Blockchain

Boerse Stuttgart Group erhält für Seturion DLT-Lizenz für europäische Blockchain-Abwicklungsplattform Seturion

Die Boerse Stuttgart Group erhält als erste europäische Börsengruppe eine DLT-TSS-Lizenz. Ihre Blockchain-Plattform Seturion soll die Wertpapierabwicklung europaweit vereinfachen und Kosten um bis zu 90 Prozent reduzieren.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Stuttgart, 20. Oktober 2026

Die Boerse Stuttgart Group hat einen wichtigen regulatorischen Schritt beim Aufbau ihrer europäischen Infrastruktur für digitale Wertpapiere erreicht. Als erste Börsengruppe Europas erhielt sie eine Lizenz für ein sogenanntes DLT Trading and Settlement System (DLT TSS). Die Genehmigung wurde von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Rahmen eines Verfahrens erteilt, an dem auch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) und die Europäische Zentralbank (EZB) beteiligt waren.

Mit der Zulassung erhält die zur Börsengruppe gehörende Plattform Seturion die regulatorische Grundlage, um Wertpapiertransaktionen auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) europaweit abzuwickeln. Das Angebot richtet sich an Banken, Broker und Handelsplätze, die ihre bestehenden Systeme an eine gemeinsame Infrastruktur anschließen können.

Bislang ist die europäische Wertpapierabwicklung durch unterschiedliche nationale Systeme und Marktstrukturen geprägt. Dies führt zu technischen Schnittstellen, zusätzlichen Abstimmungsprozessen und entsprechenden Kosten. Seturion soll diese Abläufe vereinfachen und eine gemeinsame technische Grundlage für die Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte schaffen.

Blockchain soll Wertpapierabwicklung vereinfachen

Das Geschäftsmodell von Seturion setzt auf die direkte Abwicklung von Transaktionen zwischen den beteiligten Marktteilnehmern. Durch sogenanntes Peer-to-Peer-Settlement sollen verschiedene zwischengeschaltete Prozesse reduziert werden.

Nach Angaben der Boerse Stuttgart Group können Banken und Broker dadurch ihre Abwicklungskosten um bis zu 90 Prozent senken. Gleichzeitig sollen sich die Zeiträume zwischen Handelsabschluss und endgültiger Übertragung der Vermögenswerte deutlich verkürzen. Ob diese Einsparungen in der Praxis erreicht werden, hängt unter anderem von den jeweiligen technischen Integrationen und bestehenden Abwicklungsstrukturen ab.

Die Lizenz ist nicht nur die Grundlage für die Etablierung von Seturion als paneuropäische digitale Settlement-Plattform. Sie ist auch ein wichtiger Schritt, um einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt in die Tat umzusetzen.

Matthias Voelkel, CEO der Boerse Stuttgart Group

Technologisch ist Seturion sowohl für öffentliche als auch für private Blockchains ausgelegt. Zudem unterstützt die Plattform die Abwicklung gegen unterschiedliche Formen digitalen Geldes, darunter blockchainbasierte Zahlungsmittel und Zentralbankgeld.

Für Handelsplätze ergibt sich daraus eine weitere Möglichkeit: Sie können den Handel mit tokenisierten Vermögenswerten anbieten und die anschließende Abwicklung über Seturion durchführen, ohne dafür selbst eine entsprechende DLT-Lizenz beantragen zu müssen.

Kooperationen sollen europaweite Verbreitung ermöglichen

Für den weiteren Aufbau der Plattform arbeitet Seturion bereits mit mehreren etablierten Finanzunternehmen zusammen. Zu den strategischen Partnern zählen flatexDEGIRO, Nasdaq, Société Générale und deren Digital-Asset-Tochter SG FORGE. Weitere Kooperationen sind geplant.

Seturion-CEO Lidia Kurt sieht in der regulatorischen Zulassung die Voraussetzung, um Blockchain-Technologie stärker in die bestehende europäische Kapitalmarktinfrastruktur zu integrieren. Ziel sei eine Abwicklungsplattform, die unterschiedlichen Marktteilnehmern offensteht und zugleich die europäischen regulatorischen Anforderungen erfüllt.

Die Boerse Stuttgart Group verfügt bereits über Erfahrungen mit regulierten Blockchain-Handelssystemen. In der Schweiz betreibt Seturion mit SeturionX ein von der Finanzmarktaufsicht FINMA zugelassenes DLT-Handelssystem für tokenisierte Vermögenswerte.

Mit der neuen europäischen Lizenz erweitert die Börsengruppe ihre Aktivitäten im Bereich digitaler Kapitalmarktinfrastruktur. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, wie viele Banken, Broker und Handelsplätze ihre Systeme tatsächlich anbinden und in welchem Umfang tokenisierte Wertpapiere künftig über die Plattform abgewickelt werden.


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