AgTech

hexafarms erhält 4,8 Millionen Euro für KI-gestütztes Greenhouse-Monitoring

Ananda Impact Ventures und Green Generation Fund führen die Seed-Runde des Berliner AgTechs an. Zusätzlich stehen bis zu 800.000 Euro als Nachrangdarlehen bereit.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 06. Oktober 2026

Das Berliner AgTech hexafarms hat eine Seed-Finanzierungsrunde über 4,8 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Ananda Impact Ventures und Green Generation Fund. Grey Silo Ventures und better ventures sowie die bestehenden Investoren Speedinvest, Mudcake und Techstars beteiligen sich ebenfalls. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Technologie für die Überwachung professioneller Obst- und Gemüsebetriebe weiterentwickeln und insbesondere in der DACH-Region, den Benelux-Ländern und Spanien expandieren.

Zusätzlich zur Eigenkapitalrunde hat hexafarms eine Start-up-Förderung der Rentenbank sowie ein Nachrangdarlehen von bis zu 800.000 Euro erhalten.

Sensoren, KI und Roboter auf einer Plattform

hexafarms entwickelt eine Plattform, die Daten aus dem Pflanzenbestand erfassen und daraus konkrete Informationen für Anbaubetriebe ableiten soll. Dafür kombiniert das Unternehmen eigene drahtlose Sensoren und autonome Roboter mit KI-gestützter Software.

Die Sensoren messen alle fünf Minuten unter anderem Klima, Licht, Substratbedingungen, Drainage und Fertigation. Insgesamt verarbeitet die Software mehr als 70 Parameter und erstellt daraus laufend aktualisierte Ernteprognosen für einzelne Kulturen und Anbaubereiche.

Ergänzend kommen autonome Roboter zum Einsatz. Sie sollen täglich jede Pflanze auf Flächen von zwei bis drei Hektar kontrollieren und dabei frühzeitig Anzeichen von Krankheiten oder Schädlingsbefall erkennen.

Die KI-Modelle unterstützen nach Angaben von hexafarms derzeit rund 50 Sorten, darunter Tomaten, Paprika, Gurken, Auberginen und verschiedene Beeren.

Mehr als 50 Betriebe in 13 Ländern

Die Technologie wird laut Unternehmen bereits von mehr als 50 Anbaubetrieben in 13 Ländern eingesetzt. Zu den genannten Kunden gehören der Obst- und Gemüseanbieter SanLucar sowie die Erzeugergenossenschaften Elo und Royal ZON.

Im laufenden Jahr haben Kunden mithilfe der Software und Hardware von hexafarms nach Unternehmensangaben bereits die Produktion von Obst und Gemüse im Wert von mehr als 300 Millionen Euro begleitet.

Das Geschäftsmodell basiert auf einem Abonnement. hexafarms stellt Software und Hardware bereit und übernimmt Installation und Wartung. Für die landwirtschaftlichen Betriebe wird die Technologie damit zu einer laufenden Betriebsausgabe, statt größere Anfangsinvestitionen in eigene Systeme zu erfordern.

Bis zu 30 Prozent ungenutztes Ertragspotenzial

hexafarms adressiert mit seiner Technologie ein Problem, das insbesondere bei großen professionellen Anbaubetrieben entsteht. Je größer die bewirtschafteten Flächen und Gewächshausanlagen werden, desto schwieriger wird es, den Zustand einzelner Pflanzen ausschließlich durch manuelle Kontrollen zu überwachen.

Nach eigenen Analysen des Startups schöpfen gewerbliche Anbaubetriebe bis zu 30 Prozent ihres möglichen Ertragspotenzials nicht aus. Als Gründe nennt hexafarms unter anderem nicht optimale Wachstumsbedingungen, ungenaue Ernteprognosen sowie zu spät erkannten Schädlings- oder Krankheitsbefall.

Die Plattform soll diese Informationen an einer Stelle bündeln. Dadurch können Betriebe beispielsweise Zusammenhänge zwischen klimatischen Bedingungen und dem Auftreten bestimmter Schädlinge nachvollziehen.

Wie stark sich Erträge durch den Einsatz der Plattform im Durchschnitt tatsächlich steigern oder Verluste reduzieren lassen, geht aus der Mitteilung allerdings nicht hervor.

Integration in bestehende Gewächshaustechnik

hexafarms verfolgt bei seiner Software einen API-first-Ansatz. Die Plattform soll sich dadurch mit bereits vorhandener Technik verbinden lassen.

Schnittstellen bestehen nach Unternehmensangaben unter anderem zu Klimacomputern von Priva, Hoogendoorn und Ridder.

Für professionelle Anbaubetriebe ist diese Integration relevant, da hexafarms damit nicht zwingend die bestehende Steuerungstechnik ersetzen muss. Stattdessen entsteht eine zusätzliche Datenebene, in der Informationen aus Sensoren, Robotern und vorhandenen Systemen zusammengeführt werden.

Expansion in europäische Anbauregionen

Mit den 4,8 Millionen Euro will das Team um CEO und Mitgründer David Ahmed nun sowohl die Hardware als auch die KI-Modelle weiterentwickeln. Ein Schwerpunkt liegt auf der drahtlosen Sensorik, den Ernteprognosen und der automatisierten Kontrolle der Pflanzenbestände.

Parallel soll der Vertrieb in wichtigen europäischen Agrarmärkten ausgebaut werden. Im Fokus stehen Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie die Benelux-Länder und Spanien.

Die Kombination aus eigener Hardware und Software macht die Skalierung zwar aufwendiger als bei einem reinen Softwareprodukt, ermöglicht hexafarms zugleich aber den direkten Zugriff auf Daten aus den Gewächshäusern.

Mit mehr als 50 Betrieben in 13 Ländern hat das Unternehmen bereits erste internationale Referenzen aufgebaut. Entscheidend für die nächste Wachstumsphase dürfte nun sein, ob sich die bislang erreichte Traktion in den anvisierten europäischen Märkten skalieren lässt und die Plattform ihren versprochenen Einfluss auf Ernteplanung und Ertragsverluste im breiteren Einsatz nachweisen kann.


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