Personio übernimmt Ausgabenmanagement-Plattform Circula
Das Münchner HRTech Personio übernimmt die Berliner Ausgabenmanagement-Plattform Circula. Damit erweitert Personio sein Angebot über Personalverwaltung und Lohnabrechnung hinaus um Auslagen, Reisekosten, Firmenkarten und Mitarbeiter-Benefits. Circula betreut nach eigenen Angaben mehr als 3.000 mittelständische Unternehmen in Europa. Der Kaufpreis und weitere finanzielle Details der Transaktion wurden nicht bekannt gegeben.
Circula firmiert ab dem 6. Oktober als „Circula by Personio“. Das Team wechselt vollständig zu Personio. Gleichzeitig soll das Produkt auch für Unternehmen verfügbar bleiben, die Personio nicht nutzen.
Von HR und Payroll zum Ausgabenmanagement
Für Personio ist die Übernahme ein weiterer Schritt beim Ausbau der eigenen Plattform. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren unter anderem eine eigene Lohnabrechnung aufgebaut und will nun weitere finanzielle Prozesse rund um Mitarbeiter integrieren.
Künftig sollen Unternehmen Gehälter, Benefits, Auslagen und Firmenkarten über eine gemeinsame Plattform verwalten können.
„Ausgabenmanagement gehört zu den Funktionen, die sich unsere Kunden am häufigsten wünschen“, erklärt Personio-Mitgründer und CEO Hanno Renner.
Nach Angaben des Unternehmens soll Personio durch die Übernahme zum einzigen europäischen Anbieter werden, der sämtliche Geschäftsausgaben für Mitarbeiter innerhalb einer Software abbilden kann. Unabhängige Vergleichsdaten, die diesen Anspruch belegen, nennt das Unternehmen in der Mitteilung nicht.
Circula bringt mehr als 3.000 Kunden mit
Circula wurde vor rund neun Jahren aufgebaut und hat sich auf digitales Ausgabenmanagement für Unternehmen spezialisiert.
Mehr als 3.000 europäische Mittelständler nutzen die Plattform laut Unternehmen bereits für Auslagen, Reisekosten, Firmenkarten und Benefits.
Personio wiederum spricht von insgesamt 16.000 europäischen Kunden. Die beiden Unternehmen arbeiten bereits seit mehreren Jahren zusammen und haben nach eigenen Angaben mehrere hundert gemeinsame Kunden.
Die Übernahme beginnt damit nicht bei null. Mitarbeiterdaten sowie Informationen zu Kostenstellen und Genehmigungsprozessen konnten bereits zwischen beiden Systemen synchronisiert werden.
DATEV bleibt wichtiger Bestandteil
Eine besondere Rolle spielt bei beiden Unternehmen die Verbindung zu Steuerberatern und DATEV.
Auslagen aus Circula können bereits heute sowohl über DATEV als auch über Personio Payroll in die Lohnabrechnung einfließen. Die bestehenden Integrationen sollen nach der Übernahme weiter ausgebaut werden und langfristig stärker zu einer gemeinsamen Lösung zusammenwachsen.
Beide Unternehmen verfügen zudem nach eigenen Angaben über Communities mit jeweils mehreren hundert Steuerberatern.
Personio bringt dabei vor allem sein Compliance- und Steuerwissen aus der Lohn- und Gehaltsabrechnung ein. Circula ergänzt Expertise rund um Auslagen und Mitarbeiter-Benefits.
Circula bleibt als Produkt bestehen
Für bestehende Circula-Kunden soll sich zunächst wenig ändern.
Die DATEV-Integration bleibt erhalten und auch die Technologie soll weiterentwickelt werden. Kunden, die Personio bislang nicht einsetzen, können Circula weiterhin als eigenständiges Produkt nutzen.
Bei gemeinsamen Kunden soll die Integration dagegen deutlich tiefer werden.
"Bisher wurde aber steuerliche Logik beim Ausgabenmanagement und bei Payroll immer von zwei unterschiedlichen Unternehmen gebaut", erklärt Circula-Mitgründer und CEO Nikolai Skatchkov. Der Zusammenschluss soll diese bislang getrennten Bereiche künftig innerhalb einer gemeinsamen Produktstrategie verbinden.
Das gesamte Circula-Team wird Teil von Personio. Angaben zur Mitarbeiterzahl von Circula oder zu möglichen organisatorischen Veränderungen macht die Mitteilung nicht.
Personio verbreitert seine Plattform
Strategisch erweitert Personio mit der Übernahme den adressierten Bereich innerhalb seiner bestehenden Kundenunternehmen. Statt ausschließlich HR-Prozesse und Payroll abzubilden, rückt die Plattform stärker an Finanzprozesse rund um die Belegschaft heran.
Das kann insbesondere für mittelständische Unternehmen interessant sein, die Personal-, Lohn- und Ausgabendaten bislang über mehrere Systeme verteilen.
Gleichzeitig übernimmt Personio mit Circula nicht nur zusätzliche Funktionen, sondern auch mehr als 3.000 Kunden und eine bereits etablierte Technologie. Dass beide Plattformen bereits integriert sind und mehrere hundert gemeinsame Kunden haben, könnte die technische Zusammenführung erleichtern.
Entscheidend wird nun sein, wie weit Personio die bislang getrennten Produkte tatsächlich zu einer gemeinsamen Plattform verbinden kann, ohne die eigenständige Nutzung von Circula einzuschränken. Der angekündigte Fortbestand von Circula als separates Angebot deutet darauf hin, dass die Integration schrittweise erfolgen dürfte.

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