TODAY erhält 2,8 Millionen Euro
Das KI-Startup TODAY hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 2,8 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde gemeinsam vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) und Insurtech Gateway. Seed X, Lucid Capital, der ehemalige HDI-CEO Herbert Rogenhofer und Tech11-Gründer Pierre Dubosq beteiligen sich ebenfalls. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Plattform für Finanz- und Versicherungsberater im DACH-Raum skalieren und die Automatisierung von Front- und Backoffice-Prozessen ausbauen.
TODAY wurde 2024 von Michael Gackstatter und Artem Demchenkov gegründet und hat seinen Sitz in Kopenhagen und Berlin. Nach Angaben des Unternehmens nutzen mittlerweile mehr als 3.500 Berater bei Versicherern, Vertrieben und Maklerhäusern die Plattform im Arbeitsalltag.
KI-Agenten sollen administrative Aufgaben übernehmen
TODAY versteht seine Software als Betriebssystem für den Finanzvertrieb. Die Plattform soll Berater vor, während und nach Kundengesprächen unterstützen und einen Teil der damit verbundenen administrativen Arbeit automatisieren.
Dazu werden Kundentermine beispielsweise transkribiert und dokumentiert. Darüber hinaus können KI-Agenten Routineaufgaben im Backoffice übernehmen, Berater während des Vertriebsprozesses unterstützen und eingehende Telefonate bearbeiten.
Das Ziel ist, möglichst viele administrative Tätigkeiten aus dem Beratungsalltag herauszulösen, während die eigentliche Kundenbeziehung beim menschlichen Berater bleibt.
TODAY bezeichnet seinen Ansatz dabei als „Compliance-first“. Gerade im regulierten Finanz- und Versicherungsvertrieb soll die Technologie damit nicht nur Produktivität erhöhen, sondern gleichzeitig regulatorische Anforderungen berücksichtigen.
3.500 Berater nutzen TODAY
Mit mehr als 3.500 Nutzern verfügt das junge Unternehmen nach eigenen Angaben bereits über eine größere Anwenderbasis im DACH-Raum. Zu den Kunden gehören Versicherer, Vertriebsorganisationen und Maklerhäuser. Konkrete Unternehmensnamen nennt TODAY in der Mitteilung allerdings nicht.
Nach eigenen Angaben sparen Nutzer der Plattform durchschnittlich fünf Stunden administrative Arbeit pro Woche. Zudem sollen Berater ihren Umsatz mit TODAY um bis zu zehn Prozent steigern können.
Das Unternehmen spricht außerdem von durchschnittlich 50-mal mehr Einblicken aus Kundengesprächen.
Wie diese Werte genau erhoben wurden, wie groß die zugrunde liegende Stichprobe ist und über welchen Zeitraum die Effekte gemessen wurden, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Die Kennzahlen sind daher zunächst als Unternehmensangaben einzuordnen.
Mehr Automatisierung im Finanzvertrieb
TODAY setzt auf einen Markt, der gleichzeitig von technologischem und regulatorischem Wandel geprägt ist.
Finanz- und Versicherungsberater müssen Kundengespräche dokumentieren und zahlreiche administrative sowie regulatorische Prozesse abbilden. Gleichzeitig steigt der Druck, größere Kundenbestände mit begrenzten personellen Ressourcen zu betreuen.
Das Startup sieht darin einen Einsatzbereich für spezialisierte KI-Agenten. Anders als allgemeine KI-Anwendungen soll die Software auf Prozesse und Anforderungen des Finanz- und Versicherungsvertriebs zugeschnitten sein.
Mit dem frischen Kapital will TODAY diesen Ansatz ausweiten. Neben der weiteren Skalierung im DACH-Raum soll insbesondere die „agentische“ Automatisierung des Front- und Backoffice vorangetrieben werden.
Gründer mit FinTech- und InsurTech-Erfahrung
Die beiden Gründer bringen Erfahrungen aus mehreren Unternehmen der Finanztechnologie mit.
CEO Michael Gackstatter und CTO Artem Demchenkov waren zuvor in Führungspositionen bei FinTechs und InsurTechs wie CLARK, Funding Circle und Billie tätig.
HTGF-Investmentmanager Tizian Hoppen sieht insbesondere diese Kombination aus Branchenerfahrung und Umsetzungskompetenz als Stärke des Teams. Auch Insurtech Gateway verweist auf die enge Zusammenarbeit von TODAY mit Finanz- und Versicherungsberatern bei der Produktentwicklung.
2,8 Millionen Euro für die nächste Wachstumsphase
Die Seed-Runde soll TODAY nun helfen, aus der bestehenden Nutzung durch 3.500 Berater eine breitere Marktposition im deutschsprachigen Finanz- und Versicherungsvertrieb aufzubauen.
Dabei dürfte entscheidend sein, wie weit sich die Automatisierung tatsächlich treiben lässt. Transkription und Dokumentation von Gesprächen sind inzwischen etablierte KI-Anwendungsfälle. Anspruchsvoller wird es, wenn Agenten eigenständig Aufgaben übernehmen, Kundenkommunikation bearbeiten oder Prozesse in einem stark regulierten Umfeld ausführen.
Genau dort will sich TODAY positionieren. Gelingt es dem Unternehmen, seine KI-Agenten zuverlässig in bestehende Prozesse von Versicherern, Vertrieben und Maklerhäusern einzubinden, könnte aus dem bisherigen Assistenzsystem zunehmend eine operative Automatisierungsplattform für den Finanzvertrieb werden.

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