als Kunden gewonnen.
Dazu gehören die Technische Universität Graz, die Technische Universität Wien, die Bundesimmobiliengesellschaft sowie die IG Immobilien Management GmbH.
Darüber hinaus nutzt nach Unternehmensangaben auch die Industrie die Software.
Das Angebot richtet sich insbesondere an Betreiber umfangreicher Gebäudeportfolios, darunter öffentliche Einrichtungen, Flughäfen, Industrieunternehmen sowie Organisationen aus der Pharma- und Gesundheitsbranche.
Diese verfügen häufig über technisch komplexe Immobilien mit zahlreichen Anlagen und unterschiedlichen Betriebsanforderungen.
DiLT Analytics will mit seiner Software dazu beitragen, die Überwachung und Optimierung solcher Bestände zu vereinfachen.
Konkrete Angaben zur Gesamtzahl der Kunden, zu wiederkehrenden Umsätzen oder zum bisherigen Geschäftsvolumen wurden nicht veröffentlicht.
Spin-off der TU Graz verbindet Forschung und Produktentwicklung
DiLT Analytics wurde Ende 2021 von Prof. Franz Wotawa und Prof. Gerald Schweiger als Spin-off der TU Graz gegründet.
Das Unternehmen ging aus der Forschungsgruppe „Intelligent Systems“ am Institut für Softwaretechnologie hervor.
Zu den frühen Projekten gehörte Inframonitor, eine herstellerunabhängige IoT-Datenplattform für den Campus Inffeldgasse der TU Graz.
Inzwischen ist das Unternehmen nach eigenen Angaben an mehr als 20 Forschungsprojekten mit über 15 Partnern beteiligt.
Viele dieser Vorhaben werden von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt und gemeinsam mit Universitäten in Österreich und weiteren europäischen Ländern durchgeführt.
Die Forschungsergebnisse fließen über den Bereich DiLT Research in die Produktentwicklung ein.
Zum heutigen Führungsteam gehören CEO Theresa Kohl, Chris Gray für Business Development und Strategie, CTO Dr. Thomas Hirsch, CPO Reinhard Pertschy und Head of Software Thomas Schwengler.
Im Jahr 2025 wurde DiLT Analytics mit dem DREA Award und dem ÖGUT Umweltpreis ausgezeichnet.
Seit September 2026 verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben zudem über eine Zertifizierung nach ISO 27001 für Informationssicherheitsmanagement.
Neue Funktionen sollen wirtschaftlichen Nutzen beziffern
Mit dem frischen Kapital will DiLT Analytics seine Entwicklungs- und Vertriebskapazitäten ausbauen.
Gesucht werden insbesondere zusätzliche Fachkräfte für Gebäudetechnik und Softwareentwicklung.
Parallel plant das Unternehmen, FaciliMind bei weiteren Eigentümern und Betreibern großer Immobilienbestände in Deutschland, Österreich und der Schweiz einzuführen.
Ein Schwerpunkt der Produktentwicklung liegt auf der wirtschaftlichen Bewertung vorgeschlagener Maßnahmen.
Künftig soll die Software nicht nur technische Probleme identifizieren, sondern auch den möglichen finanziellen Nutzen einer Behebung abschätzen.
Damit könnten Asset Manager und technische Verantwortliche Maßnahmen stärker nach ihrem wirtschaftlichen Effekt priorisieren.
Zusätzlich plant DiLT Analytics die Veröffentlichung eines Open-Source-Werkzeugs für die Übersetzung von Gebäudedaten in den BACtwin-Standard.
Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Datenmodell für technische Gebäudeinformationen.
Langfristig will das Startup seine Diagnosefunktionen auch auf Wärmepumpen, Kältemaschinen, Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher ausweiten.
Diese Erweiterungen sind Teil der weiteren Produktplanung.
Automatisierung als Antwort auf komplexe Gebäudeportfolios
Mit FaciliMind adressiert DiLT Analytics eine Herausforderung, die bei großen Immobilienbeständen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Technische Anlagen erzeugen umfangreiche Datenmengen, deren systematische Auswertung erhebliche personelle Ressourcen erfordert.
Gleichzeitig müssen Betreiber Energieverbrauch, Betriebskosten und technische Zuverlässigkeit im Blick behalten.
Die Grazer Software soll diese Informationen automatisiert analysieren und das vorhandene Wissen über den Anlagenbetrieb langfristig verfügbar machen.
Die siebenstellige Finanzierung ermöglicht dem Unternehmen nun, seine Technologie weiterzuentwickeln und die kommerzielle Verbreitung zu beschleunigen.
Entscheidend für die nächste Wachstumsphase wird sein, wie zuverlässig die Software in unterschiedlichen technischen Umgebungen eingesetzt werden kann und welche messbaren Energie- und Kosteneinsparungen sich bei den Kunden tatsächlich realisieren lassen.

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