German Indian Innovation Summit 2026 setzt auf gemeinsame KI- und Industrieprojekte
Mehr als 300 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Forschung sind beim German Indian Innovation Summit 2026 in Berlin zusammengekommen. Unter dem Motto „AI for Industries“ diskutierten die Teilnehmer über eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien in Bereichen wie Mobilität, Produktion, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Gesundheitswesen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur langfristige Ziele: Mit einer neuen Partnerschaft zwischen GIIC und NASSCOM, dem India Desk Germany und einer gemeinsamen Innovation Challenge wurden mehrere konkrete Initiativen vorgestellt.
Veranstaltet wurde der Summit vom German Indian Innovation Corridor (GIIC) im AXICA am Brandenburger Tor. Der Verein will Unternehmen, Startups, Investoren und Institutionen beider Länder stärker miteinander vernetzen.
Gemeinsame Vision für 2035
GIIC-Chair Jan Lachenmayer und Vice-Chair Upen Barve stellten auf dem Summit eine gemeinsame Vision für das Jahr 2035 vor. Deutschland beziehungsweise Europa und Indien sollen darin eine stärkere gemeinsame Achse für Innovation und wirtschaftliches Wachstum bilden.
Aus Sicht der Veranstalter ergänzen sich dabei unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangslagen. Während deutsche Industrieunternehmen unter Kosten- und Wettbewerbsdruck stehen, wächst die indische Wirtschaft und baut ihre technologischen und digitalen Kapazitäten weiter aus.
Der GIIC will deshalb insbesondere gemeinsame Wertschöpfung und Technologieentwicklung zwischen beiden Märkten fördern.
„Es geht nicht nur darum, mehr miteinander zu handeln, sondern insbesondere mehr miteinander zu entwickeln, um so eine gemeinsame Wertschöpfung zu ermöglichen“, erklärte Lachenmayer.
India Desk soll indischen Unternehmen Zugang nach Europa erleichtern
Ein Baustein dieser Strategie ist der India Desk Germany, den GIIC gemeinsam mit Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie sowie NLND umsetzt.
Die Initiative soll indischen Startups und Unternehmen den Zugang zum deutschen und europäischen Markt über Berlin erleichtern. Auf dem Summit berichteten Vertreter der beteiligten Organisationen über erste Erfahrungen mit dem Programm.
Im Fokus stehen insbesondere Unternehmen aus Künstlicher Intelligenz, DeepTech, Mobilität, Aerospace und Life Sciences.
Für Berlin Partner soll der India Desk dabei als direkter Zugang zum Berliner Innovationsökosystem dienen und Unternehmen bei ihrer Expansion nach Europa unterstützen.
GIIC kooperiert mit NASSCOM
Eine weitere Ankündigung betrifft die Zusammenarbeit mit dem indischen Technologieverband NASSCOM.
GIIC und NASSCOM wollen künftig gemeinsam deutsche Unternehmen stärker mit dem indischen Global-Capability-Center-Modell vernetzen. Solche Zentren werden von internationalen Unternehmen genutzt, um unter anderem IT-, Entwicklungs- und Forschungsaufgaben in Indien abzubilden.
Mit SAP, Siemens und Bosch nennt GIIC mehrere deutsche Konzerne, die bereits entsprechende Strukturen in Indien betreiben.
NASSCOM vertritt nach Angaben des GIIC eine indische IT- und Softwaredienstleistungsbranche mit einem Volumen von 283 Milliarden US-Dollar und mehr als 3.000 Mitgliedsunternehmen.
Die Partnerschaft soll diesen Zugang künftig auch für weitere deutsche Unternehmen erleichtern.
Innovation Challenge für urbane Mobilität in Indien
Als dritte konkrete Initiative wurde die GIZ GIIC Innovation Challenge angekündigt.
Elisabeth von Ritter vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellte das Programm auf dem Summit vor. Die Public-Private-Sector-Initiative konzentriert sich auf den öffentlichen urbanen Mobilitätssektor im indischen Gurugram.
Im Fokus stehen dabei Lösungen rund um Umwelt und Effizienz sowie Inklusion und die Sicherheit von Frauen im öffentlichen Verkehr.
Weitere Details zum Umfang der Challenge, zur Finanzierung oder zum Bewerbungsprozess nennt die Mitteilung noch nicht.
KI für Industrie statt reiner Softwareanwendungen
Inhaltlich stellte der Summit industrielle Anwendungen Künstlicher Intelligenz in den Mittelpunkt.
Parallel laufende Tracks beschäftigten sich mit KI in Produktion und Fertigung, Mobilität, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Gesundheitswesen. Hinzu kamen Diskussionen über geopolitische Risiken und die Investmentbeziehungen zwischen Deutschland und Indien.
Deutsche und indische Startups präsentierten zudem ihre Technologien in einem DeepTech-Pitch-Wettbewerb.
Zu den Teilnehmern und Vortragenden gehörten unter anderem Vertreter von Siemens Technology and Services, Maruti Suzuki und Bosch Connected Industry sowie Institutionen und Forschungseinrichtungen aus beiden Ländern.
Vom Austausch zu gemeinsamen Projekten
Für den German Indian Innovation Corridor soll der Summit langfristig mehr sein als eine Netzwerkveranstaltung. Die Organisation will Strukturen aufbauen, über die aus dem politischen und wirtschaftlichen Austausch konkrete Kooperationen entstehen.
Die drei auf dem Summit hervorgehobenen Initiativen zeigen dabei unterschiedliche Richtungen: Der India Desk soll indischen Unternehmen den Marktzugang nach Deutschland erleichtern, die NASSCOM-Partnerschaft deutsche Unternehmen stärker mit indischen Technologie- und Entwicklungsstrukturen verbinden und die Innovation Challenge konkrete Lösungen für den indischen Markt hervorbringen.
Ob daraus tatsächlich die vom GIIC angestrebte Innovationsachse bis 2035 entsteht, wird vor allem davon abhängen, wie viele gemeinsame Unternehmen, Investitionen und Technologieprojekte aus diesen Strukturen hervorgehen. Der Berliner Summit liefert dafür zunächst weitere institutionelle Verbindungen zwischen beiden Ökosystemen.

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