LegalTech

Pandektes erhält 13,5 Millionen Euro in Series A

Alstin Capital führt die Series-A-Runde des dänischen LegalTechs an. PROfounders, Scale Capital und bestehende Investoren beteiligen sich ebenfalls.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Kopenhagen, 05. Oktober 2026

Das dänische LegalTech Pandektes hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 13,5 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Alstin Capital, beteiligt sind außerdem PROfounders, Scale Capital und bestehende Investoren. Das in Kopenhagen gegründete Unternehmen entwickelt eine Plattform, mit der Juristen Gesetze, Urteile und andere Rechtsquellen durchsuchen und auswerten können. Mit dem Kapital will Pandektes seine Expansion in Europa und Nordamerika vorantreiben und seine juristische Dateninfrastruktur zunehmend für externe Anbieter öffnen.

Mehr als 500 Organisationen nutzen Pandektes

Pandektes tritt in einen Markt ein, der über Jahrzehnte von etablierten juristischen Datenbanken geprägt wurde. Weniger als zwei Jahre nach dem Start nutzen nach Unternehmensangaben mittlerweile mehr als 500 Kanzleien, Unternehmen und öffentliche Institutionen die Plattform.

Innerhalb der vergangenen zwölf Monate habe sich der Umsatz versechsfacht. Rund zwei Drittel der Organisationen, die Pandektes testen, werden laut Unternehmen anschließend zu zahlenden Kunden. Teilweise würden dabei bestehende Lizenzen anderer Rechercheplattformen vollständig ersetzt.

Absolute Umsatz- oder Kundenzahlen über die genannten 500 Organisationen hinaus veröffentlicht Pandektes nicht.

Aktuell ist das Unternehmen in Deutschland, der Schweiz und Dänemark aktiv.

KI strukturiert Gesetze und Gerichtsentscheidungen

Die technische Herausforderung bei juristischen Daten liegt weniger darin, überhaupt Zugang zu Informationen zu erhalten. Viele Gesetze, Urteile und Verwaltungsentscheidungen sind öffentlich verfügbar. Sie stammen allerdings aus Tausenden unterschiedlichen Quellen und müssen kontinuierlich erfasst, aktualisiert, strukturiert und miteinander verknüpft werden.

Genau diesen Prozess will Pandektes zu großen Teilen automatisieren.

Die Plattform sammelt juristische Informationen und bereitet sie so auf, dass Nutzer relevante Quellen durchsuchen und Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Dokumenten erkennen können. Künstliche Intelligenz übernimmt dabei Aufgaben, die bei traditionellen Datenbanken teilweise durch große Redaktionsteams erledigt werden.

Menschliche Expertise soll insbesondere bei rechtlicher Bewertung und Qualitätskontrolle weiterhin eine Rolle spielen.

Grenzüberschreitende Rechtsrecherche

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Vereinheitlichung juristischer Daten aus unterschiedlichen Rechtsordnungen.

Gerade bei europäischen Fragestellungen können Juristen mit nationalen Datenbanken schnell an Grenzen stoßen. Pandektes will Informationen verschiedener Länder in einer gemeinsamen Struktur verfügbar machen und dadurch beispielsweise Recherchen rund um europäisches Recht erleichtern.

Mit dem neuen Kapital soll diese Infrastruktur auf weitere europäische Rechtsordnungen sowie Nordamerika ausgeweitet werden.

CEO Casper Laursen sieht darin die Möglichkeit, eine Alternative zu national gewachsenen Datenbanken aufzubauen, deren Informationsbestände und Arbeitsabläufe sich über Jahrzehnte etabliert haben.

API soll Pandektes zum Infrastrukturanbieter machen

Strategisch besonders interessant ist die geplante Öffnung der Dateninfrastruktur über eine eigene API.

Pandektes positioniert sich damit nicht ausschließlich als Rechercheplattform für Juristen. Kanzleien, Unternehmen, öffentliche Institutionen und andere Softwareanbieter sollen die strukturierten Rechtsdaten künftig direkt in eigene Anwendungen integrieren können.

Das Unternehmen grenzt sich entsprechend von Legal-AI-Anbietern ab, die komplette Arbeitsplattformen für Anwälte entwickeln. Pandektes will vielmehr eine Ebene darunter ansetzen und die Recherche- und Dateninfrastruktur bereitstellen.

Damit könnte die Plattform auch für Anbieter von KI-Agenten und anderen juristischen KI-Anwendungen relevant werden. Nach Auffassung des Unternehmens hängt deren Zuverlässigkeit maßgeblich von Qualität und Struktur der zugrunde liegenden Rechtsdaten ab.

Daten werden zum Wettbewerbsvorteil für Legal AI

Mit der Series A versucht Pandektes damit, sich in einem zunehmend umkämpften LegalTech-Markt auf einer grundlegenden Ebene zu positionieren. Während viele Anbieter um die direkte Nutzeroberfläche für Anwälte konkurrieren, setzt das Unternehmen auf die darunterliegende Datenbasis.

Der Ansatz könnte besonders relevant werden, wenn immer mehr Kanzleien und Unternehmen eigene KI-Anwendungen oder spezialisierte Legal-AI-Produkte einsetzen. Diese benötigen verlässliche, aktuelle und maschinenlesbare Rechtsinformationen.

Ob Pandektes dabei tatsächlich eine länderübergreifende Alternative zu etablierten juristischen Datenbanken aufbauen kann, hängt jedoch wesentlich von Abdeckung, Aktualität und Qualität seiner Daten ab. Mit 13,5 Millionen Euro erhält das Unternehmen nun zusätzliches Kapital, um genau diese Infrastruktur über weitere Rechtsordnungen hinweg zu skalieren.


Like it? Please spread the word:


Newsletter

Startups, Geschichten und Statistiken aus dem deutschen Startup-Ökosystem direkt in deinen Posteingang. Abonnieren mit 2 Klicks. Noice.

LinkedIn Connect

FYI: English edition available

Hello my friend, have you been stranded on the German edition of Startbase? At least your browser tells us, that you do not speak German - so maybe you would like to switch to the English edition instead?

Go to English edition

FYI: Deutsche Edition verfügbar

Hallo mein Freund, du befindest dich auf der Englischen Edition der Startbase und laut deinem Browser sprichst du eigentlich auch Deutsch. Magst du die Sprache wechseln?

Deutsche Edition öffnen

Ähnliche Beiträge